Stuttgart-Hofen Der „Engel von Uganda“ ist unvergessen

Von Iris Frey 

Sie wird als „Engel von Uganda“ bezeichnet, Rita Moser. Ihr Wirken als Ärztin bleibt unvergessen. Die Hofenerin Rita Moser ist noch immer im Gedächtnis der Menschen in Afrika, denen sie geholfen hat.

Gabriele  Haas mit dem Foto ihrer Schwester Rita Moser. Foto: Iris Frey
Gabriele Haas mit dem Foto ihrer Schwester Rita Moser. Foto: Iris Frey

Hofen - Sie wird als „Engel von Uganda“ bezeichnet, Rita Moser. Ihr Wirken als Ärztin bleibt unvergessen. Die Hofenerin Rita Moser, die vom 15. November 1927 bis 15. Februar 2001 lebte, ist noch immer im Gedächtnis der Menschen in Afrika, denen sie geholfen hat, auch in Hofen, wo sie aufgewachsen ist. Der gemeinnützige Förderverein Dritte Welt in Stuttgart unterstützt noch immer die Projekte in Uganda, in denen die Ärztin über Jahrzehnte gearbeitet hat: das Rubaga Hospital in Kampala/Uganda.

„Die Verehrung von Moser in Uganda und ihr Ruf ist nach wie vor so groß, dass kürzlich der Dompfarrer aus Kampala bei einem Deutschlandbesuch überraschend in Hofen zu Besuch war“, so der Hofener Alban Lämmle. „Er war begeistert, ihre Wurzeln zu sehen.“ So soll er tief bewegt gewesen sein und gesagt haben: „Hier ist die Stuttgarter Madonna, die hat sie sicher nach Kampala geschickt.“ Auch der Schwester von Rita Moser, Gabriele Haas, Schriftführerin im Förderverein Dritte Welt, hat Lämmle dies berichtet. Die Hofenerin verfolgt ebenso seit 60 Jahren die Hilfe für Afrika. Sie ist selbst bis heute im Verein aktiv und hat viele Jahrzehnte die Hilfe mit begleitet.

18 Jahre Klinik geleitet

Von 1980 bis 1998 hat ihre Schwester Rita Moser die Klinik in Kampala geleitet und dort bis zu ihrem Tod 2001 gearbeitet. Den Förderverein gibt es seit 35 Jahren. Angestoßen wurde er 1978 vom damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth, der seine leitenden Mitarbeiter und Minister verpflichtete, der „Dritten Welt“ durch praktische Projekte zu helfen, so Lämmle. Und er ergänzt: Auch der Bürgerkrieg und Umstürze hielten Moser nicht davon ab, obwohl die Deutsche Botschaft ihr nahe gelegt hatte, das Land zu verlassen. So erhielt sie 1982 das Bundesverdienstkreuz und 1991 den Traugott-Bender-Preis der CDU Baden-Württemberg. Sie blieb in Uganda bis zu ihrem Tod. Sie ist auch auf dem Friedhof der Missionare neben der Rubaga-Kathedrale begraben. Noch im Jahr 2000 wurde sie in Kampala mit einem Diplom geehrt.

Ihr Leben lang hat sie Schwerstkranke versorgt. Sie selbst ist an Tuberkulose und Malaria gestorben, berichtet Gabriele Haas, die zeitlebens die Arbeit ihrer Schwester bewundert hat und selbst sieben Mal in Afrika war. „Ich verfolge seit 60 Jahren die Entwicklung dort.“ Denn der Hofener Frauenbund sei vorher schon aktiv gewesen. Vor der Vereinsgründung hat er zusammen mit Pfarrer Veeser Container hingeschickt in Partnerschaft mit dem Verein „Gesunde Welt“. „Am kommenden Samstag geht der nächste Hilfscontainer nach Uganda“, weiß Haas, die in diesem Jahr 80 Jahre alt wird. Hauptsächlich leiste der Verein jetzt finanzielle Hilfe.

Betten aus Stuttgarter Krankenhäuser

Der CDU-Politiker Roland Sauer habe einst im Bundestag bei den Hilfen mitgewirkt, weiß Haas. „Wir durften die Hilfsflüge mit ausstatten.“ Haas selbst war beim ersten Hilfsflug 1985 mit dabei und durfte ihn begleiten. „Da war noch Krieg. Die Straßen waren gesperrt und Kindersoldaten standen da. Es war sehr unheimlich“, so Haas. Es wurde auch noch geschossen. Damals seien Betten aus Stuttgarter Krankenhäusern und Medikamente geliefert worden. Immer wieder berichtet sie bis heute den Spendern in Stuttgart und Umgebung von den Hilfen vor Ort. 1999 wurde die 100-Jahr-Feier des Hospitals gefeiert. Auch der damalige Hofener Pfarrer Hermann Veeser war in Afrika. Und sogar der Papst Johannes Paul II. hat Rita Moser besucht, wie Haas auf einem Foto in ihrem Archiv zeigt. Anfangs gab es Lehmhütten, mithilfe von Misereor und der Deutschen Entwicklungshilfe sei ein großes Krankenhaus gebaut worden. „Es ist toll, was entstanden ist“, sagt Haas. Sie und ihr Mann haben in Hofen auch regelmäßig afrikanischen Besuch. Ein Erzbischof war schon mal da und auch die Nachfolger-Ärzte von Moser. „In Afrika wird Moser fast wie eine Heilige verehrt.“ Bis heute gibt es fast 250 Unterstützer in ganz Deutschland. Das letzte große Projekt war und ist der Ausbau der Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Krankenhauses. Was dabei an Stromkosten fürs Krankenhaus eingespart wird, 1000 Euro, wird für die Armen verwendet, die kein Geld haben, ihre Krankenhauskosten zu bezahlen, so Haas. Neben der Gesundheit geht es um Schule und Ausbildung. Moser hat es geschafft, einen Kindergarten einzurichten. Dadurch hätten auch die Mädchen die Möglichkeit, zur Schule zu gehen und mussten nicht mehr auf die Kinder aufpassen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Hilfe dort hat den Weg zur Eigenständigkeit als Ziel. „Da sind sie auf einem guten Weg“, weiß Haas. Damit hat der Weg von Rita Moser, den sie im Alter von 32 Jahren beschritt, vielerlei nachhaltige Wirkungen. 1985 hat ihre Schwester noch die ersten Blutproben nach Stuttgart gebracht und wurde dort erstmals Aids diagnostiziert. „Moser hat in ihrem Hospital eine als vorbildlich geltende HIV- und AIDS-Krankenmedizin aufgebaut“, weiß Lämmle. Das Rubaga Hospital wird in diesem Jahr 120 Jahre alt, meldet der Direktor Andrew Ssekitoooleko. Er berichtet den Spendern von den technischen Verbesserungen im Hospital. Über die Fortschritte hätte sich Moser auch gefreut. Ihr Name trägt seit 2015 die Entbindungsstation: „Dr. Rita Moser Maternity Wing“.

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