Stuttgart-Fasanenhof Wie es nach dem Brand in der Post weitergeht

Gerade jetzt zur Weihnachtszeit werden wieder viele Pakete verschickt. Wenn ihre Sendung nicht zugestellt werden konnte, müssen die Fasanenhofer diese aktuell in Möhringen abholen. Foto: dpa/Patrick Pleul
Gerade jetzt zur Weihnachtszeit werden wieder viele Pakete verschickt. Wenn ihre Sendung nicht zugestellt werden konnte, müssen die Fasanenhofer diese aktuell in Möhringen abholen. Foto: dpa/Patrick Pleul

Seit Anfang August gibt es auf in Stuttgart-Fasanenhof keine Filiale mehr. Doch die Deutsche Post ist verpflichtet, dort wieder eine Zweigstelle zu eröffnen. Weil das noch nicht geschehen ist und aus einem weiteren Grund erntet das Unternehmen harsche Kritik.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)
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Fasanenhof - Matthias Gaebler findet klare Worte. In der aktuellen Ausgabe der Stadtteilzeitung Fasanenhof schreibt er über die Post im Quartier. Oder besser gesagt: Er kritisiert, dass es keine mehr gibt. Denn seit dem Brand am 3. August ist die Filiale an der Kurt-Schumacher-Straße geschlossen. Inzwischen steht fest, dass die Betreiber sie nicht mehr öffnen werden. Statt dessen wird dort ein Friseur einziehen.

Die Ursache für den Brand war ein Päckchen. In diesem befand sich ein Akku. Das elektronische Teil hatte sich offenbar durch einen Defekt erhitzt und war in Flammen aufgegangen. So gesehen könnte man meinen, die Post müsse für den Schaden aufkommen.

Geht die Deutsche Post schlecht mit ihren Partnern um?

Nicht der Brand selbst, sondern die dabei entstandenen Rauchgase seien letztendlich das große Problem gewesen, schreibt Gaebler. Sämtliche im Geschäft vorhandene Ware habe entsorgt werden müssen. „Die Deutsche Post AG verhielt sich mehr als schändlich. Keinerlei sinnvolle Unterstützung – einfach nichts“, so der Mitautor der Stadtteilzeitung. Während die Postagenturbetreiberin vor einem sprichwörtlichen Scherbenhaufen gestanden habe, habe die zuständige Bereichsleitung kommentiert, dass solche Brände eben hin und wieder mal vorkämen. „Wer als Deutsche Post AG so mit seinen ,Partnern’ umgeht, braucht sich nicht zu wundern, wenn sich für diese Aufgaben niemand mehr findet“, schreibt Matthias Gaebler.

Für die Post-Kunden bedeutet das, dass sie seither auf die Filiale an der Widmaierstraße im Möhringer Wohngebiet Salzäcker ausweichen müssen. „Also erst einmal den Hügel hinunter und dann wieder hoch und alles retour. Für ältere Mitbürger gleich gar nicht zu schaffen, für jüngere bei größeren Paketen wohl auch nur mit dem Auto“, kommentiert Gaebler. Das müsse man sich nicht gefallen lassen. Denn gemäß der Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV) müsse es auf dem Fasanenhof eine Filiale geben. Und gemäß § 5 der PUDLV sei jeder Bürger berechtigt, bei der Bundesnetzagentur entsprechende Maßnahmen anzuregen. Das hat Gaebler getan. Und er fordert die Menschen im Quartier auf, es ihm nachzutun – „ansonsten schnarcht die Deutsche Post AG weiter vor sich hin und es ändert sich so schnell nichts“, schreibt er.

Die Post betont, sie sei mit allen Beteiligten in Kontakt

Die Pressestelle der Deutschen Post weist die Vorwürfe zurück. Bezüglich des Brands schreibt sie in einer schriftlichen Stellungnahme auf eine Anfrage unserer Zeitung: „Selbstverständlich regeln wir den Schaden fair und stehen deshalb mit allen Beteiligten im Kontakt. Wir haben die Postmöbel und die IT-Ausstattung zwischengelagert und der Partnerin im Falle der Wiedereröffnung eine Neuausstattung zugesagt.“

Für Pakete, die zur Zeit des Brands in der Filiale lagerten, gelte folgende Regelung: Bei Sendungen, die unbeschädigt beziehungsweise nur leicht beschädigt und bei denen der Empfänger beziehungsweise Absender noch erkennbar gewesen seien, sei ein erneuter Zustellversuch unternommen worden. Bei Sendungen, die durch den Brand jedoch komplett zerstört worden seien, habe erst aufgrund eines Nachforschungsantrags des Absenders die Schadensregulierung erfolgen können. „Der Absender stellt anhand seiner Einlieferungsunterlagen einen Nachforschungsauftrag, in dem auch der Inhalt und der Wert angegeben werden. Sollte das Paket nicht mehr auffindbar sein, so haftet DHL bei Inlandspaketen bis zu 500 Euro je Paket“, erklärt Dieter Nawrath.

Eigene Post-Räume oder ein Container als Zwischenlösung?

Der Pressesprecher bestätigt Gaeblers Aussagen insoweit, als dass die Deutsche Post verpflichtet sei, auf dem Fasanenhof eine Filiale zu betreiben. Leider habe man bisher keinen Einzelhändler gefunden, der diesbezüglich mit der Post kooperieren wolle. Über Interessenten würden man sich sehr freuen. Gleichzeitig sei die Post aber auf der Suche nach einer Immobilie für eine eigene Filiale ohne Partner. „Und wo soll dies sein?“, fragt Gaebler in seinem Artikel in der Stadtteilzeitung und antwortet selbst: „Es käme allenfalls die am Europaplatz leer stehende Bankfiliale dafür infrage. Und dort wird der Post die Miete wohl viel zu teuer sein.“

Parallel bringt er eine Containerlösung ins Spiel. Eine solche habe es auf dem Fasanenhof schon einmal gegeben. Die Deutsche Post AG ziere sich stets, selbst noch Filialen mit eigenem Personal zu betreiben. „Angeblich sei dies immer die schlechtere Lösung, da man nicht die Öffnungszeiten wie der Einzelhandel anbieten könne“, schreibt Gaebler. So hatte es vor Kurzem auch ein Pressesprecher der Post gegenüber unserer Redaktion formuliert. „Schön gesagt, aber die Drohung geht ins Leere“, meint Gaebler dazu. Schließlich schreibt Paragraf 2 der PUDLV vor: „Die Einrichtungen müssen werktäglich nachfragegerecht betriebsbereit sein.“

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