Stuttgart-Kaltental/Stuttgart-Dachswald Die Jugendfarm braucht mehr Personal

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Das Gelände im Elsental in Stuttgart-Kaltental ist im Aufschwung. Neue Projekte haben dazu geführt, dass sich die Farm ungebrochener Beliebtheit erfreut. Doch ohne Geld für zusätzliche Mitarbeiter könnte das bald vorbei sein.

Jeder Waldheimtag auf der Jugendfarm im Elsental beginnt mit einem Morgenkreis im Saal des großen Farmhauses. Foto: Alexandra Kratz
Jeder Waldheimtag auf der Jugendfarm im Elsental beginnt mit einem Morgenkreis im Saal des großen Farmhauses. Foto: Alexandra Kratz

Kaltental/Dachswald - Es ist ein Kleinod am Rand der Großstadt. An diesem Morgen trocknet die Sonne die Regentropfen der Nacht, Bäume und Sträucher stehen noch im Saft, die Vögel zwitschern. Und mittendrin verbringen 90 Kinder ihre letzten Ferientage. Das Waldheim ist ein Baustein der Arbeit auf der Jugendfarm Elsental. Für dieses Angebot erhält der Verein einen Zuschuss von der Stadt. Bei anderen Angeboten sieht das anders aus. So zum Beispiel beim Mittagstisch. Mit diesem hat das Team der Jugendfarm auf die wachsende Nachfrage von Eltern nach verbindlicher Betreuung für ihre Kinder und die allgemeine Entwicklung hin zu Ganztagsschulen reagiert.

Veränderte Rahmenbedingungen

Die Stadtverwaltung selbst hat der Jugendfarm den Auftrag gegeben. Sie sollte sich auf den Weg machen und Ideen erarbeiten, wie sie als Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit trotz veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen bestehen kann. Denn Fakt ist, dass die Kinder immer länger in der Schule sind und damit deutlich weniger Zeit haben, die Farm oder andere Einrichtungen wie Jugendhäuser oder Abenteuerspielplätze zu besuchen. „Wir haben diese Herausforderung angenommen und haben experimentiert. So sind neben unserer bisherigen Arbeit tolle neue Projekte und Kooperationen entstanden“, sagt Sabine Boehm. Sie ist eine der hauptamtlichen Mitarbeiter auf der Jugendfarm Elsental. Dem Team sei klar gewesen, dass es in Vorleistung gehen müsse. Die Mitglieder und der Verein haben Spenden und Fördermittel akquiriert und viel Zeit investiert.

Die Pilotphase ist abgeschlossen

Das Fazit: „Bis Ende 2016, also nach fünfjähriger Probephase, hat sich die Farm enorm weiterentwickelt, und wir erleben einen nie gekannten Zustrom an Besuchern und Menschen, die sich mit unserer Einrichtung verbunden fühlen, bis dahin, dass wir mühelos letzten Monat interessierte Menschen für die Vorstandsarbeit finden konnten.“ So steht es in einem Antrag auf einen zusätzlichen Personalkostenzuschuss. Denn die Fördermittel laufen aus. „Nach fünf Jahren kann ich niemanden mehr klar machen, dass ich eine Anschubfinanzierung brauche. Wenn unsere Projekte und unsere erfolgreiche Arbeit weitergehen sollen, brauchen wir eine Verstetigung der Finanzierung“, sagt Boehm.

In einem Prospekt hat der Jugendfarmverein sein Anliegen und seine zahlreichen Projekte dargestellt. Wichtig ist dem Verein und dem Team seit jeher das Thema Inklusion. Im Farmalltag hilft ein Betreuer wöchentlich 15 bis 20 Kindern mit einer leichten Behinderung unauffällig dabei, am Farmgeschehen teilhaben zu können. Die offene Arbeit wurde weiterentwickelt. So bietet das Team zum Beispiel Einführungsgruppen an. Dort lernen neue Farmkinder, sich auf dem Gelände zurechtzufinden. Für ältere Kinder gibt es feste Reitgruppen, die vor allem für Mädchen attraktiv sind. Und das Team hat seine Angebote für Familien mit kleinen Kindern ausgebaut und ist so zu einer Stadtteilfarm geworden.

Die Stadt finanziert zwei Stellen

Doch das alles kostet Zeit und damit personelle Ressourcen. Aktuell gibt es auf der Jugendfarm 2,5 hauptamtliche Stellen, zwei davon sind von der Stadt finanziert. Hinzu kommen unter anderem Bundesfreiwilligendienstleistende und Auszubildende. „Wir sind inzwischen auch ein Ausbildungsbetrieb“, sagt Boehm und ergänzt: „Doch auch dieses Engagement können wir ohne hauptamtliche Unterstützung auf diesem hohen Niveau nicht fortführen.“

Jugendamt hat Antrag vorbereitet

Der Jugendfarmverein fordert, dass im nächsten Doppelhaushalt Geld für eine zusätzliche Stelle eingestellt wird. 30 Prozent dieser Stelle sollen in die Fortführung der inklusiven Arbeit fließen, 70 Prozent in den erweiterten Jugendfarmbetrieb einschließlich der Anleitung der Bundesfreiwilligendienstleistenden und der Auszubildenden. Das Jugendamt hat einen entsprechenden Antrag für die kommenden Haushaltsberatungen vorbereitet. Nun wirbt der Jugendfarmverein um Unterstützung. Das Team hat sein Prospekt an alle Gemeinderatsmitglieder geschickt und will nun noch die einzelnen Fraktionen zu sich auf die Farm einladen – um zu zeigen, was dort alles gemacht wird. Immerhin: Ein Zuschuss für den Neubau des alten Farmhauses ist vom Gemeinderat bewilligt.

Und wenn die Farm die zusätzlich beantragte Stelle nicht bekommt? „Wenn wir keinen zusätzlichen Mitarbeiter einstellen können, ist es vorbei. Dann müssen wir den Farmbetrieb runterfahren. Es ist uns ernst, denn wir arbeiten am Limit“, sagt Sabine Boehm und ergänzt: „Wir sind froh, dass wir diese wertvolle Arbeit für die Kinder und das Tal machen können. Aber es hat seine Grenzen.“

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