S-Bahn Stuttgart Jede Durchsage ist Herzenssache – dieser Lokführer versüßt Fahrgästen den Tag

Niclas Eydt will mit seinen Ansagen die Fahrgäste bestmöglich informieren, aber auch ein gutes Gefühl vermitteln. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 

Lokführer Niclas Eydt spricht gerne persönlich zu den Fahrgästen, verfällt dabei auch mal in den schwäbischen Dialekt. Dafür bekommt er viel Lob, auch von der Bahn.

Reporter: Alexander Müller (ale)

„Tut, tut, tut. Nächste Haltestelle....“, „Psst, wir fahren nun ein in....“ – mit den banalen Ansagen mancher Kollegen kann Niclas Eydt nichts anfangen, obwohl er weiß, dass auch diese die Fahrgäste aus ihrer Lethargie holen und für ein Schmunzeln sorgen wollen. Eine persönliche Ansprache ist dem Lokführer der Deutschen Bahn sehr wichtig. „Die Fahrgäste wollen informiert werden und nicht nur eine Stimme aus dem Automaten hören“, betont der 35-Jährige.

 

Seit Jahren spricht er daher während seinen Fahrten bei der S-Bahn Stuttgart persönlich ins Mikrofon. Der Kontakt zu den Menschen ist ihm wichtig.

Die Liebe zur Eisenbahn wurde dem Esslinger offenbar in die Wiege gelegt. „Mit drei Jahren habe ich mich bereits mit Eisenbahnen und speziell Dampflokomotiven beschäftigt.“ Zum Programm gehörten auch Fahrten mit Museumszügen und bis heute ist er gelegentlich im Eisenbahnverein aktiv und bei Sonderfahrten auf Dampflokomotiven ehrenamtlich im Dienst.

Dennoch führte der Weg nach der Schule nicht direkt zur Deutschen Bahn, vielmehr folgte eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker im Maschinenbau. „Das technische Interesse kam sicher auch von der Liebe zur Bahn“, ist Eydt überzeugt. Seit 2011 ist er als Quereinsteiger bei der Deutschen Bahn als Triebfahrzeugführer, wie die Lokführer im Fachjargon heißen, im Einsatz.

Stuttgarter Lokführer: „Es ist mein Traumberuf“

Seitdem ist er auf allen Linien des S-Bahn-Netzes Stuttgart unterwegs. „Es ist mein Traumberuf“, sagt Eydt. Vor allem früh morgens, wenn die Sonne aufgeht, genieße er die ruhige Stimmung. Im Blick hat er dabei aber immer das Wohlbefinden der Fahrgäste, wie er sagt. „Diese sind unsere Kunden, bezahlen schließlich dafür, dass sie den bestmöglichen Service erhalten.“ Auf die Idee, selbst zum Mikrofon zu greifen, kam er dabei nicht von Anfang an. „Das entstand erst mit der Zeit.“

Dem Esslinger gehe es nicht darum, die üblichen vom Band kommenden Ansagen der nächsten Haltestellen oder andere allgemeine Hinweise selbst zu übernehmen als vielmehr wichtige oder auch freundliche Hinweise zu geben. „Die Ansagen der Stationen wäre auch zu viel“, erklärt Eydt – schließlich halten die S-Bahnen im Schnitt alle zweieinhalb Minuten.

Der 35-Jährige ist seit frühester Kindheit von Eisenbahnen fasziniert, Lokführer ist sein Traumberuf. Daher kommt er gerne zur Arbeit wie am Hauptbahnhof. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Aufgrund der Rekordzahl der Baustellen im Stuttgarter Netz und der störanfälligen Infrastruktur gebe es genügend Anlässe außerhalb der Routine für Durchsagen. So zum Beispiel, dass Reisende keine Angst haben müssen, „denn der Anschlusszug wartet extra auf Sie“ oder auch für Pendler die bestmögliche Alternativen mit Stadtbahn oder Bus aufzuzeigen. Dafür erhalte er häufig Lob. Einmal sei auch eine ältere Dame auf dem Bahnsteig extra nach vorne zu ihm an den Lokführerstand gekommen, um sich zu bedanken. „Diese Anerkennung ist natürlich schön und bestärkt einen“, sagt Eydt.

Deutsche Bahn fördert die persönliche Ansagen

Seine Art der Kommunikation entspricht nicht nur den Statuten der S-Bahn Stuttgart, sondern „ist auch ausdrücklich erwünscht“, sagt ein Bahnsprecher. Seit Mitte der 2010er Jahre habe man bei Umfragen festgestellt, dass die Aufmerksamkeit der Fahrgäste bei den standardisierten Durchsagen deutlich geringer ausfällt, als bei der persönlichen Ansprache. Unter dem Motto „Erzählen statt Quälen“ bietet das Unternehmen mit dem Ex-Radiomoderator Steffen Popp daher ein Kommunikationstraining an. „Wir wollen unsere Mitarbeiter zu mehr Transparenz mit persönlicher Note animieren“, sagt Willing. Und natürlich auch ein Stück weit die Angst nehmen.

Eydt spürt jedes Mal „ein gewisses Kribbeln“, wenn er den Knopf für das Mikrofon drückt, sagt er. Und das, obwohl er inzwischen nach eigener Aussage in den vergangenen knapp 15 Jahren mehrere tausend Ansagen gemacht hat. Schließlich könne man nicht einfach losplappern. Seine Devise lautet: „Erst denken, dann reden.“

Dass er dabei ab und zu in den schwäbischen Dialekt verfällt, störe ihn nicht. Das zeige vielmehr die regionale Verbundenheit, dass ganz vorne in der S-Bahn auch ein Mensch von hier sitzt. Und wenn er den Fahrgästen nur viel Spaß auf dem Volksfest oder am Flughafen Stuttgart eine gute Reise wünscht. „Das gibt den Menschen einfach etwas mit.“ Auf jeden Fall die Erinnerung an einen freundlichen Lokführer der S-Bahn Stuttgart.

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