Stuttgart feilt an Konzept Wie der Marktplatz umgebaut werden soll

Von Josef Schunder 

Anfang März sollen die Stuttgarter Stadträte das Konzept für die Neugestaltung vor dem Rathaus beschließen. So ziemlich alles, was der erste Preisträger bei einem Ideenwettbewerb im Jahr 2005 vorgeschlagen hatte, soll über Bord geworfen werden.

Das Kassettenmuster, das den Marktplatz seit einem Umbau 1974 prägt, wird wohl bald der Vergangenheit angehören. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Das Kassettenmuster, das den Marktplatz seit einem Umbau 1974 prägt, wird wohl bald der Vergangenheit angehören. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Der Zustand des Marktplatzes gilt vielen schon lange als Trauerspiel. Dem möchte die Stadtverwaltung mit Umbaumaßnahmen, die noch in den letzten Wochen des Jahres 2019 einsetzen sollen, nun aber doch ein Ende machen. Am Dienstag hat die Verwaltung den Stadträten ein aktualisiertes Gestaltungs- und Sanierungskonzept zur Beratung vorgelegt. In der ersten März-Woche soll der Ausschuss für Umwelt und Technik es beschließen.

So ziemlich alles, was der erste Preisträger bei einem Ideenwettbewerb im Jahr 2005 vorgeschlagen hatte, soll über Bord geworfen werden. Zum Beispiel die Verlegung des Marktbrunnens und die Beseitigung der acht Platanen an dieser Stelle. Die Fällung der „vitalen“ Bäume sei heute allein schon wegen ihres Effektes für das Stadtklima „nicht mehr durchsetzbar“, heißt es in der Vorlage. Der Status des Brunnens als Denkmal schließe im Übrigen auch den Standort ein. Zum Vorschlag des Büros Schneider Meyer, die Treppe vor dem Rathaus zu beseitigen und im künftigen Pflaster des Platzes sozusagen die Hauptwege der Fußgänger abzubilden, geht die Verwaltung ebenfalls auf Distanz.

Auch ein Fontänenbrunnen ist vorgesehen

Die Verwaltung macht eigene Vorschläge: Am Platzende bei der Buchhandlung Osiander soll ein Fontänenbrunnen entstehen, den man abschalten und dann auch begehen kann. Die Rathaustreppe würde demnach nicht komplett beseitigt, durch eine neue Modellierung aber ein behindertengerechter Zugang vom Platz zur Rathauspassage geschaffen. Entlang der Treppenlinie könnten sich die Bürgermeister Peter Pätzold (Grüne/Umwelt und Städtebau) sowie Dirk Thürnau (SPD/Technik) auch vier Bäume vorstellen. Den Brunnen möchten sie um 30 Zentimeter anheben und so aufs Niveau des Platzes bringen.

Allerdings befürchte das Landesdenkmalamt, dass der Brunnen nach so einem Eingriff nicht mehr so lange zu erhalten wäre wie ohne Eingriff. Um das abzuklären, will die Stadtverwaltung einen Metallrestaurator befragen. Statt einer Anhebung des Brunnens könne man den Platz an dieser Stelle auch absenken. Den kompletten Marktplatz möchte die Verwaltung mit Natursteinen pflastern und dabei das Kassettenmuster aufgeben, das einst zur Gliederung der Marktstände ersonnen worden ist, heute aber unzeitgemäß sei.

An und für sich will man die Pflastervielfalt beschränken

„Durch Verwendung von mindestens drei Farbabstufungen kann eine lebendige und bezüglich Verschmutzungen robuste Oberfläche entstehen“, heißt es in der Vorlage. Andererseits baten Bürgermeister Thürnau und Tiefbauamtsleiter Wolfgang Schanz den Technik-Ausschuss bei einem anderen Tagesordnungspunkt eindringlich, die Zahl der Pflasterarten und Pflasterfarben in der Stadt zu begrenzen, weil sonst die Lagerung von Ersatzsteinen immer platzaufwendiger werde.

Bei diesem Punkt geht es um das Umfeld des Neubaus, der gerade in der Eichstraße anstelle der Rathausgarage erstellt wird. Der Architekt dränge, dass man statt der gewohnten grauen Stuttgarter Platte die beigefarbene Platte verwenden dürfe, die jüngst im Dorotheen-Quartier auf Wunsch des Investors Breuninger verlegt wurde.

Die Freunde der grauen Platte werden rarer

Trotz „Bauchschmerzen“ fand sich Bürgermeister Thürnau dazu bereit, und die Stadträte im Technik-Ausschuss willigten ebenfalls ein. Allerdings im Sinne einer nochmaligen Ausnahme. Oder aber, sagte Suse Kletzin (SPD), man müsse dann eine Grundsatzentscheidung treffen und im Stadtzentrum Zug um Zug überall auf Beige umstellen. Der Freundeskreis der grauen Stuttgarter Platte jedenfalls scheint zu ­bröckeln.

Der Bezirksbeirat Mitte sei im Fall der beige Platte für das Dorotheen-Quartier reserviert gewesen, weil er ein Durcheinander verhindern wollte, sagte Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Grüne). Das Echo, das sie von der Bevölkerung vernehme, sei aber klar: „Die Leute sagen, der Beige-Ton sei wärmer und freundlicher.“

Sonderthemen