Stuttgart-Heumaden Pfarrerin wechselt nach Indonesien

Jutta Seifert mit ihren Kollegen Friedrich July (links) und Friedbert Baur bei einer Aktion zum Lutherjahr im vergangenen Herbst. Foto: Sabine Schwieder
Jutta Seifert mit ihren Kollegen Friedrich July (links) und Friedbert Baur bei einer Aktion zum Lutherjahr im vergangenen Herbst. Foto: Sabine Schwieder

Pfarrerin Jutta Seifert wird von August an eine Stelle in der indonesischen Hauptstadt Jakarta annehmen. Ihre Gemeinde in Stuttgart-Heumaden sieht sie gut aufgestellt.

Aus den Stadtteilen : Cedric Rehman (cr)
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Heumaden - Mit Indonesien verband Pfarrerin Jutta Seifert bisher nur die Erinnerung an eine Brieffreundin aus Kindheitstagen. „Wir haben heute keinen Kontakt mehr, aber die Gemeindemitglieder in Jakarta haben schon gemeint, sie helfen mir beim Suchen“, sagt sie. Seifert glaubt nicht so recht daran, dass es möglich ist, eine Person nach so langer Zeit in einer Zehnmillionenstadt zu finden. Vielleicht wird aber auch alles ganz anders. Schließlich sagt sie selbst, dass Dinge sich oft nicht voraussehen lassen. Wer weiß also, ob die alte Brieffreundin nicht doch an einer Supermarktkasse in Jakarta steht, sie erkennt und mit „Jutta“ anspricht.

Jutta Seifert wird von August an Pfarrerin der deutschen Gemeinde in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Sie wird auch für weitere deutsche Protestanten in der Stadt Bandung auf der Insel Java zuständig sein sowie auf der bei Touristen beliebten Nachbarinsel Bali.

Ausschreibung sei Chance gewesen

Seifert hatte im vergangenen Jahr die Ausschreibung für die Stelle gesehen. Nach einer Zeit des Abwägens schickte sie Bewerbungsunterlagen ein. Die Stellenausschreibung sei eine Chance gewesen, die vielleicht nie wieder gekommen wäre, meint sie. „Ich habe in meiner Arbeit eigentlich alles erreicht, was ich wollte, außer einem Job im Ausland“, sagt Seifert.

Da sie nur noch wenige Jahre bis zur Rente habe, stand sie vor der Entscheidung, es zu wagen oder zu lassen. Letzteres entsprach wohl nicht Jutta Seiferts Natur. Sie erzählt, wie sehr ein Jahr in Israel während ihres Studiums ihr weiteres Leben geprägt hat. Sie versucht, in Worte zu fassen, warum sie die Möglichkeit im Ausland zu leben, so fasziniert. „Ich hatte schon immer das Gefühl, dass Leben ist weiter als bis zur nächsten Grenze“, sagt sie. Die Pfarrerin konnte sich natürlich nicht sicher sein, dass sie sich gegen ihre Mitbewerber durchsetzt. Doch dann lud die Gemeinde in Jakarta sie zu einem persönlichen Kennenlernen ein. Danach kam dann die Zusage aus Indonesien. „Die Chemie zwischen uns scheint gestimmt zu haben“, meint sie.

Gutes Verhältnis zu Gemeinde

70 Gemeindemitglieder warten in Jakarta auf die Pfarrerin. Einige von ihnen arbeiten für deutsche Unternehmen. Andere sind mit indonesischen Partnern verheiratet. Gerade diejenigen, die aus beruflichen Gründen in Jakarta sind, seien oft nur kurze Zeit im Land, meint Seifert. In der Gemeinde werde es deshalb viel Wechsel geben, erwartet sie. Mitglieder werden nach Deutschland zurückkehren und Lücken in der Gemeinde hinterlassen. Deshalb sei die Zukunft der Gemeinde ungewiss. „Es sind ja nicht alle Auswanderer evangelisch und selbst wenn sie es sind, haben sie vielleicht einfach nichts mit der Kirche am Hut“, meint Seifert.

Zunächst für drei Jahre in Indonesien

Die Pfarrerin hat sich zunächst für drei Jahre verpflichtet. Eigentlich seien Auslandsstellen für Pfarrer immer auf sechs Jahre ausgeschrieben, sagt Seifert. Aber in den kommenden Jahren werde sich entscheiden, ob die stark fluktuierende Gemeinde dauerhaft Bestand haben wird, meint Seifert. „Ich wünsche mir das. Es wäre schade, wenn wir am Ende aus Jakarta verschwinden“, sagt sie.

Indonesien ist muslimisch geprägt. Neben einer bedeutenden christlichen Minderheit gibt es auch Buddhisten und auf der Urlauberinsel Bali viele Hindus. Sie freue sich auf den Austausch mit den Angehörigen anderer Glaubensgemeinschaften, meint sie. Dass zum Beispiel gerade die Ferieninsel Bali 2002 Ziel islamistischer Anschläge war, beunruhigt sie dagegen wenig. „Ich habe in Jerusalem einen Anschlag miterlebt. Aber wenn man dort lebt, hat man ein anderes Sicherheitsempfinden“, meint sie. Ihre erwachsenen Kinder würden sich bereits darauf freuen, Weihnachten in Indonesien zu feiern, sagt sie.

Die Pfarrerin ist im Moment dabei, sich zu überlegen, welches ihrer Kinder vielleicht noch altes Spielzeug behalten möchte oder ein Möbelstück. Im Pfarrhaus an der Bockelstraße ist derzeit also Ausmisten angesagt. Etwas seltsam sei es, schon, alte Erinnerungsstücke in Kisten zu verpacken, meint Jutta Seifert. „Andere machen das, bevor sie in den Ruhestand gehen“, sagt die Pfarrerin.

Pfarrerin schob Renovierungen an

Etwas gemischter seien die Reaktionen in der Gemeinde auf ihre Entscheidung gewesen , sagt Seifert. „Ich gehe ja nach den ganzen Renovierungen als Baupfarrerin in die Geschichte ein. Da gibt es sicher welche, die sich fragen, warum ich gehe, nachdem ich vieles angestoßen habe“, sagt sie. Seifert ist aber nicht nur zuversichtlich, dass für die Stadtgemeinde bald ein Nachfolger für ihre Stelle gefunden wird. Sie meint auch, dass vieles, was sie angeregt hat, soweit gediehen sei, dass es auch ohne sie Bestand haben wird.

Sie werde viele Menschen sehr vermissen, sagt sie. Pfarrer seien häufige Ortswechsel und Phasen des Neubeginns uns Neueinlebens gewöhnt. „Die wirklich engen Freundschaften bleiben“, sagt sie. Neue Freunde will sie in Jakarta finden – und wer weiß, vielleicht läuft ihr ja auch die alte Brieffreundin über den Weg.




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