Was können wir als The LÄND dem Trumpismus und den politischen Muskeraden dieser Zeit entgegensetzen? Es braucht viel Geld und Mut, aber auch eine Portion Heiterkeit! Eine Glosse von Jan Sellner.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Angesichts der schlechten Nachrichten, die einen an der Menschheit und insbesondere an einzelnen Vertretern der Spezies Mensch zweifeln lassen, ist man versucht, die Koffer zu packen und den Absprung zu machen nach dem Motto: Haltet die Welt an, ich will aussteigen! Leider führt Weltflucht buchstäblich ins Nichts, und selbst der Mars, der sich in diesen Tagen selten schön am Nachthimmel präsentiert, ist – noch! – keine Option. Nein, wir müssen der Wirklichkeit ins Auge sehen: Wir sind, wo wir sind. In Stuttgart! Der Stadt, die seit Urzeiten zwischen Wald und Reben liegend im Kessel ruht und in der die Welt immerhin noch halbwegs überschaubar ist.

 

Das fängt beim Geld an. Während sich die künftigen Koalitionäre in Berlin unter dem Eindruck der neuerlichen Zeitenwende anschicken, nach der Formel „Whatever it takes“ 800 Milliarden Euro ins Militär, die Infrastruktur und die Digitalisierung zu stecken, investiert Stuttgart in den nächsten 15 Jahren bescheidene 20,8 Millionen Euro in 34 öffentliche Hightech-Toilettenanlagen der neuesten Generation! Bei dann kostenfreier Benutzung derselben! Unter dieser Art Sondervermögen kann sich der Normalbürger wenigstens noch etwas vorstellen!

Das Land der grenzenlosen Unmöglichkeiten

Und vielleicht ist Humor das beste Mittel, um mit all den Verrücktheiten, Absurditäten und schlechten Nachrichten halbwegs umgehen zu können. Sehr wahrscheinlich sogar. Das weiß auch der Kabarettist Christoph Sonntag, der an diesem Samstag beim „Jüngsten Ger(i)ücht“ in Fellbach als „Bruder Christopherus“ mit der versammelten politischen Prominenz aus Stadt und Land wieder seinen Schabernack treiben wird. In einer Zeit der sich immer tiefer eingrabenden Sorgenfalten, des sich pandemisch ausbreitenden Kopfzerbrechens und der verkniffenen Mienen braucht es etwas Augenzwinkern. Nicht um abzulenken oder auszublenden, sondern um dem Trüben mit etwas Hellem zu begegnen.

Das gilt erst recht, wenn sich zu allem Überfluss das Land der unbegrenzten Möglichkeiten in ein Land der grenzenlosen Unmöglichkeiten zu verwandeln beginnt. „The Land of the Free“ – das war einmal ein Sehnsuchtsort und ist es jenseits aller politischen Eskapaden und Muskeraden vielleicht immer noch. Zunächst aber müssen wir unseren Kompass neu justieren und uns fragen: Was kann Stuttgart und was können wir als „THE LÄND“ dieser Entwicklung entgegensetzen? Zumal wenn man bedenkt, welches Schicksal dem weitaus größeren GrönLÄND droht? Wie wäre es damit: Wir verkünden offiziell „LÄNDs End!“, kehren zu unseren Wurzeln und zu unserem Namen zurück und trumpeten es selbstbewusst in diese verrückte Welt hinaus: Das Ländle is back!