Stuttgart Filderbezirke sind vorne im Bürgerhaushalt

Sanierung von Schulen, Verlängerung der Buslinie 65 und Ausbau diverser Sportstätten: Sechs Vorschläge der Filderebene haben es bei dem Beteiligungsverfahren der Stadt unter die Top 10 geschafft. Wir haben uns unter den „Gewinnern“ umgehört.

Die Verlängerung der Buslinie 65 zum Flughafen, die Sanierung von diversen Sportstätten und der Neubau des GSG (hier im Bild) erhielten viele Stimmen. Foto: Holowiecki
Die Verlängerung der Buslinie 65 zum Flughafen, die Sanierung von diversen Sportstätten und der Neubau des GSG (hier im Bild) erhielten viele Stimmen. Foto: Holowiecki

Stuttgart - Prozentual gesehen haben beim Bürgerhaushalt die Menschen aus dem kleinsten Stadtbezirk Stuttgarts am eifrigsten mitgewirkt: 25,6 Prozent aller Birkacher haben angegeben, was sie sich für den städtischen Haushalt für 2018 und 2019 wünschen. Knapp dahinter folgt Sillenbuch mit 22,8 Prozent Beteiligung. Dies dürfte auch mit ein Grund sein, warum es insgesamt sechs Projekte von der Filder-ebene unter die zehn erfolgreichsten Vorschläge geschafft haben. Die meisten Stimmen, nämlich 4945, holte der Vorschlag, den Kunstrasen und die Flutlichtanlage der Sportvereinigung 1887 Möhringen zu erneuern. Auf den Plätzen zwei bis zehn folgen fünf Vorschläge aus den Bezirken unter dem Fernsehturm, also aus Plieningen, Birkach, Sillenbuch und Degerloch.

Auf dem zweiten Platz landete ein Sillenbucher Anliegen. 3623 Stimmen erhielt der Vorschlag, das Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG) neu zu bauen. Eine Sanierung sei nicht teurer als eine Generalsanierung, würde aber nicht eine ganze Generation von Schülern durch laufende Bauarbeiten belasten, wird argumentiert. In unmittelbarer Nähe zur Schule sei zudem mit dem Gebiet Schwellenäcker ein Areal vorhanden, auf dem gebaut werden könne.

„Das ist ein großer Push für den Neubau“

Die Platzierung freue ihn sehr, sagt Rainer Kapp, Vorsitzender des Elternbeirats am GSG. „Das zeigt, welche Bedeutung die Frage Neubau oder Sanierung bei den Einwohnern hat“, sagt er. Philipp Kordowich, Sprecher der CDU im Bezirksbeirat, erwartet, dass das Ergebnis des Bürgerhaushalts es denjenigen im Gemeinderat schwer machen werde, die immer noch eine Sanierung befürworten. „Das ist ein großer Push für den Neubau“, erklärte Kordowich.

3606 Menschen stimmten für einen weiteren Dauerbrenner, für den sich sowohl viele Sillenbucher als auch Plieninger und Birkacher schon länger stark machen: die Verlängerung der Buslinie 65 von Plieningen bis zum Flughafen. Der Vorschlag landete auf dem dritten Platz. Auf Nachfrage bei der SSB, sagt eine Sprecherin lediglich: „Wir betrachten nach wie vor unterschiedliche mögliche Konzepte zur Verlängerung der Linie 65.“

Raumnot an Degerlocher Schulen landet auf Platz 5

Auf Platz fünf ist die Raumnot an der Fritz-Leonhardt-Realschule (FLR) und am Wilhelms-Gymnasium (WG) in Degerloch gelandet. In ihrem Antrag machen die beiden Schulen darauf aufmerksam, dass dem WG Klassenräume fehlten, der FLR ein Technik- und ein Klassenraum. „Wir sind sehr positiv überrascht, dass unser Vorschlag so viele Stimmen erhalten hat, schließlich betrifft es ja nur einen Stadtbezirk“, sagt der Rektor des WG, Peter Hoffmann. Er hofft, dass die Raumnot an den städtischen Schulen nun vermehrt wahrgenommen werde. „Die vielen Stimmen zeigen, dass in der Stuttgarter Schullandschaft etwas im Argen liegt“, sagt er. Allein das WG habe im vergangenen Schuljahr mehr als 100 Schüler abweisen müssen, zudem gestalte sich die Unterbringung einer Außenklasse der Bodelschwinghschule – eine Schule für Kinder mit geistiger Behinderung – als zunehmend schwierig. „Es geht uns vorrangig natürlich darum, dass wir die Schüler, die zu uns wollen, aufnehmen können, aber wir wollen auch unserer gesellschaftlichen Verantwortung nachgehen.“

Mehrzweckhalle für Plieningen und Birkach auf Platz 10

Auf Platz acht und zehn stehen zwei Vorschläge, die Sportanlagen in Degerloch, Plieningen und Birkach betreffen: die Sanierung der Laufbahn im ADM-Sportpark Degerloch sowie der Bau einer Mehrzweckhalle für Plieningen und Birkach. Enttäuscht darüber, dass es die Mehrzweckhalle „nur“ auf Platz zehn geschafft hat, ist Michael Mattig-Gerlach, der Vorsitzende des Elternbeirats vom Paracelsus-Gymnasium Hohenheim, nicht. „Es ging uns darum, dass die Stadt den Vorschlag prüfen muss – und das haben wir erreicht“, sagt er. Vereine und Schulen in Plieningen und Birkach beklagen schon länger den Zustand der Sporthallen: In der PGH-Halle seien Dachplatten locker, was dazu führe, dass es immer wieder hineinregne. In der Halle der Körschtalschule seien die Toiletten nicht mehr zumutbar – und Ballspiele seien generell nur in der Wolferhalle möglich. Dazu komme eine permanente Überbelegung.

Auf Nachfrage bei der Stadt, woran es liege, dass so viele Stuttgarter bei den Sportstätten Verbesserungsbedarf sehen, sagt ein Sprecher: „Da Sportvereine häufig viele Mitglieder haben, kommen schnell viele Stimmen zusammen.“ Die Verwaltung freue sich aber darüber, dass viele Sportbauvorhaben gut bewertet wurden.

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