Stuttgart-Feuerbach Die Tage der Notunterkunft sind gezählt

Von Torsten Ströbele 

Die Flüchtlinge aus der Borsigstraße werden Ende Juli das ehemalige Hahn-und-Kolb-Gebäude verlassen. Viele von ihnen werden in den neuen Unterkünften an der Wiener Straße unterkommen.

Die meisten der 365 Bewohner ziehen innerhalb Feuerbachs um – von der Unterkunft an der Borsigstraße (Foto) in die neuen Systembauten an der Wiener Straße. Foto: Lichtgut/Piechowski
Die meisten der 365 Bewohner ziehen innerhalb Feuerbachs um – von der Unterkunft an der Borsigstraße (Foto) in die neuen Systembauten an der Wiener Straße. Foto: Lichtgut/Piechowski

Stuttgart-Feuerbach - Für 365 Flüchtlinge endet in wenigen Wochen ein Leben zwischen Bauzäunen, die derzeit noch als Wände für ihre Zimmer dienen. Denn: Ende Juli wird die Notunterkunft an der Borsigstraße nicht mehr benötigt. Die meisten der Bewohner werden dann in die drei Systembauten an der Wiener Straße ziehen. Die neuen Gebäude am Sportpark werden noch in diesem Monat fertig. Dann fehlen nur noch die Möbel, die wenige Tage später eintreffen, ehe Ende Juli bis zu 243 Flüchtlinge an der Wiener Straße heimisch werden. „Die Menschen sind schon Feuerbacher und ziehen nur um“, sagt Bezirksvorsteherin Andrea Klöber. Viele der Kinder würden schon im Bezirk in die Schule oder die Kita gehen. Zudem seien schon sehr gute Kontakte zu den Ehrenamtlichen des Flüchtlingsfreundeskreises entstanden.

Wie an einigen anderen Standorten in Stuttgart, haben schon vor Monaten auch Anwohner der Wiener Straße ihre Bedenken geäußert, ob das denn wohl klappt mit den Flüchtlingen und einer guten Nachbarschaft. Vor wenigen Tagen hatte nun Andrea Klöber die Feuerbacher, die rund um die neuen Unterkünfte wohnen, in die Räume der Gustav-Werner-Kirche geladen. „Es sind sehr viele Menschen gekommen – sicherlich zwischen 120 und 150“, sagt die Bezirksvorsteherin. Es habe einige Fragen gegeben, wie beispielsweise ob das Gerücht stimme, dass an der Wiener Straße ausschließlich alleinstehende Männer einziehen. „Da ist nichts dran“, betont Klöber. Allein 17 Prozent der künftigen Bewohner seien Kinder. Die Stimmung unter den Anwesenden sei aber überhaupt nicht negativ im Bezug auf die neuen Nachbarn gewesen, lautete die Bilanz der Bezirksvorsteherin nach der zweistündigen Veranstaltung.

„Wir könnten allerdings noch einige ehrenamtliche Helfer brauchen, die uns an der Wiener Straße unterstützen“, sagt der Sprecher der Flüchtlingsfreunde Feuerbach (FFF), Wolf-Dieter Dorn. Wie wichtig die Arbeit des FFF ist, betont auch der Landesgeschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes, Klaus Weber. Er und sein Team betreuen die Flüchtlinge in der Notunterkunft an der Borsigstraße. „Der Freundeskreis unterstützt uns sehr professionell“, sagt Weber. Man könne vor Ort beispielsweise Sprachkurse abhalten, und es gebe zu gewissen Zeiten auch Kinderbetreuung. „Wir haben zudem in dem Gebäude eine Art Sporthalle einrichten können.“ Der Boden dafür kam aus der Porsche-Arena und diente einmal den Volleyballern. Der Präsident der Sportvereinigung Feuerbach, Rolf Schneider, hat ihn organisiert. „Das ist wirklich toll. Dort spielen Damen Cricket, da wird getanzt, mit Pedalos gefahren oder auf Stelzen gelaufen“, sagt Katharina Rabolt, die für die Malteser die Flüchtlingshilfe Region Baden-Württemberg leitet. So ein Angebot trage zur guten Stimmung in der Notunterkunft bei.

Der Wasserschaden Ende Mai ist gut überstanden

Der Start an der Borsigstraße war etwas holprig“, sagt Weber. Im Januar musste die Polizei anrücken, weil ein Streit eskalierte. Bewohner gingen untereinander, auf Sicherheitspersonal und auf die herbeigerufenen Beamten los. „Wir hatten den einen oder anderen Störenfried. Sie wurden aber in andere Einrichtungen verlegt. Das hat sehr geholfen“, betont der Landesgeschäftsführer. Zum verbesserten Klima habe auch das Frühlingsfest im März in der Unterkunft beigetragen. Es gab Musik und Vorführungen. „Alle Nationen haben sich beteiligt.“ Klar, gebe es auch mal Probleme in so einer Notunterkunft. Aber in den vergangenen Monaten sei nichts mehr passiert, was man dramatisieren müsse. Auch den Wasserschaden Ende Mai habe man gut überstanden.

Eine Stoffhose in der Toilette hatte ein Rohr verstopft. „Das war aber noch nicht das Problem, sondern vielmehr eine defekte Toilettenspülung im siebten Obergeschoss“, sagt Axel Wolf vom Amt für Liegenschaften und Wohnen. Die Spülung habe sich nicht mehr abstellen lassen. Das sei nicht bekannt gewesen. „Durch die Verstopfung ist letztendlich frisches Wasser in großer Menge vom siebten bis in den dritten Stock gelaufen“, sagt Wolf. Die Böden und Decken waren durchnässt. Mehr als 230 Menschen mussten das Gebäude verlassen. Es bestand das Risiko eines Stromschlags.

Die provisorische Unterbringung erfolgte zunächst in der Halle 3 des Gebäudes – mit Feldbetten. „Bei einem gemeinsamen Rundgang mit dem Betreiber vor Ort wurde festgestellt, dass die Böden in den betroffenen fünf Stockwerken jeweils so gut wie trocken waren, jedoch die Luft noch leicht modrig roch“, sagt Wolf. Es sei intensiv gelüftet und das Gesundheitsamt mit einbezogen worden. „Die Flüchtlinge haben somit am Folgetag auch wieder die Möglichkeit erhalten, in ihren Zimmern zu schlafen.“

Mittlerweile werden die Bewohner schon auf den anstehenden Umzug in andere Einrichtungen vorbereitet. „Letztendlich können wir aber ein positives Fazit an der Borsigstraße ziehen“, sagt Weber.

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