Stuttgart-Hohenheim Carsharing-Nutzer wollen elektrisch fahren

Von Ralf Recklies 

Auf dem Unicampus sollte ein neues Angebot für Autofahrer etabliert werden, die kein eigenes Fahrzeug besitzen, hin und wieder aber eines nutzen möchten. Das Interesse war zwar zu gering, doch eine Begleitstudie hat Interessantes zutage gebracht.

Das hiesige Car2go-Angebot wird gerne genutzt, weil die Autos einen Elektroantrieb haben und  – anders als Stadtmobil oder Flinkster-Fahrzeuge – am Ende der Fahrt fast  überall im Stuttgarter Stadtgebiet einfach abgestellt werden können. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Das hiesige Car2go-Angebot wird gerne genutzt, weil die Autos einen Elektroantrieb haben und – anders als Stadtmobil oder Flinkster-Fahrzeuge – am Ende der Fahrt fast überall im Stuttgarter Stadtgebiet einfach abgestellt werden können. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Hohenheim - Die sogenannte Share Economy – also das Teilen auf kommerzieller Basis, indem man Dinge nicht kaufen und selbst besitzen muss, sondern bei Bedarf gegen Gebühr ausleihen kann – findet immer mehr Freunde. Weniger Konsum und mehr Nachhaltigkeit ist auch die Idee von Carsharing-Angeboten, wie sie in Stuttgart schon von einer ganzen Reihe von Anbietern zu finden sind. Ob Share Now – entstanden durch den Zusammenschluss der Daimler-Tochter Car2go und dem BMW-Carsharing-Angebot Drive Now –, Flinkster (Angebot der Deutschen Bahn) oder Stadtmobil: Möglichkeiten, aufs eigene Auto zu verzichten, gibt es einige – und das Potenzial scheint längst noch nicht ausgeschöpft.

In den vergangenen Jahren haben dennoch nicht alle neuen Angebote überlebt. Immer wieder gibt es Versuche, den Markt mit neuen Carsharing-Angeboten aufzumischen. Oft verschwinden die Anbieter aber schnell wieder von der Bildfläche.

Einschätzung: Nutzerpotenzial wäre da gewesen

Auch der Versuch eines namhaften Autoherstellers, auf dem Hohenheimer Unicampus ein neues Carsharing-Angebot zu etablieren, ist gescheitert. Obwohl das Potenzial an Nutzern mit den rund 10 000 Studierenden, den etwa 2000 Mitarbeitern sowie den im Umfeld des Campus lebenden Menschen rein mengenmäßig vorhanden gewesen sei, gab es unterm Strich „zu wenig Registrierungen und zu geringe Nutzerzahlen“, wie die Professorin Marion Büttgen vom Institut für Marketing und Management sagt. Für eine wissenschaftliche Begleitstudie haben Forscher des Fachgebiets Unternehmensführung der Uni Hohenheim die Neugründung begleitet und letztlich auch eruiert, weshalb das augenscheinlich für Studierende und Mitarbeiter attraktive Angebot letztlich doch nicht angenommen wurde. Dies, obwohl die Nutzer zusätzlich auch Flinkster-Autos hätten fahren können.

Nutzer, vor allem aber auch Nicht-Nutzer, wurden von dem Forscherteam um Marion Büttgen und Adrian Lehr vom gleichen Institut sowie weiteren Kooperationspartnern verschiedener Hochschulen in Europa angesprochen. Die Interviews förderten dabei ein überraschende Ergebnis zutage: „Das Angebot passte nicht zu den Mobilitätsbedürfnissen der angesprochenen Zielgruppe, auch wenn diese das Carsharing grundsätzlich positiv beurteilt“, erläutert Büttgen.

Wie muss das optimale Carsharing-Angebot aussehen?

Wie aber muss ein Carsharing-Angebot aussehen, dass die Konsumenten wirklich begeistert? Diese Frage stand bei den weiteren Untersuchungen im Raum. Probanden mussten dabei 128 potenziell verfügbare Carsharing-Angeboten mit unterschiedlichen Merkmalskombinationen bewerten. Die Analyse der 2820 Einzelbewertungen machte deutlich, dass ein wichtiger Punkt die Antriebstechnologie ist. „Wirklich überzeugen konnten nur elektrobetriebene Fahrzeuge“, so Büttgen. Zudem finden sogenannte Free-Floating-Angebote wie die von Share Now großen Zuspruch. Bei diesen können die Autos irgendwo abgestellt werden und müssen nicht an einer Station abgegeben werden, wie es bei Stadtmobil der Fall ist. Ausleih- und Rückgabeort sind da immer gleich. Die Nutzer wünschen sich zudem einen möglichst umfassenden Service.

Peer-to-Peer-Angebote tun sich noch schwer

Viele Carsharing-Anbieter arbeiteten noch nicht kostendeckend, erklärt Büttgen. Auch habe die Studie ergeben, dass viele Nutzer von Free-Floating-Angeboten ihr eigenes Auto nicht abschaffen, „sondern dass sie das Angebot ergänzend nutzen“, so Büttgen. Sogenannte Peer-to-Peer-Modelle, bei denen Privatleute ihr Auto über Plattformen wie Snappcar oder Getaround teilen, tun sich hierzulande laut Büttgen noch schwer.

Autohersteller liebäugeln aber laut Büttgen mit einem Modell, das – wohl in Kooperation mit Start-ups – spannend werden könnte: Autokäufer, die bereit sind, ihr Fahrzeug anderen zur Verfügung zu stellen, könnten ihr Auto dann zu einem günstigeren Preis bekommen. Insgesamt, so Büttgens Fazit, sei es aber noch schwer abzuschätzen, „welche Angebotsmodelle sich am Ende dauerhaft erfolgreich durchsetzen werden“.




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