Stuttgart-Hedelfingen Sammler seltener Stempel

Fein säuberlich hat Briefmarkenexperte Klaus Schweizer Umschläge mit Sonderstempel in seinen Alben einsortiert. Foto: Mathias Kuhn

Seit seiner Jugend ist Klaus Schweizer von Briefmarken fasziniert. In den vergangenen Jahren hat er sich nun auf Wanderstempel spezialisiert. Diese Aushilfsstempel kamen von 1888 bis 1933 zum Einsatz.

Hedelfingen - Klaus Schweizers Leidenschaft gehören der Heimat- und Landesgeschichte sowie dem Sammeln von historischen Dokumenten: Alte Briefmarken, Ansichtskarten, historische Geldscheine und Münzen, Unternehmens- und Firmenaktien und viele faszinierende Raritäten mehr hat der Hedelfinger feinsäuberlich in Alben und Ordnern abgeheftet und die dazugehörende Literatur gekauft. Der Hedelfinger besucht Sammlerbörsen, tauscht sein Wissen mit den entsprechenden Experten aus und gibt seine Kenntnisse auch gerne weiter.

 

„Die Dokumente sind ein Beleg der Geschichte und sie erzählen Geschichten“, sagt Schweizer. Als zweiter Vorsitzender des Deutsch-Amerikanische Briefmarkensammler-Clubs bedauert er deswegen, dass die Philatelie an Bedeutung verloren hat. „Früher gab es mehr als ein Dutzend Briefmarkenvereine in Stuttgart, heute sind es vier und jeder hat Nachwuchssorgen. Dies spiegle sich leider auch im Wertverfall von Briefmarken- und auch Münzsammlungen wider. „Sammlungen, die vor 20 Jahren noch einige tausend D-Mark wert gewesen sind, bekommt der Sammler oder seine Erben vielleicht für 300 oder 400 Euro los“, bedauert Schweizer. Deswegen sein Tipp: „Immer zwei Meinungen von Experten einholen und dann auch überlegen, ob man nicht doch die Sammlungen behält, auf bessere Zeiten hofft und sich selbst von dem Sammelgebiet anstecken lässt.“

Spezialgebiet der Philatelie

Er sammelt seit seiner Jugend Briefmarken, besitzt eine große Briefmarkensammlung, hat sich jedoch in den vergangenen Jahren mehr auf ein Spezialgebiet der Philatelie konzentriert. Denn nicht nur die Briefmarken selbst, sondern auch die Stempel besitzen für Postwertzeichen-Sammler eine gewisse Bedeutung. Auch unter den Poststempeln gibt es Raritäten: alte Sonder- und so genannte Wanderstempel. „Sie waren nur in Liechtenstein und Württemberg in der Zeit von 1888 und 1933 in Gebrauch und erfüllten einen einzigen Zweck: Wenn der normale Poststempel defekt war, kamen diese Stempel in Einsatz“, erzählt Schweizer. Musste der reguläre Stempel repariert werden, forderte das jeweilige Postamt einen Ersatz an. In Stuttgart standen nur vier dieser Postaushilfsstempel zur Verfügung. Sie bestanden aus einem Setzkasten mit einem Stempelrahmen, Buchstaben und Zahlen. Die Postbediensteten mussten sich ihre Kennung – beispielsweise „Hedelfingen“ als Abstempelort – selbst zusammensetzen. Sobald der reguläre Stempel wieder intakt war, wanderte der „Setzkasten“ an die Zentralvergabestelle zurück. Mit dem Sonderstempel wurde also nur wenige Tage gestempelt. Das bedeutet: Nur wenige Brief-Umschläge mit einem Wanderstempel-Abdruck kamen in Umlauf – noch weniger überlebten die Weltkriege. Schweizer besitzt allerdings einige. Besonderen Sammeleifer brennt in ihm bei solchen mit den Ortsnamen der heutigen Stuttgarter Stadtbezirke auf. „Mein besonderer Stolz als gebürtiger Hedelfinger ist, dass ich ein Exemplar mit dem Namen „Hedelfingen“ besitze.“ Auch ein Umschlag mit dem Abdruck „Gaisburg“ ist in seinem Besitz. „Betroffen waren überwiegend kleine Postämter. Größere brauchten keinen Ersatzstempel, da es auf ihrer Dienststelle mehrere Stempel gab“, erklärt Schweizer.

Tauschtag im September

In einem Spezialkatalog für Briefmarkensammler werden die Wanderstempel in fünf Seltenheitskategorien eingeteilt. In der höchsten Stufe sind die Unikate eingruppiert. Schweizer besitzt solche im wahrsten Wortsinn einmaligen Schätze. „Der Wert kommt aber auch auf den Zustand des Umschlags und die Lesbarkeit des Abdrucks an“, sagt der Stempelspezialist. Doch mindestens so wertvoll wie der mögliche Preis unter Sammlern sind für den Heimatkundler oft auch die Geschichten, die sich hinter dem Zeitdokument verbergen. Zu fast jedem Umschlag kann Schweizer etwas erzählen – so auch zu den Bahnpoststempeln – den Wertzeichen, mit denen die Frachtpostsendungen auf den jeweiligen Strecken nach dem Wiegen beklebt wurden. „Sie erinnern daran, wie viele kleinere Bahnstrecken damals noch existierten und welch wichtige Funktionen sie erfüllt haben“, sagt Schweizer und beweist dies mit Stempeln von der Filder-, der Jagsttalbahn und von vielen anderen Güterverkehrs-Strecken.

Wer sich über Briefmarkensammeln informieren oder sogar Briefmarken tauschen will, hat am 8. September, beim Briefmarkentauschtag des Deutsch-Amerikanischen Briefmarkensammler-Club die Gelegenheit dazu. Er findet ab 9 Uhr im kleinen Kursaal Bad Cannstatt statt. Dort können sich Interessierte auch beraten lassen.

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