Stuttgart-Kaltental/Stuttgart-Dachswald Die Tage des Sonnenwinkels sind gezählt

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Eine Sanierung des Waldheims Sonnenwinkel in Stuttgart-Dachswald lohnt nicht mehr. Darum will die Gesamtkirchengemeinde Stuttgart das Gebäude abreißen und neu bauen. Das Ferienwaldheim wird es aber auf alle Fälle auch künftig geben.

Im Jahr 2014 durften die Kinder im Ferienwaldheim im Sonnenwinkel Graffiti sprühen. Was in den kommenden Jahren auf dem Programm steht, bleibt abzuwarten. Foto: Archiv A. Kratz
Im Jahr 2014 durften die Kinder im Ferienwaldheim im Sonnenwinkel Graffiti sprühen. Was in den kommenden Jahren auf dem Programm steht, bleibt abzuwarten. Foto: Archiv A. Kratz

Kaltental/Dachswald - Ausgangspunkt ist das Jahr 2005 gewesen. Damals untersuchte die evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart alle Liegenschaften. „Wir haben überlegt, welche Gebäude und Grundstücke wir 2030 noch brauchen“, sagt Hermann Beck. Er ist bei der Gesamtkirchengemeinde der Leiter der Dienststelle Kirchenpflege. Auf der Liste war demzufolge auch das Gelände an der Barchetstraße im Dachswald, das der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart gehört. Im Westen des Grundstücks steht das Waldheim Sonnenwinkel. Dort befinden sich auch Gemeinderäume der Thomasgemeinde Kaltental-Dachswald. Im Osten stehen die Dachswaldkirche, das Jugendhäusle und der Kindergarten. Bei ihren Überlegungen 2005 sei die Gesamtkirchengemeinde zu dem Ergebnis gekommen: „Dass wir an diesem Standort 2030 nichts mehr brauchen“, sagt Beck.

Inzwischen denke die Gesamtkirchengemeinde aber anders. „Die Dinge haben sich weiterentwickelt“, sagt Beck. Diesmal sei der Ausgangspunkt der Kindergarten gewesen, den die Thomasgemeinde an der Barchetstraße betreibt. Denn Kinderbetreuung habe aktuell einen hohen Stellenwert. Die Einrichtung beim Waldheim Sonnenwinkel sei aber für heutige Verhältnisse nicht mehr optimal ausgestattet. „Nachgefragt sind zum einen mehr Betreuung für Kinder unter drei Jahren, zum anderen längere und flexiblere Betreuungszeiten“, sagt Beck. So kam die evangelische Gesamtkirchengemeinde zu dem Entschluss, einen neuen Kindergarten zu bauen. „Und zwar eine Einrichtung mit drei oder vier Gruppen, je nach Bedarf“, sagt Beck. Dafür kann die Kirche einen Investitionskostenzuschuss bei der Stadt beantragen.

Das derzeitige Waldheimgebäude wird abgerissen

Der neue Kindergarten soll dort in die Höhe wachsen, wo derzeit das Waldheimgebäude steht. Denn dieses muss sowieso abgerissen werden, weil sich eine Sanierung nicht mehr lohnt. „Energetisch gesehen ist das Haus eine Katastrophe“, fasst Beck zusammen. Doch mit nur einem Kindergarten sei das Grundstück noch nicht optimal genutzt. „Darum haben wir uns auf die Suche nach einem Kooperationspartner gemacht“, sagt Beck. Mittlerweile steht fest, dass die Gesamtkirchengemeinde zusammen mit der Diakoniestation bauen möchte. So soll es ein Mehrgenerationenprojekt werden – ein Haus, das junge und alte Menschen gemeinsam nutzen.

Allzu viele Details möchte Beck noch nicht verraten. „Wir arbeiten derzeit gemeinsam die Idee aus“, sagt er. Bis zum Frühjahr 2019 soll die Planung abgeschlossen sein. Denn die Projektträger wollen für den städtischen Doppelhaushalt 2020/2021 den Investitionskostenzuschuss für den Kindergarten beantragen.

Wenn der Kindergarten eine neue Heimat gefunden hat, sollen die bisherigen Kindergartenräume zu Gemeinderäumen umgestaltet werden. Und zwar so, dass diese auch für die Waldheimfreizeit in den Sommerferien nutzbar sind. Das Jugendhäusle bleibt erhalten. „Ich habe einiges dafür übrig, es wieder ein wenig instand zu setzen“, sagt Beck. Die Dachswaldkirche bleibe zunächst, wie sie ist. Dort bestehe aktuell noch kein akuter Handlungsbedarf, sagt Hermann Beck.

Die Thomasgemeinde begrüßt die Pläne

Die Thomasgemeinde Kaltental-Dachswald wurde bereits im September in einer öffentlichen Sitzung des Kirchengemeinderats über die Ideen informiert und um ein Meinungsbild gebeten. Pfarrerin Mirja Küenzlen fasst zusammen: „Wir finden die Planungen gut.“ Der Gemeinde sei es wichtig, dass die Waldheimarbeit fortgesetzt werden könne. Das Jugendhäusle sei romantisch und schön. „Es muss saniert werden. Aber wir freuen uns, wenn es erhalten bleibt.“ Dass es auf dem Gelände an der Barchetstraße künftig auch ein Angebot für ältere Menschen geben werde, werde von der Gemeinde begrüßt. Die aktuellen Gemeinderäume seien zu groß und würden kaum noch genutzt. Es sei sinnvoll, wenn die Kirche und die Gemeinderäume enger zusammenrücken.

Den Waldheimferien im Sommer 2018 steht nichts im Weg. Von März an können sich Interessierte anmelden. Im vergangenen Sommer verbrachten 55 Kinder aus Kaltental, Dachswald und Umgebung einen Teil ihrer Ferien im Sonnenwinkel.

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