Stuttgart-Kaltental/Stuttgart-Vaihingen Der Ganztag kommt nur zur Hälfte

Von Claudia Leihenseder 

Während die Österfeldschule in Stuttgart-Vaihingen zum neuen Schuljahr den Ganztag einführt, verschiebt die Grundschule in Stuttgart-Kaltental den Start um ein Jahr. Denn das Interesse war nicht so groß wie gedacht.

Ganztagskinder machen ihre Hausaufgaben in der Schule. Die Eltern sind aber nach wie vor gefordert, etwa wenn es darum geht, lesen zu üben.Foto: Patricia Sigerist

Vaihingen/Kaltental - Es ist eine Überraschung für die Grundschule Kaltental gewesen: Eigentlich wollte die Rektorin Jutta Heisig zum kommenden Schuljahr für die neue erste Klasse die teilgebundene Ganztagsschule einrichten. Schließlich liegt ihr dafür ganz frisch die Genehmigung vom Kultusministerium Baden-Württemberg vor. Doch es kam anders als erwartet: Lediglich rund 20 Kinder und deren Eltern haben sich für den geplanten Ganztagsbetrieb entschieden. Nötig gewesen wären eigentlich 25 Anmeldungen.

Auch die absoluten Anmeldezahlen in Kaltental waren nicht so hoch wie sonst: Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren werden die neuen Erstklässler mit nur zwei Parallelklassen starten. „Das ist ein schwächerer Jahrgang“, sagt Jutta Heisig. Hinzu kämen noch einige Wegzüge, andere Familien hätten sich für Privatschulen entschieden.

Nun wird in Kaltental neu gedacht: „Wir sind guter Hoffnung und haben einen neuen Plan“, sagt die Rektorin. Zunächst wird ihre Grundschule wie in den Jahren davor als normale Grundschule mit Schülerhaus fortgeführt. Das Schülerhaus bietet wie bisher eine Früh- und eine Nachmittagsbetreuung sowie eine Betreuung in den Ferien an. Gleichzeitig beantragt die Schule für das Schuljahr 2019/20, mit der ersten und zweiten Klasse gleichzeitig in den Ganztag zu starten. Heisig ist sich sicher: „Dann – mit zwei Jahrgängen – werden wir genügend Anmeldungen zusammenbekommen.“ Ab 29 oder 30 Schüler könnten sie für den Nachmittag auch zwei Gruppen einrichten. „Das ist ein guter Plan“, findet Heisig.

An der Österfeldschule gibt es sogenannte Miteinanderklassen

Ganz anders sieht die Situation an der Österfeldschule aus: Dort geht der Ganztag bereits im September mit dem neuen Schuljahr 2018/19 los. „Wir haben drei Miteinanderklassen und eine Halbtagsklasse“, sagt Rektorin Erika Diemer-Hohnholz. Insgesamt seien 87 Kinder in diesen vier Klassen angemeldet. Für den Start in den Ganztag hat sich die Österfeldschule mit anderen Schulen beraten und ein eigenes Konzept erstellt: „Wir haben eine gute Lösung für die Kinder gefunden“, versichert Diemer-Hohnholz.

In den drei Miteinanderklassen, welche die Ganztags- und Halbtagsschüler gemeinsam besuchen, wird es morgens rhythmisierten Unterricht geben. Alle Kinder folgen ihrem individuellen Arbeitsplan. Während die Ganztagskinder ihre Hausaufgaben in der Schule machen, erledigen die Halbtagskinder diese Aufgaben zu Hause. Wenn die Halbtagskinder nach Hause gehen oder das Angebot der verlässlichen Grundschule bis 14 Uhr nutzen, haben Ganztagskinder von 12.30 bis 14.30 Uhr Pause, in der sie mit ihren Bezugserziehern gemeinsam in der Mensa essen und im Anschluss auf dem Pausenhof oder in den verschiedenen Räumen der Schule ihre Freizeit verbringen können.

Die Eltern von Ganztagsschülern sind nach wie vor gefordert

Zu dem Konzept der Österfeldschule gehören unter anderem auch klare Ansprechpartner für die Kinder: „Jedes Kind hat einen Bezugserzieher und einen Klassenlehrer“, erklärt Diemer-Hohnholz. Das kleine Team sei jederzeit ansprechbar. Zudem gibt es ein Vier-Raum-Konzept mit verschiedenen Angeboten für die Schüler – inklusive einer Ruheecke. Um den Überblick zu behalten, wo welches Kind gerade ist, wird eine Magnettafel mit den Namen und Fotos der Kinder aufgehängt. Wechselt ein Kind in einen anderen Raum, verschiebt es einfach seinen Magneten auf der Tafel in das entsprechende Feld. „So können sich Lehrer, Eltern und Kinder besser orientieren“, sagt Diemer-Hohnholz.

Die Kinder der Österfeldschule werden montags bis donnerstags acht Stunden von 8 bis 16 Uhr an der Schule verbringen, freitags sind sie lediglich von 8 Uhr bis 12 Uhr vor Ort. Erika Diemer-Hohnholz gibt zu bedenken: „Die Schule übernimmt nicht alles.“ Die Eltern von Ganztagsschülern seien auch nach wie vor gefordert, etwa beim gemeinsamen Lesen. „Sie sollten mit ihrem Kind Zeit verbringen und sich für die Inhalte der Schule interessieren – auch wenn die Hausaufgaben bereits erledigt sind“, sagt die Schulleiterin.