Stuttgart-Feuerbach: Stadt gibt Fördergelder Offensive gegen leerstehende Läden

Von Georg Friedel 

An der Stuttgarter Straße in Feuerbach gibt es an verschiedenen Stellen Leerstand. Die Stadt startet ein Programm zur Rückgewinnung von Geschäftsräumen und zur Revitalisierung von Ladenflächen. 50 000 Euro stehen als Finanzmittel zunächst zur Verfügung.

Die Geschäftsräume des  Fischgeschäftes   Schief   stehen schon länger  leer. Foto:  
Die Geschäftsräume des Fischgeschäftes Schief stehen schon länger leer. Foto:  

Feuerbach - Leerstehende Geschäfte, dringend sanierungsbedürftige Gebäude, immer weniger Fachgeschäfte und Einzelhandel – stattdessen mehr und mehr Billiganbieter, Dönerbuden, Nagelstudios und Wettbüros: In vielen Stuttgarter Stadtbezirken sind solche Entwicklungen in den Einkaufsstraßen und Ortszentren zu sehen. Onlinehandel und wachsender Handelsboom in der City machen den Stadtbezirken zunehmend zu schaffen.

Auch an der Feuerbacher Einkaufsmeile stehen momentan einige Geschäfte und Ladenflächen leer. Wo 32 Jahre lang das Ehepaar Schief seinen Fischladen betrieb, tut sich seit zwei Jahren nichts mehr. Im Oktober 2016 hörten Margot und Ulrich Schief altershalber mit ihrem Delikatessenladen an der Stuttgarter Straße 72 B auf und zogen aus, seitdem sind die Geschäftsräume verwaist. Etwas weiter auf derselben Seite der Stuttgarter Straße gab einen Bäckerladen, dort sind die Schaufenster und die gläserne Eingangstür schon länger mit Packpapier zugehängt. Am anderen Ende der Stuttgarter Straße beim Biberturm stehen derzeit weitere Geschäftsräume leer, ein Reiseanbieter ist dort ausgezogen. Weiter oben hat die Stadt-Apotheke nach mehr als 100 Jahren ihre Pforten dieses Frühjahr geschlossen. Ein Nachfolger aus der Branche konnte nicht gefunden werden.

Acocella-Studie weist Schwachstellen auf

Zuletzt hatte das Büro Dr. Acocella die Probleme im Feuerbacher Ortskern aufgelistet: „Am Grazer Platz und am Kreuzungsbereich Stuttgarter Straße, Feuerbacher-Tal-Straße, Hohewartstraße sind gestalterische Defizite festzustellen“, hieß es unter anderem in der Studie. Das Büro hatte insgesamt sechs Stadtteilzentren untersucht und Handlungskonzepte erstellt – dazu gehörte auch Feuerbach.

Für die Umsetzung in allen sechs Stadtbezirken hat der Gemeinderat im Doppelhaushalt Finanzmittel in Höhe von 2,7 Millionen Euro und weitere 150 000 Euro für die Planung und spezifische Projekte bereitgestellt. Bereits im Juni war Stadtplaner Hermann-Lambert Oediger nach Feuerbach gekommen und hatte rund 600 000 Euro für die Umsetzung verschiedener Maßnahmen in Aussicht gestellt. Dazu gehörte auch, im Bereich „Grazer Platz“ eine sogenannte Mischverkehrsfläche (shared space) einzurichten. Der Bezirksbeirat lehnte dies allerdings ab, vertagte das Thema und kündigte seinerseits an, er wolle eigene Vorschläge einbringen.

Einzelhandel soll gestärkt werden

In der vergangenen Sitzung war Oediger vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung nun erneut in die Sitzung gekommen. Diesmal ging es um die finanzielle Förderung von Aktivitäten, die den Einzelhandel in Feuerbach stärken sollen und auch um die Rückgewinnung von Einzelhandelsflächen (Revitalisierung von Ladenlokalen), die momentan leer stehen. „Wir als Stadt sind der Meinung“, sagte er bei der Sitzung, „dass es zur Überwindung von strukturellem Leerstand in Einzelfällen notwendig ist, entsprechende Fördergelder zu gewähren.“

Bei solchen Projekten werden maximal 25 Prozent der Kosten bewilligt. Der Förderhöchstsatz je Gesamtmaßnahme liegt bei 50 000 Euro. Bei „Schlüsselgrundstücken“, heißt es in den Förderrichtlinien, könne der Fördersatz allerdings auch auf 100 000 Euro erhöht werden. Oediger erläuterte, wie das Antragsverfahren genau läuft. Neben den Eigentümern können auch die Pächter einen entsprechenden Antrag für die Sanierung oder Modernisierung von Flächen bei der Stadt einreichen: Interessenten müssen sich ans Amt für Stadtplanung wenden. Kontaktstelle ist die Abteilung Stadtentwicklung. „Bei der Förderung gibt es keinen Automatismus. Wir werden im Einzelfall prüfen, macht es Sinn oder nicht“, sagte Oediger. Der Bezirksbeirat stimmte der Vorlage einstimmig zu.

Sonderthemen