Stuttgart-Hohenheim Neueröffnung eines Buchladens scheitert an Banken

Von Theresa Ritzer 

Christoph Schneckenaichner, der ehemalige Filialleiter der Wittwer-Buchhandlung in Stuttgart-Hohenheim wollte den Laden nach der Schließung selbst weiterführen. Doch Banken machen ihm einen Strich durch die Rechnung.

Christoph Schneckenaichner hat die  Wittwer-Filiale geführt und hätte gern eine neue Buchhandlung eröffnet Foto: Theresa Ritzer
Christoph Schneckenaichner hat die Wittwer-Filiale geführt und hätte gern eine neue Buchhandlung eröffnet Foto: Theresa Ritzer

Hohenheim - Die Enttäuschung sitzt tief beim ehemaligen Filialleiter der Buchhandlung Wittwer Uni-Buch in Hohenheim. „Ich habe so viel Unterstützung erhalten und hatte auch schon Zusagen für Aufträge“, sagt Christoph Schneckenaichner, „und dann scheitert alles an den Banken“. Genauer: an einem Kredit über 50 000 Euro. Nachdem Wittwer im Juli von Thalia übernommen wurde, hat auch die Filiale Uni-Buch in Hohenheim neben der Universität geschlossen. Doch nach zwölf Jahren wollte Schneckenaichner den Buchladen nicht einfach aufgeben. „Ich bin ein leidenschaftlicher Buchhändler und habe meine Kunden ins Herz geschlossen.“ Diese seien auch sehr traurig gewesen.

Breite Unterstützung von vielen Seiten

Deswegen hat Schneckenaichner bereits kurz nach der Schließung Pläne entwickelt, die Buchhandlung weiterzuführen. „Ich habe dafür einen Businessplan ausgearbeitet und zusammen mit einem Berater einen Finanzplan erstellt“, sagt Schneckenaichner.

Unterstützt wurde er dabei vom Amt für Vermögen und Bau, das als Vermieter der Ladenfläche auf einen großen Teil der bisher bezahlten Miete verzichten wollte, und vom Bauamt der Universität, das alle Umbauten übernehmen wollte. „Beleuchtung, Fußböden, die Zwischenwände“, zählt Schneckenaichner auf. „Eigentlich alles außer den Bücherregalen.“

Auch Stephan Dabbert, der Rektor der Universität Hohenheim, sei begeistert von Schneckenaichners Plänen gewesen. „Er wollte mit den Instituten absprechen, dass sie Bücher für ihre Lehrveranstaltungen künftig in der Buchhandlung bestellen“, sagt er. Gemeinsame Veranstaltungen mit der Universität wären denkbar gewesen.

Schneckenaichner wollte das Geschäft mit zwei Teilzeitkräften weiterführen. Zum Semesterstart im Oktober wollten sie den Buchladen wieder eröffnen. „Die vom Bauamt haben sogar gesagt, sie stellen mir für die Übergangszeit einen Container hin, damit ich ja wiederkomme.“

Doch daraus wird nun nichts. Insgesamt sieben Banken hat Schneckenaichner sein Konzept vorgelegt. Alle sieben haben abgelehnt. „Nach den ersten zwei Absagen habe ich sogar mein Konzept noch einmal überarbeitet, an weiteren Stellen gespart“, sagt Schneckenaichner. „Ich habe mir auch überlegt, einen anderen Standort zu suchen oder den Laden zu verkleinern“, sagt er. Aber nach der zugesagten Unterstützung des Vermieters und dessen Angebot, die Miete zu senken, war das gar nicht mehr nötig gewesen.

Sieben Absagen waren zu viel

Genutzt hat es nichts. „Die Absagen der Banken lauteten alle gleich“, sagt Schneckenaichner: „Die Lage im Einzelhandel, insbesondere im Buchhandel betrachte man als sehr kritisch, die Zukunftsaussichten würden sehr schlecht beurteilt.“ Deshalb wolle ihn keines der sieben Kreditinstitute bei seinen Plänen für die Buchhandlung unterstützen. „Die letzte Absage kam vergangene Woche“, sagt Schneckenaichner. Danach habe er aufgegeben.

Christoph Schneckenaichner wird sich nun im Buchhandel eine neue Stelle suchen. In Hohenheim indes bleibt eine Lücke zurück. „Mir ist nicht bekannt, dass es, seit es die Universität Hohenheim gibt, jemals eine Zeit gab, an der dort keine Bücher verkauft wurden“, sagt Schneckenaichner. Im Juli ist diese Zeit angebrochen.

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