Stuttgart-Feuerbach Bezirksbeiräte stellen Kirbe-Format in Frage

Von Torsten Ströbele 

Der Musikverein möchte das Fest attraktiver machen und wird vor den Kopf gestoßen.

Der Musikverein ist mit dem Besucherandrang im Festzelt zufrieden, möchte den Gästen aber noch mehr Abwechslung bieten. Foto: Bloch
Der Musikverein ist mit dem Besucherandrang im Festzelt zufrieden, möchte den Gästen aber noch mehr Abwechslung bieten. Foto: Bloch

Stuttgart-Feuerbach - Die Kirbe in Feuerbach hat eine lange Tradition. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1788. Mittlerweile wird jedes Jahr vier Tage lang rund um den Feuerbacher Festplatz gefeiert. Doch nicht alle Besucher sind von der Veranstaltung restlos begeistert. Die Kirbe muss deshalb künftig attraktiver werden: Das ist der Wunsch vieler Feuerbacher, des Bezirksbeirats und auch des Musikvereins Stadtorchester Feuerbach (MSF), der seit mehr als 50 Jahren das Kirbe-Festzelt bewirtschaftet. Doch in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats wurde deutlich, dass es ganz unterschiedliche Meinungen darüber gibt, wie das gelingen kann.

Der Musikverein möchte zum einen den immer spärlicher gefüllten Krämermarkt aufwerten und dafür Feuerbacher Vereine, Institutionen und Ladenbesitzer mit ins Boot holen. Zum anderen versucht der MSF das Programm im Festzelt immer wieder zu hinterfragen und zu verändern. „Nur so können wir mehr Menschen für das Fest begeistern“, betont Marion Berger, die sich seit Jahren federführend und aufopferungsvoll um die Organisation des MSF-Festzelt-Betriebs kümmert.

Der Freitagabend ist mit dem Format „Party im Zelt“ seit Jahren ein voller Erfolg. Live-Bands sorgen für Stimmung. Ansonsten hat der MSF in der Vergangenheit eher auf seine eigenen musikalischen Auftritte gesetzt – auch aus finanziellen Gründen. Durch die Unterstützung des Bezirksbeirats in den vergangenen zwei Jahren konnte der MSF aber neue Wege einschlagen. Auch für Samstag- und Montagabend wurden Musikgruppen gebucht, die für Abwechslung im Festzelt sorgten. „Das kam bei den Besuchern super an“, sagt Berger, die mitten in den Vorbereitungen für das diesjährige Fest steckt, das vom 11. bis 14. September stattfindet.

Grünen-Bezirksbeirat Reiner Götz: „Warum dampft man die Kirbe nicht auf zwei Tage ein?“

Um die Planungen abschließen zu können, musste sie aber noch die Sitzung des Bezirksbeirats abwarten, die am Dienstag anstand. Auf der Tagesordnung war ein Antrag des MSF zu finden – mit der Bitte um finanzielle Unterstützung in Höhe von 8000 Euro – 2000 Euro für Werbung und 6000 Euro für das Festzeltprogramm. Bands, Sänger, Moderatoren, Comedians und Tanzgruppen sollten von dem Zuschuss bezahlt werden. Doch genau die Hälfte der anwesenden 18 Bezirksbeiräte sprach sich gegen den 8000-Euro-Zuschussantrag aus – SPD, „Die Fraktion“ und Grüne. 6000 Euro seien in Ordnung, sagte Reiner Götz (Grüne). Dieser Antrag ging dann letztendlich auch einstimmig durch, nachdem der höhere Betrag bei Stimmengleichheit abgelehnt wurde.

