Stuttgart-Kaltental Im Hexenhäusle ist jeder willkommen

Von Jacqueline Fritsch 

Drei Zimmer, 40 Quadratmeter, fünf Bewohner: Manfred und Dana Helmbrecht wohnen seit zwölf Jahren mit ihrem Kater und zwei Hunden in einem umgebauten Gartenhaus. Damit sind sie im ganzen Ort bekannt.

Das Haus und der Garten sind ihr Ein und Alles: Manfred und Dana Helmbrecht leben glücklich im Kaltentaler „Hexenhäusle“. Foto: Jacqueline Fritsch 14 Bilder
Das Haus und der Garten sind ihr Ein und Alles: Manfred und Dana Helmbrecht leben glücklich im Kaltentaler „Hexenhäusle“. Foto: Jacqueline Fritsch

Kaltental - Bei Manfred und Dana Helmbrecht ist immer was los. Oft rasten Besucher auf der Bank vor ihrem Haus, reden, trinken und streicheln die Hunde. Die Vierbeiner Blacky und Jimmy laufen bellend auf jeden zu, der den schmalen Weg zum Haus der Helmbrechts hinaufgeht. In Ruhe gelassen wird nur, wer streichelt – klar. Kaltentaler wissen, dass das auf sie zukommt, wenn sie bei den Helmbrechts vorbeilaufen. Denn das Ehepaar wohnt im sogenannten Hexenhäusle, das im ganzen Ort bekannt ist.

Klein, aber gut ausgestattet

„Es ist einfach herrlich“, sagt Manfred Helmbrecht. Der 62-Jährige und seine 54-jährige Frau können sich nicht vorstellen, woanders zu leben als in dem kleinen umgebauten Gartenhaus mit der dunkelroten Fassade. „Es ist etwas beengt, aber ich sage immer, alles andere müsste man nur putzen“, sagt Dana Helmbrecht und zeigt, was das Hexenhäusle zu bieten hat. Auf knapp 40 Quadratmetern gibt es alles, was man zum Leben braucht: In der kleinen Küche stehen neben dem Herd eine Waschmaschine und ein Ofen, das Wohnzimmer ist gleichzeitig auch das Schlafzimmer, das Bad ist voll ausgestattet. Sogar einen Dachboden gibt es, zu dem eine winzige Wendeltreppe hinaufführt.

Den ganzen Stolz von Manfred Helmbrecht findet man aber draußen: Jeden Tag hegt und pflegt er den Garten, damit für ihn und die Besucher alles schön aussieht. „Jeden Morgen fege ich erst einmal den Weg“, sagt er. „Das ist sozusagen sein Frühsport“, sagt seine Frau und lacht. Wenn der Weg sauber ist, kümmert sich Manfred Helm­brecht um die unzähligen Figuren und Blumen, und wenn vor dem Haus alles getan ist, warten hinten Tomatensträucher, ein Apfelbaum und Stachelbeeren auf ihn. „Es freut mich immer, wenn ich morgens raus gehe und sehe, dass wieder eine Blüte aufgegangen ist“, sagt er. Seit zwölf Jahren wohnen die Helm­brechts bereits im Hexenhäusle. „Wir haben viele Fans in jedem Alter“, sagt Dana Helmbrecht lachend. Manchmal findet sie morgens Zwiebeln oder Samen vor der Haustür, die Fremde für den Garten dagelassen haben.

Doch so bunt und freundlich wie heute war es nicht immer an dem schmalen Weg in der Nähe der Fußgängerbrücke, die über die Böblinger Straße führt. Früher einmal hatte die Caritas bedürftige Menschen in dem Haus untergebracht. „Das war mal eine richtige Bretterbude“, sagt Dana Helmbrecht. Auf der Fläche, die Manfred Helmbrecht in einen hübschen Garten verwandelt hat, lag früher nur Bauschutt. Über ein paar Bekannte ist das Ehepaar an das Haus gekommen, mit der Aufforderung: „Kümmert euch darum“. „Und das machen wir“, sagt Manfred Helmbrecht und packt ein Leckerli für Blacky und Jimmy aus. Die Hunde haben es gut im Hexenhäusle. Den ganzen Tag dürfen sie draußen sein und bekommen Besuch von anderen Vierbeinern, die im Wald Gassi gehen. „Manchmal sind hier bis zu acht Hunde“, sagt Dana Helmbrecht.

Vom Bauschutt zum Märchengarten

Dem Ehepaar gefällt es, dass an ihrem Haus immer was los ist. „Im Sommer sitzen wir abends immer lange draußen und meistens setzt sich noch irgendjemand dazu und trinkt etwas mit“, sagt Dana Helmbrecht. Wenn es dunkel wird, macht das Ehepaar die Lichter draußen an, sodass der ganze Garten und die bunten Plastik-Schmetterlinge leuchten. Im Winter geht das nicht. „Da bleiben wir drin in der warmen Stube“, sagt Manfred Helmbrecht. Ein kleiner Ofen hält die drei Zimmer warm. Bei Kälte ist der Teppich vor dem Ofen Blackys Lieblingsplatz, doch auch der Kater des Ehepaars hat ein Auge darauf geworfen. „Der läuft dann so lange um Blacky herum, bis es ihm zu blöd wird und er den Platz frei macht“, sagt Dana Helmbrecht.

Eine Sorge hat das Ehepaar bei all der Idylle aber: „Wir wissen nicht, wie lange das noch gut geht“, sagt Manfred Helmbrecht. Die Eigentümerin des Hauses ist kürzlich verstorben. Die Helmbrechts würden das Häuschen zwar gerne kaufen, doch das Grundstück gehört mit einem anderen zusammen und beide wollen und können sie sich nicht leisten. „Aufgegeben wird aber nicht“, sagt Dana Helmbrecht. Das Paar hofft, noch lange im Hexenhäusle wohnen zu können. „So lange halten wir es in Ehren“, sagt Manfred Helmbrecht. Und so lange dürfen alle Passanten gerne eine Pause am Hexenhäusle einlegen.

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