Stuttgart-Fasanenhof Wie gelingt die Nachverdichtung?

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Der Architekt Wolfgang Schwarz hat seinen Siegerentwurf für das Gebiet rund um den Ehrlichweg vorgestellt. Bezirksbeirat und Bürgerverein sind nach wie vor skeptisch.

Der Bürgerverein hat die neuen Häuser im Realisierungsteil mit blauen Dächern gekennzeichnet und die für den Ideenteil geplanten Gebäude mit einem roten Dach. Der Siegerentwurf stammt von dem Architekturbüro Schwarz Jacobi. Foto: Alexandra Kratz
Der Bürgerverein hat die neuen Häuser im Realisierungsteil mit blauen Dächern gekennzeichnet und die für den Ideenteil geplanten Gebäude mit einem roten Dach. Der Siegerentwurf stammt von dem Architekturbüro Schwarz Jacobi. Foto: Alexandra Kratz

Fasanenhof - Der Architekt ist sich sicher: „Die Nachverdichtung am Ehrlichweg kann eine Aufwertung des Gebiets sein.“ So formulierte es Wolfgang Schwarz am Mittwochabend im Möhringer Bezirksbeirat. Dort stellte er den Entwurf des Stuttgarter Büros Schwarz Jacobi vor. Dieses war als Sieger aus dem Architektenwettbewerb hervorgegangenen. Schwarz sieht den Ehrlichweg als Konzentrationsachse. Dort sind sechs Punkthochhäuser geplant. Am Ende der Achse könnten auf städtischem Grund ein Quartiersplatz und ein Kindergarten entstehen. Denkbar seien auch Räume für das Jugendrotkreuz und den Bürgerverein, so Schwarz. Er will die Straße aufwerten. Darum soll ein Großteil der Autos in vier Tiefgaragen verschwinden. Darüber hinaus sieht der Entwurf einen dreigeschossigen und zwei viergeschossige Zeilenbauten am östlichen Ehrlichweg vor. Insgesamt umfasst der Entwurf damit im Realisierungsteil 90 neue Wohnungen.

Jury gibt Anregungen mit auf den Weg

Zusätzlich zum Realisierungsteil gibt es einen Ideenteil. Das sind Flächen, die eventuell zu einem späteren Zeitpunkt bebaut werden können und deshalb in die Planung einbezogen wurden. Neben der Kita sieht der Entwurf dafür zwei L-förmige Gebäude vor. Weitere Wohnhäuser mit maximal vier Geschossen könnten am östlichen Sautterweg und auf dem Grundstück zwischen Ehrlichweg und Bergiusweg entstehen.

Die Jury hatte den Entwurf beim Preisgericht am 18. Juli einstimmig zum Sieger gekürt. Die drei Bürgervertreter als sachkundige Bewohner des Stadtteils hatten kein Stimmrecht, sondern nur beratende Funktion, ebenso wie der Stadtplaner Michael Hausiel und die Bezirksvorsteherin Evelyn Weis. Die Jury lobte am Siegerentwurf besonders die „grünen Finger, die sich weithin zur Landschaft öffnen“, den Quartiersplatz als „soziale Mitte“ und die durchgehende Wegeführung bis zum Erbgraben. So steht es im Protokoll. Allerdings hatten die Preisrichter auch einige Verbesserungsvorschläge. So sei das Nachverdichtungspotenzial nicht ausreichend genutzt und die Tiefgarage habe nur eine Zufahrt.

Die Möhringer Bezirksbeiräte hatten noch mehr Anregungen. Das beherrschende Thema dabei war der Verkehr. Derzeit ist der Parkdruck im Gebiet rund um den Ehrlichweg immens, Anwohner beklagen, dass sie keinen Stellplatz für ihr Auto mehr finden. Die Situation könnte sich verschärfen, wenn die Stadtbahnlinie U 6 bis zum Flughafen verlängert wird. Dann würden Urlauber ihr Auto dort für Wochen abstellen, so die Befürchtung. Daher wollten die Bezirksbeiräte wissen, wie viele Parkplätze vorgesehen seien. Die Antwort des Architekten: ein Stellplatz pro Wohneinheit. Das stimmte die Bezirksbeiräte skeptisch. Schwarz argumentierte, dass sich die Mobilität verändere, und es künftig weniger Autos geben könnte. In München gebe es bereits ungenutzte Tiefgaragen, für die nun neue Nutzungen gesucht werden würden. Auf Nachfrage der Filder-Zeitung erklärt der Architekt aber auch, dass es grundsätzlich eine politische Entscheidung sei, wie viele Parkplätze gebaut werden.

Entwurf wird überarbeitet

Der Bürgerverein steht der Nachverdichtung äußerst kritisch gegenüber. Der Ehrlichweg sei für weitere Wohnungen der falsche Ort, so die Meinung des erweiterten Vorstands. Einige Vertreter waren am Mittwoch im Bezirksbeirat. Eckhard Benner ergänzte nach der Sitzung. „Das Sanierungsprogramm ,Soziale Stadt‘ hat gezeigt, dass die Bürger einbezogen werden müssen, wenn ein Projekt gelingen soll.“ Das war zuvor schon die Forderung der CDU gewesen. Michael Hausiel erklärte, dass der Entwurf nun zunächst überarbeitet und dann noch einmal im Bezirksbeirat vorgestellt werde. Darüber hinaus sei eine Bürgerinformation geplant, bevor der Gemeinderat endgültig entscheide.

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