Glücklich war Berger über den gekürzten Zuschuss nicht: „Wir werden jetzt wohl darauf verzichten müssen, am Montagabend eine externe Band ins Zelt zu holen. Wir werden dann selber spielen. Das bedeutet dann aber auch, dass uns parallel zu unserem Auftritt etwa 30 Helfer fehlen, die den Festzeltbetrieb am Laufen halten.“ Aber auf diese neue Situation könne sich der MSF schon einstellen. Vielmehr ärgerte sich Berger über die Begründung des geringeren Zuschusses aus den Reihen des Bezirksbeirats. Reiner Götz: „Der Krämermarkt ist ausgedünnt und schlecht besucht. Die Produkte kommen in der Bevölkerung nicht mehr an. Meine Empfehlung ist ein stückweit radikal. Warum dampft man die Kirbe nicht auf zwei Tage ein? Flapsig gesagt, gibt sie auch nicht mehr her.“

Auch einen Tag nach der Sitzung kann Marion Berger ihren Ärger noch nicht verbergen: „Die Kirbe ist kaputt? Das stimmt einfach nicht! Der Krämermarkt ist nicht mehr attraktiv. Aber die Kirbe definiert sich sicherlich nicht allein über den Krämermarkt.“ Festzelte in der ganzen Region hätten seit Jahren einen regen Zulauf. Das Volksfest boome – auch wenn der dortige Krämermarkt ebenso wenig angenommen werde. „Ich verstehe nicht, warum die Kirbe immer wieder kaputt geredet wird.“

Nächste Diskussion über die Kirbe wird bald folgen

Berger hätte sich von einigen Bezirksbeiräten mehr Unterstützung und Verständnis erhofft, so wie das beispielsweise Gabriele Heise (FDP) tat, die auch seit Jahren im Festzelt als Helferin parat steht: „Wir lassen den Verein jetzt mitten in der Planung nicht im Regen stehen.“ Und auch Dirk Teichmann (CDU) wollte nicht in den wiederholten Abgesang auf die Kirbe miteinstimmen: „Wir müssen dieses alte, traditionelle Fest unterstützen und am Leben erhalten.“ Heise möchte allerdings zeitnah eine Diskussion über die Kirbe führen, „um das Ganze für die nächsten Jahre attraktiver zu machen“. Diesem Vorschlag stehen Marion Berger und der MSF selbstverständlich aufgeschlossen gegenüber.

Kommentar:

Unnötiger Ärger wegen 2000 Euro

Der Musikverein will die Kirbe attraktiver machen. Doch die Hälfte der Räte verweigert einen höheren Zuschuss.

Der Groll von Marion Berger ist absolut nachvollziehbar. Seit Jahren organisiert sie für den Musikverein Stadtorchester Feuerbach (MSF) federführend den Festzeltbetrieb der Kirbe. Der MSF ist dringend auf die Einnahmen der Großveranstaltung angewiesen, um sein Fortbestehen sichern zu können. Dass die Kirbe von vier auf zwei Tage eingedampft werden soll, wie es der Grünen-Bezirksbeirat Reiner Götz vorgeschlagen hat, würde ein riesiges Loch in die Kasse des MSF reißen, der auf vielen Veranstaltungen im Bezirk kostenlos aufspielt – wie zum Beispiel beim Volkstrauertag. Der Verein macht das gerne. Aber ihn dann vor den Kopf zu stoßen – wegen 2000 Euro? Um diese Summe ging es nämlich in der Sitzung des Bezirksbeirats. Der MSF wollte mit dem Geld eine weitere Musikgruppe für die Kirbe buchen, um für mehr Attraktivität zu sorgen. Genau das wünscht sich doch der Bezirksbeirat. Umso unverständlicher, dass dann genau an dieser Stelle gespart wird. Und das bei einer prall gefüllten Bezirksbudget-Kasse.

Selbstverständlich betonen die Lokalpolitiker zurecht, dass es sich hierbei um Steuergelder handelt und das Budget nicht auf Teufel komm raus unters Volk gebracht werden muss. Aber ganz ehrlich: Das Budget ist im Jahr 2018 deutlich erhöht worden, um die Stadtbezirke zu beleben, um sie attraktiver zu machen und auch explizit dafür, um „Stadtteilfeste im Stadtbezirk“ zu unterstützen. Ja, richtig. Das tun die Bezirksbeiräte auch. Die Kulturnacht wird bedacht – mit knapp 6000 Euro allein im Jahr 2019. Der Gewerbe- und Handelsverein bekommt regelmäßig Geld für den Weihnachtsmarkt (5100 Euro für 2019) und jüngst 30 000 Euro für die Weihnachtsbeleuchtung auf der Stuttgarter Straße. 2000 Euro mehr für die Kirbe wären absolut vertretbar und angemessen gewesen.

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