An der Prevorster Straße 21 in Stadtteil Rot wurde eine inklusive Wohngemeinschaft für Menschen mit und ohne Behinderung eröffnet. Im Neubau gibt es außerdem noch ein Wohncafé, eine Tagespflege und 40 Mietwohnungen.

Im Gebäude Prevorster Straße 21 im Stadtteil Rot ist vor Kurzem ein spezielles Wohnprojekt eröffnet worden, in dessen Mittelpunkt das Thema Inklusion steht. Ebenso ungewöhnlich wie das Konzept ist auch die Wärmeversorgung des Neubaus, sie erfolgt durch eine Eisspeicherheizung.

„Eine inklusive Wohngemeinschaft in dieser Form ist meines Wissens in Stuttgart einzigartig“, sagte Rüdiger Maier, der Vorstandsvorsitzende der Baugenossenschaft Neues Heim, bei der Eröffnung des Gebäudes. Das Neue Heim ist zusammen mit der Baugenossenschaft Zuffenhausen (BGZ) Projektträger des Vorhabens. Es setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen: Ein Wohncafé und eine Tagespflege mit zwölf Plätzen sollen die Lebensqualität und die soziale Versorgung in Rot steigern. Weiterer Baustein ist eine inklusive Wohngemeinschaft von Menschen mit und ohne Behinderung. Sie hat fünf Plätze. Ergänzt wird das Angebot durch 40 neue Mietwohnungen, die alle barrierefrei zugänglich sind. Elf davon sind öffentlich gefördert.

„Nachbarschaft hört nicht an der eigenen Haustüre auf“

„Nachbarschaft hört nicht an der eigenen Haustüre auf“, sagte Martin Gebler von der Wohnungsverwaltung der BG Neues Heim. Mit dem Projekt an der Prevorster Straße schaffe man einen Mehrwert für ganz Rot. Denn nicht nur die eigentlichen Bewohner und Nutzer, sondern alle Roter seien eingeladen, das neue Quartier zu nutzen.

Das Projekt ist Teil des Gesamtkonzepts „Wohn-Quartier Plus“. Dieses sieht eine Rund-um-die-Uhr-Versorgungssicherheit vor. Damit soll den Bewohnern ein lebenslanges Wohnen in den eigenen vier Wänden ermöglicht werden. Beispiele dafür sind das Wohncafé und die Tagespflege. Beides wird vom Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg betrieben. Die Tagespflege wurde mit 240 000 Euro vom Landesministerium für Soziales, Gesundheit und Integration gefördert. „Das ist eine wichtige Investition in die Zukunft“, sagte Landessozialminister Manfred Lucha (Grüne), der per Video zugeschaltet war. Er betonte, dass es wichtig sei, das Leben im Alter möglichst attraktiv zu gestalten und einen „lebendigen Sozialraum“ zu schaffen. Dies wiederum werde sich positiv auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt auswirken.

Eine Eisspeicherheizung liefert Wärme

Nicht nur das Konzept, auch die Energieversorgung des Projekts ist nicht alltäglich: Eine Eisspeicherheizung versorgt das Gebäude im Winter mit Wärme, im Sommer wird damit gekühlt. Sie ist unter der Tiefgarage und fasst 225 000 Liter Wasser. Es zirkuliert in fünf Kilometer langen Leitungen. Eine Wärmepumpe entzieht dem Wasser in einer Zisterne im Erdreich so viel Energie, dass es gefriert – wobei, ebenso wie beim Auftauen, zusätzliche Energie frei wird. Während des Betriebs gibt es keine CO2-Belastung. Der Haken: Das System ist teuer und rechnet sich frühestens nach 20 Jahren.