Stuttgart-Krimi Der rätselhafte Mord im Hoppenlau

Stefanie Wider-Groth liest auf dem Hoppenlaufriedhof. Foto: factum/Weise
Stefanie Wider-Groth liest auf dem Hoppenlaufriedhof. Foto: factum/Weise

Stefanie Wider-Groth stellt ihr neues Buch vor und ruft dabei ihre Leser zur Rettung des Hoppenlaufriedhofs auf.

Stuttgart - Da sage noch einer, Krimis seien die reine Unterhaltung, ihre Leser suchten den wohligen Schauer wie eine Droge, kaum verschlungen, legten sie die Lektüre achtlos beiseite, um sich sogleich den nächsten „Schuss“ zu setzen. Nein, kluge Leser wollen mehr, wofür soeben der schlagende Beweis erbracht wurde. Auf dem Hoppenlaufriedhof trafen sich am Donnerstag zur Abendstunde hundert Leute, um der Krimiautorin Stefanie Wider-Groth zu lauschen. Die wiederum verband aus Überzeugung das Angenehme mit dem Nützlichen: Ihr jüngstes Werk unter dem beziehungsreichen Titel „Das Rätsel im Hoppenlau“ bildet den Auftakt zu einer realen Aktion, nämlich Spenden zu sammeln für die Rettung der vom Zerfall bedrohten Grabsteine.

Über den Protest zum Schreiben

Kurze Rückblende. Als es Wolfgang Schuster im Herbst 2007 strikt ablehnte, die 67 000 Unterschriften für einen Bürgerentscheid gegen Stuttgart 21 persönlich entgegenzunehmen, da platzte Stefanie Wider-Groth der Kragen. Die Urschwäbin aus der Gaußstraße im Westen ging fürderhin zu den Montagsdemos, reihte sich bruddelnd unter die Stuttgart-21-kritischen Bürger und suchte nach einem Ventil, um ihren Frust abzubauen: „Da traf ich per Zufall eine Krimiautorin, die mir riet: Mensch, schreib dir den Ärger von der Seele.“ Gesagt, getan. Stefanie Wider-Groth, Jahrgang 1959, selbstständige Buchhalterin von Beruf und Rockmusikerin aus Passion, setzte sich hin und wagte, wovon andere nur schwadronieren: „Ich hab mich getraut, nächtelang mit der Hand am Arm geschrieben und tatsächlich einen Verlag gefunden, der das druckt.“

In ihrem Erstling von 2008, „Tatort Hölderlinplatz“, geht’s um eine alte Dame, die plötzlich tot aufgefunden wird, es geht um die alte Messe am Killesberg und die Verwertung des Grund und Bodens, folgerichtig auch um die Verstrickungen in der Kommunalpolitik und um die ebenso eifrigen wie lautlosen Netzwerke in der Halbhöhenlage. Mit dem „Mord im Chinagarten“ von 2009 hat die Autorin dem exotischen Platz am oberen Ende der Panoramastraße ein kriminologisches Denkmal gesetzt. Und worum es im „Schlossgartensterben“ geht, erschienen 2010, das ahnt selbst der naivste Krimileser. Das Motiv für ihr viertes Werk, „Das Rätsel im Hoppenlau“, ist ebenfalls kein Geheimnis: „Schon als Studentin bin ich fast täglich über den Friedhof gegangen, heute muss ich mich schon wieder aufregen: Wir haben diesen schönen alten Friedhof, auf dem so viele wichtige Leute liegen – leider lässt die Stadt ihn einfach verkommen. Eine Schande ist das, wirklich eine Schande!“

Leser sehen sich an den Schauplätzen um

Nichts lag also näher, als den neuen, noch druckfrischen Krimi genau dort vorzustellen, wo er seinen Anfang nimmt: Kommissar Reiner Emmerich, um den sich bei Stefanie Wider-Groth alles dreht, wird nämlich auf den Hoppenlaufriedhof gerufen, weil dort eine Frau mit Namen Isolde auf einer Parkbank sitzt – tot. Vor das Grab des Schriftstellers Gustav Schwab, von dem bekanntlich die „Sagen des klassischen Altertums“ stammen, stellte sich die Autorin am Donnerstagabend, um schaurig-schön jene Szene vorzulesen. Dabei erwies sich einmal mehr, was Stefanie Wider-Groth staunen lässt: „Leser, die meine Krimis mögen, haben mir gesagt, sie würden die Schauplätze und die Tatorte erkunden, an denen meine Geschichten spielen, ja regelrecht erwandern.“ Seitdem sie das weiß, gibt sie sich beim Schreiben noch mehr Mühe: „Alles muss stimmen, alles echt nachvollziehbar sein – den kleinsten Fehler verzeihen mir die Leute nicht.“




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