Stuttgart in Zeiten des Coronavirus Bleibt die Bevölkerung auch bei Sonne im Haus?

Von Caroline Holowiecki 

Das miese Wetter macht den Stuttgartern am Samstag das Daheimbleiben leicht, doch auch am Sonntag herrscht in puncto Versammlungsverbot Disziplin. Die Polizei ist zufrieden.

Die meisten halten sich in Stuttgart auch am Sonntag an das Versammlungsverbot. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 8 Bilder
Die meisten halten sich in Stuttgart auch am Sonntag an das Versammlungsverbot. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Stuttgart atmet auf. Der miese Dauerregen vom Samstag ist vorbei, die Sonne ist wieder da. Und mit ihr die Menschen auf den Straßen. Das kalte, aber sonnige Wetter nutzen am Sonntag viele Bürger, um Luft zu schnappen. Bereits am Vormittag zieht es Gassigeher, Freizeitsportler und Eltern mit Kindern auf die Straßen. Vereinzelt aber, wohlgemerkt. Versammlungen sind bis zum Mittag nicht zu sehen. Die Corona-Party scheint vorbei. Und auch die Polizei ist zufrieden. „Oh ja, es ist sehr ruhig. Ich habe mich mehrfach mit den Kollegen beraten. Es gibt nichts zu beanstanden“, sagt ein Polizeisprecher.

Dabei schauen die Beamten sehr genau hin, denn es herrschen neue Regeln. Um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen, hat die Landesregierung kurz vor dem Wochenende die Einschränkungen für die Bürger weiter verschärft. Am Freitag verkündete der Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), dass Zusammenkünfte von mehr als drei Personen an öffentlichen Orten vorerst nicht mehr erlaubt sind. Familien sind vom Versammlungsverbot ausgenommen. Der Innenminister Thomas Strobl (CDU) drohte bei Verstößen mit drakonischen Strafen. Bis zu 25.000 Euro könnten demnach fällig werden, außerdem Haft.

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Das scheint gefruchtet zu haben. Was die Vernunft nicht schafft, erledigt am Samstag das Wetter. Und auch am Sonntag herrscht Disziplin. Die Sitze in den Bahnen sind nur sporadisch belegt. Auf dem Eugensplatz lässt eine einsame Frau die Beine von der Balustrade baumeln. Der Schillerplatz ist komplett verwaist, ebenso der Karlsplatz. Einzige auf dem Schlossplatz ist um die Mittagszeit ein bisschen was los. Paare sitzen dort auf Parkbänken und blicken in den blauen Himmel. Jogger und Radfahrer nutzen die ungewöhnlich leere Fußgängerzone – allein oder zu zweit. Die einzige Ansammlung, die am Mittag in der Stadt zu beobachten ist, ist ein Grüppchen von Stockenten am Eckensee.

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Auch die Polizeipräsenz ist am Sonntagvormittag sichtlich zurückgefahren worden, wenngleich Stefan Keilbach betont: „Wir kümmern uns auf jeden Fall. Heute Nachmittag werden wir wieder mehr nach dem Thema schauen.“ Viel zu tun hatten die Beamten an diesem Wochenende bislang nicht. Nach einem unauffälligen Freitag verläuft auch der Samstag laut Stefan Keilbach „äußerst ruhig, das gilt auch für die Nacht“. Die Spezialstreifen, die man zur Kontrolle des Versammlungsverbots eingesetzt habe, hätten weder öffentliche noch private Partys angetroffen. Lediglich eine Trinkergruppe habe man aus der Klett-Passage weggeschickt. „Vom Arbeitsaufkommen her war halb so viel los wie an einem normalen Samstagabend.“

Sonntag noch deutlich ruhiger

Der Sonntag beginnt noch mal ruhiger. Von drei Polizei-Vans im Hof des Neuen Schlosses ist über Nacht nur noch einer geblieben. Auch vom Marienplatz haben sich die Beamten erst mal zurückgezogen. Wo am Samstag noch demonstrativ ein Mannschaftswagen parkte, stretchen sich am Sonntagmittag zwei dunkle gekleidete Joggerinnen. Die bunten Sitzgelegenheiten vor der Pizzeria sind zusammengeräumt. Ein Mann im roten T-Shirt blickt durch die geöffnete Tür, womöglich wartet er auf sein Mittagessen to go. An der Bushaltestelle palavern zwei ältere Männer auf einer Bank. Zwischen ihnen: die obligatorischen 1,50 Meter Abstand.




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