Stuttgart Festival 2016 Spektakel auf dem Messegelände abgesagt

Von Michael Setzer und Anja Wasserbäch 

Exklusiv: Bei seiner Premiere hat das Stuttgart Festival 2015 sogar einen Sturm heil überstanden. Trotzdem gibt es 2016 keine Fortsetzung des Spektakels auf dem Stuttgarter Messegelände.

Als die Welt noch in Ordnung war: Eine Impression vom Stuttgart Festival im Jahr 2015. Foto: Christian Hass Stuttgart
Als die Welt noch in Ordnung war: Eine Impression vom Stuttgart Festival im Jahr 2015. Foto: Christian Hass Stuttgart

Stuttgart - Glück geht anders. Bei der Premiere des Stuttgart Festivals auf dem Messegelände kämpften im vergangenen Sommer Zuschauer, Bands und Veranstalter mit Unwetter und Sturmböen. Nun wurde bekannt, dass die zweite Auflage des ambitionierten Popfestivals, das am 29. und 30. Juli auf dem Messegelände stattfinden sollte, wegen schlechter Ticketverkäufe abgesagt werden muss. Laut dem Veranstalter Stuttgart Festival GmbH blieb der Vorverkauf bislang weit hinter den Erwartungen zurück, am Mittwoch wurde die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Die Veranstaltung durchzuführen, und an der Abendkasse auf Glück und Zuschauerzuspruch zu hoffen, wäre grob fahrlässig gewesen. „Natürlich passiert das alles schweren Herzens. Wir arbeiten seit fünf Jahren daran, das Konzept umzusetzen und zu etablieren. Um größeren Schaden abzuwenden, sind wir dazu gezwungen, das Festival abzusagen“, sagt der Veranstalter Tobias Reisenhofer auf Nachfrage unserer Zeitung.

Dabei feierte das Stuttgart Festival eine spektakuläre Premiere im vergangenen Jahr – mit Blitz, Sturm, aber auch mit toller Musik bei wunderbar entspannter Atmosphäre. Nach dem Ende der HipHop-Open war es gut für die Stadt, mit einem weiteren, wenn auch musikalisch anders ausgerichteten Festival aufwarten zu können.

Die Veranstalter bewiesen Geschmack bei der Bandauswahl und waren gut in der Organisation. Selbst ein Unwetter am ersten Abend hatte das Festival einigermaßen heil überstanden. Das Publikum konnte vor dem nahenden Gewitter Unterschlupf in den Messehallen finden, was ein großes Glück war und sonst bei Festivals wie etwa bei Rock am Ring nicht möglich ist.

Unwetter trübten das Festival 2015

Der Auftritt der Elektrofolk-Band Crystal Fighters auf der Hauptbühne musste abgesagt werden, und wegen Unwetterwarnungen konnte der zweite Festivaltag erst am Nachmittag beginnen. Die Gäste hatten den Veranstaltern jedoch die Bandausfälle größtenteils verziehen, war doch der Rest des Festivals voll von schönen Popmomenten mit Auftritten von Künstlern wie Ólafur Arnalds, Bonaparte, Dillon, Balthazar und auch Zoot Woman. Und dieses Jahr sollten dann die Crystal Fighters ihren Auftritt in Stuttgart nachholen.

Tobias Reisenhofer, der für das Festival verantwortlich zeichnet, blickte 2015 trotz finanzieller Einbußen noch optimistisch in die Zukunft. Immerhin: Am Freitag zählten die Veranstalter 6000 Gäste, am Samstag kamen 8000 Pop-Fans. Das waren gute Zahlen für die Festival-Premiere an einem Ort, an dem noch nie zuvor eine Veranstaltung dieser Art stattfand. Und es war durchaus erstaunlich, wie viel Atmosphäre die Veranstalter auf den sonst so tristen Messe-Parkplatz zaubern konnten. So bunt war das Gelände noch nie: Hängematten und Graffitis, Mode und Burger, Burritos und Turnbeutel. Zwischen den zwei Bühnen gab es zudem einen Kunstmarkt und eine DJ-Bühne. Alles in allem war es ein schönes Popereignis, auf das sich die Stuttgarter auch dieses Jahr wieder freuten.

Angekündigt waren 60 Bands

Warum aber lief der Kartenverkauf so schlecht? Am Programm des Festivals mag es kaum gelegen haben: Da waren über 60 Bands, DJs und Künstler auf fünf Bühnen zuzüglich stattlichen Rahmenprogramms geplant. Andererseits ist es auch müßig, zu grübeln ob der mangelnde Zuspruch vom allgemeinen Überangebot an Festivals bedingt wurde. Viele Konzertgänger entscheiden heutzutage eher spontan, welche Events sie tatsächlich besuchen werden.

Oder lag es an der Bandauswahl an sich? Für das Stuttgart Festival waren dieses Jahr unter anderen die Bands Bilderbuch, Django Django, Crystal Fighters und Frittenbude geplant. Ansonsten setzte man aber wohl zu sehr auf eher noch unbekanntere Newcomer wie Tristan Brusch oder Glass Animals. Oder war bei der Premiere einfach die Neugierde größer? Mit Ticketpreisen von 75 Euro im Vorverkauf für zwei Tage lagen die Veranstalter eher im unteren Mittelfeld. Die Zukunft des Events beziehungsweise ob die Stuttgart Festival GmbH im kommenden Jahr einen weiteren Anlauf wagen wird, ist derzeit unklar. Und ob dann die für 2016 gekauften Tickets auch im darauffolgenden Jahr gültig sein werden, soll in den kommenden Wochen geklärt werden.