Tobias Reisenhofer veranstaltet das Stuttgart Festival, das am Wochenende erstmals überhaupt stattfindet. Im Interview spricht er über finanzielle Risiken, Perspektiven und den Traum, eines Tages richtig große Bands nach Stuttgart zu buchen.

Stuttgart - Rund 40 Bands und DJs aus der ganzen Welt, dazu ein Kunstmarkt und das alles eine Woche, nachdem mit den Hip-Hop-Open das bisherige Flaggschiff der hiesigen Festivalkultur die Segel streichen musste: Veranstalter Tobias Reisenhofer erklärt, wieso das Stuttgart Festival keine Eintagsfliege sein wird.

 
Herr Reisenhofer, eine Woche nach der letzten Ausgabe der Hip-Hop-Open wagen Sie sich auf den übersättigten Festival-Markt. Haben Sie schon Angst vor der eigenen Courage bekommen?
Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte keine Angst vor dem finanziellen Verlust. Bei einer Erstveranstaltung ist es aber fast schon klar, dass man keine schwarzen Zahlen schreibt.
So ein Festival rechnet sich also erst nach ein paar Jahren?
Wir wollen auf jeden Fall keine Eintagsfliege sein. Die Idee zum Stuttgart Festival lag schon seit Jahren bei mir in der Schublade herum. Unser Ziel ist es, das Festival fest im Veranstaltungskalender zu verankern und jährlich stattfinden zu lassen.
Wie viele Besucher müssten denn zur Premiere am Wochenende kommen, damit Sie nicht auf Ihren Kosten sitzen bleiben?
Das kann und will ich nicht beantworten. Momentan haben wir 6000 Tickets verkauft, wir rechnen mit zwischen 6000 und 8000 Besuchern am Freitag und am Samstag. Mit dieser Besucherzahl hätten wir den Break-even auf jeden Fall noch nicht erreicht.
War es denn schwierig, namhafte Bands von Stuttgart als Konzertort zu überzeugen?
Ich hatte anfangs rund 400 Bands angefragt. Da das Festival zum ersten Mal stattfindet, gab es keine Referenzen, so dass ein paar Künstler tatsächlich abgesagt haben.
Wie wird Stuttgart in der Popkultur überregional wahrgenommen?
Von einigen Bookern kam schon der Spruch, „ein Festival in Stuttgart, na endlich!“. Ganz so angestaubt ist das Image dieser Stadt aber gar nicht. Es gibt eine gute Clubkultur und viele junge Menschen, die auf das Festival Bock haben.
An ausreichend Spielstätten für Popkonzerte mangelt es aber.
Das wird sich mit dem Im Wizemann auf jeden Fall bessern. Und mit dem Stuttgart Festival wollen wir nach und nach so hohe Besucherzahlen erreichen, dass wir irgendwann auch richtig große internationale Bands buchen können. Damit die Stuttgarter eines Tages sagen, toll, dass wir für die Band nicht nach München oder Berlin fahren müssen.
Ein Festival lebt immer auch von einem Hauch von Urlaubsfeeling. Wie zaubert man das auf die Betonwüste der Messe?
Wir haben hier natürlich keinen Strand oder einen See. Mit unseren Mitteln bringen wir aber genügend Charakter auf den Platz, dass alle sich wohlfühlen werden.
 

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