Die erste Auflage des Stuttgart Festivals bot einen Querschnitt der aktuellen Strömungen der Popmusik – obwohl es am Freitagabend wegen des Sturms abgebrochen werden musste und am Samstag später begann.

Stuttgart - Das nahende Unwetter hätte auch eine originell inszenierte Bühnenshow sein können. Während der isländische Komponist Ólafur Arnalds am Klavier gemeinsam mit seinen Streichern und elektronischen Klängen eine fast melancholische Stimmung schafft, beleuchten die ersten Blitze den Himmel über der Hauptbühne des Stuttgart Festivals. Dann fängt es an zu nieseln. Die Zuschauer, die auf dem Boden liegend der Musik folgen, stört das kaum – der Wetterumschwung passt perfekt zu den feinfühligen Melodien zwischen Klassik und Elektropop.

 

Doch kurz nach dem Ende von Arnalds’ Show wird es ernst. Das Konzert der Sängerin Dillon auf der kleinen Bühne wird abgebrochen – ebenso wie die Aufbauarbeiten auf der Hauptbühne für die als Schlusspunkt eingeplante Band Crystal Fighters. Der Veranstalter Tobias Reisenhofer springt auf die Bühne und ruft ins Megafon: Ein Unwetter nahe, die Besucher sollten sich in die Messehallen begeben. Derweil werden hektisch Stände abgebaut. „Da sind völlig ordnungsgemäß befestigte Pavillons davongeflogen“, sagt Festivalsprecher Alexander Föll tags darauf. Am Samstagmorgen habe man das Festivalgelände einigermaßen zerstört vorgefunden. Und weil der Sturm sich erst am Samstagnachmittag verzieht, öffnet das Festival fast vier Stunden später als geplant.

Anfangs entspanne Festivalatmosphäre

Dabei hatte alles so schön angefangen: sommerliches Wetter, 6000 gut gelaunte Besucher auf dem Messeparkplatz, dazu liebevoll gestaltete Stände, an denen Designer Kleidung, Kunst und Taschen verkauften. Durch die Luft wehen Seifenblasen, und Lichtkunst ziert die Frachtcontainer, die das Festivalgelände untergliedern. An allen Ecken sprühen und malen Künstler.

 

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Posted by Stuttgart Festival on  Saturday, July 25, 2015


Doch dann kommt der Sturm. „Für uns gab es in dem Moment keine andere Entscheidung als den Abbruch“, sagt Föll im Rückblick. Auch der spätere Beginn am Samstag sei unvermeidbar gewesen: „Wir hatten hier oben Windstärke 9.“ Per Facebook drang die Nachricht offenbar zu den Besuchern durch – und trifft mehrheitlich auf Verständnis, auch wenn sich einige über die Einbußen deutlich ärgern.

Am Samstag geht es vier Stunden später los

8000 kommen trotz der Wetterkapriolen am zweiten Tag. Sie erleben mit der belgischen Band Balthazar gleich zum Auftakt ein Highlight. Der zweite Festivaltag zeigt deutlich, welche popmusikalische Bandbreite die Veranstalter gebucht haben: gut gelaunten Teeniepop mit den Norwegern Kakkmaddafakka, knalligen Rock von der Berliner Band Bonaparte, Party mit den Isländern von FM Belfast und zum Abschluss Aufgekratzt-Elektronisches vom Londoner Produzenten Sbtrkt und seiner Band.

Gemeinsam mit Schrammelrockern wie Ezra Furman oder dem erwähnten Olafur Arnalds am Freitag bildet das Festival das volle Spektrum zeitgenössischer Popmusik ab – und kommt mit weit weniger Klischees aus als vorab zu befürchten war.

Die Designer verkaufen am Samstag ihre Kleidung in fast postapokalyptischer Festivalstimmung statt an hübsch geschmückten Ständen direkt aus dem VW-Bus heraus, so wie das Esslinger Label Pol. Gegen Abend kämpft sich die Sonne durch und das Festival tanzt in die Nacht hinein, die bei Aftershow-Partys in zehn Stuttgarter Clubs ausklingt. Hinsichtlich einer Neuauflage des Festivals 2016 zeigt sich Föll am Samstagnachmittag zuversichtlich. Und sagt, er wolle „jetzt versuchen, auch endlich die Musik zu genießen“.


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