Stuttgart-Fasanenhof Weiterer Wohnbau scheucht Bürger auf

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Schon wieder ist ein neues Nachverdichtungsprojekt im Stuttgarter Stadtteil Fasanenhof aufgeploppt. Der Unmut ist groß. Die Menschen im Quartier wollen vor allem eines: mitreden.

Über dem Fasanenhof könnten sich bald wieder Baukräne drehen. Foto: dpa/Christian Charisius
Über dem Fasanenhof könnten sich bald wieder Baukräne drehen. Foto: dpa/Christian Charisius

Fasanenhof - Der Bürgerverein Fasanenhof fordert ein Gesamtkonzept. Es sei nicht im Sinne der Menschen im Stadtteil, wenn ohne Plan auf jeder noch bestehenden grünen Wiese gebaut werde, sagte das Vorstandsmitglied Olaf Geier vor Kurzem bei einer öffentlichen Sitzung. Zu dieser hatte der Verein wegen der „Dringlichkeit eines Themas“ eingeladen, das eigentlich jeden Bürger betreffe, so Geier. Es ging um die Nachverdichtung.

Was macht das Thema aktuell?

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die Wiesen zwischen der A 8, der B 27, dem Logauweg und der Fasanenhofstraße bebaut werden könnten. Die DIBAG Industriebau AG hat dort Grundstücke von privaten Eigentümern gekauft. Das bestätigte das Stadtplanungsamt auf Nachfrage des Bürgervereins. Die DIBAG sei bereits bei der Verwaltung vorstellig geworden. Für das Gebiet gilt ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1975. Dort ist eine Gemeinbedarfsfläche für ein Alten- oder Pflegeheim vorgesehen. Vorausgesetzt, dass zunächst etwas Gemeinnütziges wie ein Pflegeheim oder ein Kindergarten gebaut wird, kann sich die Verwaltung an dieser Stelle auch eine ergänzende Wohnbebauung vorstellen. Allerdings muss dazu der Bebauungsplan geändert werden, wofür es eine entsprechende Entscheidung des Gemeinderats braucht.

Gibt es weitere Projekte?

Hinzukommen weitere Wohnbauvorhaben im Stadtteil. Allen voran die geplante Nachverdichtung am Ehrlichweg. Der Bürgerverein ist mit den derzeit vorliegenden Plänen ganz und gar nicht einverstanden. Insbesondere das Hochhaus am Ende der Kurt-Schumacher-Straße stößt sauer auf. Ebenso die vielen Zeilenbauten vor dem Postbau am Bergiusweg.

Auch auf dem Gelände der katholischen Kirchengemeinde St. Ulrich am Delpweg wird es Veränderungen geben. Die Kirche bleibt, aber das Gemeindezentrum könnte abgerissen werden. Stattdessen könnten ein Pflegeheim, eine Kita und auch Wohnungen entstehen.

Was kritisiert der Bürgerverein?

Der Bürgerverein kritisierte vor allem die geplante Nachverdichtung am Ehrlichweg und die mögliche Neubebauung am Logauweg. „Die Projekte laufen an uns vorbei“, sagte Olaf Geier. Das sei zu Zeiten der Sozialen Stadt ganz anderes gewesen. Als die Stadtbahnlinie U 6 zum Schelmenwasen verlängert worden sei, sei die Linie durch den Fasanenhof auf Drängen der Bürger unterirdisch gebaut und die Haltestellen seien entsprechend der Wünsche der Bürger ausgestaltet worden. „Diese Zusammenarbeit war fruchtbar. Das Ergebnis waren zufriedene Bürger“, konstatierte Geier.

Ist der Verein gegen Wohnbau?

„Wir wissen, es braucht Wohnungen“, sagte Geier. „Aber wir möchten, dass was für Familien entsteht.“ Auf dem Fasanenhof sollen sich Menschen mit unterschiedlicher Finanzkraft etwas leisten können. „Wir wollen eine gesunde Durchmischung“, sagte er. Eckhard Benner, im Bürgerverein zuständig für Wohnen und Infrastruktur, ergänzte: „Wenn Wohnungen gebaut werden, dann brauchen wir auch die nötige Infrastruktur.“ Dazu zählten unter anderem Kindertagesstätten und eine bessere Nahversorgung.

Was will der Bürgerverein?

Der Vorstand fordert, dass die Menschen auf dem Fasanenhof in die Planungen einbezogen werden. Beim Thema Nachverdichtung am Ehrlichweg habe es zwar eine Bürgerbeteiligung gegeben. „Wir hatten aber trotzdem das Gefühl, dass der Bürgerwille nicht zählt“, sagte Benner und ergänzte: „Wenn Baden-Württemberg das Land der Bürgerbeteiligung ist, dann wollen wir das auch ernst nehmen und ernst genommen werden.“ Wichtig ist dem Bürgerverein ein Gesamtkonzept unter Einbeziehung der Mobilität. Ein solches könne nur von der Verwaltung und nicht von einem Investor kommen. Denn Investoren verfolgten finanzielle Interessen und bauten dort, wo sie Grundstück hätten, und nicht dort, wo es sinnvoll wäre.

Welche Strategie verfolgt der Verein?

Der Bürgerverein will zunächst weiter konstruktiv vorgehen und setzt noch nicht auf Konfrontation mit Verwaltung und Gemeinderat. Der Vorstand will nun noch einmal verschiedenen Stadträte anschreiben und sie zum wiederholten Mal darum bitten, sich die Situation vor Ort mit dem Bürgerverein anzuschauen. „Sie sollen sich nicht nur einen Plan anschauen, sondern wirklich wissen, worüber sie entscheiden“, sagte Benner. Und Geier versprach: „Wir bleiben dran.“

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