Stuttgart-Fasanenhof/Stuttgart-Hohenheim Schüler bauen ihre eigenen Klassenräume

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Die Landwirtschaftliche Schule zieht um. Ein Fach wird künftig in der Stadtgärtnerei in Stuttgart-Fasanenhof gelehrt. Damit die Räume rechtzeitig fertig werden, legen die Schüler selbst Hand an.

Derzeit steht nur das Gerippe. Von September an unterrichtet Christopher Willmann in diesem Foliengewächshaus seine Schüler. Foto: Alexandra Kratz
Derzeit steht nur das Gerippe. Von September an unterrichtet Christopher Willmann in diesem Foliengewächshaus seine Schüler. Foto: Alexandra Kratz

Fasanenhof - Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.“ So soll es einst Johann Wolfgang von Goethe gesagt haben. Die Schüler der Landwirtschaftlichen Schule Hohenheim nehmen dieses Zitat wörtlich. Auf dem Gelände der Stadtgärtnerei am Logauweg errichten einige von ihnen derzeit zwei grüne Klassenzimmer. Und auch das ist wörtlich zu nehmen, denn eigentlich sind es zwei Gewächshäuser.

Die Stadtgärtnerei braucht sie nicht mehr. Der Bereich Praktische Fachkunde der Landwirtschaftlichen Schule dafür aber um so mehr. Lange Zeit war dieser auf dem Gelände der Versuchsstation Hohenheim beheimatet. Doch dort ist kein Platz mehr. So kam die Stadtgärtnerei ins Gespräch. Aber dann verloren die Verantwortlichen bei der Stadt die Sache aus den Augen. Jetzt drängt die Zeit. Nach den Sommerferien muss alles fertig sein. Das geht nur mit Eigenleistung.

Bisher stehen nur zwei Gerippe

„Wir machen aus der Not eine Tugend“, sagt Christopher Willmann. Er ist gelernter Gärtnermeister und technischer Lehrer an der Landwirtschaftlichen Schule und unterrichtet Praktische Fachkunde. In diesem Fach lernen die Auszubildenden zum Beispiel, wie man einen Zaun baut oder eine Einfahrt pflastert. „Es ist die Schnittstelle zwischen der Theorie an der Schule und der Praxis in den Betrieben“, sagt Willmann. Da seien Projekte wichtig. Willmann war mit seinen Schülern schon auf der Schwäbischen Alb und in der Schweiz. Mal helfen sie beim Renovieren eines Vereinsheims, mal bei der Landschaftspflege. „Es ist schön zu sehen, was die Schüler in ihren Betrieben gelernt haben und wie sie an einem Ziel arbeiten“, sagt Willmann.

Zu tun gibt es noch einiges. Von den Gewächshäusern steht nur das Gerippe. Die Schüler haben bereits das Unkraut herausgerupft. In einem der Gewächshäuser soll im vorderen Teil ein etwa 80 Quadratmeter großer Schulungsraum entstehen. Der bekommt einen Boden aus Betonpflaster. Dazu haben die angehenden Landschaftsbauer das Erdreich mehrere Zentimeter tief ausgehoben. Am Montag setzten sie die Randsteine. Dann folgen der Schotter und schließlich die Pflastersteine. Alles in allem rechnet der Lehrer für sich und seine Schüler mit acht Tagen Arbeit.

Im hinteren Teil des Gewächshauses bleibt der Erdboden. „Der stampft sich mit der Zeit fest“, sagt Willmann. Künftig wird dort eine 160 Quadratmeter große Werkstatt sein. Dort lernen die jungen Menschen unter anderem Holz-, Metall- und Rasenbau. „Das ist perfekt. Wir können nach der Theorie im Schulungsraum direkt zur Praxis in der Werkstatt übergehen“, sagt Willmann. Im zweiten Gewächshaus haben die Schüler nicht viel zu tun. Dort wird künftig gegärtnert, und die Lehrlinge lernen mehr über Zierpflanzen, Stauden und Gemüseanbau.

Der Termin für den Umzug nach Vaihingen steht

Während der Sommerferien zieht eine Fachfirma neue Folien über das Gewächshaus, sodass die Schüler vor Wind und Wetter geschützt sind. Professionelle Handwerker kümmern sich auch um die Heizung und die Elektrik. „Die Stadt hat dafür kurzfristig Geld zur Verfügung gestellt. Dafür sind wir dankbar“, sagt Willmann. Er lobt die gute Zusammenarbeit mit der Stadtgärtnerei und freut sich über die Unterstützung, die er und seine Schüler von befreundeten Gartenbaubetrieben in der Umgebung bekommen.

Ludwig Walker ist einer der Auszubildenden, der in diesen Tagen an seinem künftigen Klassenzimmer baut. „Ich freue mich über diese Möglichkeit. Wir können alles so bauen, wie wir es brauchen. Und es ist eine gute Übung für das spätere Berufsleben “, sagt der 18-Jährige.

Die Schulleiterin Karin Sailer freut sich über das Engagement der Schüler und der Lehrer. Und sie ist erleichtert, dass endlich der Termin für den Umzug nach Vaihingen steht. Seit drei Jahren ist geplant, dass die Schule, die mehrere Standorte hat, Unterrichtsräume in einem Bürogebäude an der Industriestraße bekommt. Doch das Vorhaben verschob sich mehrfach. Nun ist das Umzugsunternehmen für den 23. Juli bestellt. Bis zum Beginn des neuen Schuljahrs im September soll alles fertig sein.

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