Stuttgart-Mitte Friede den Tauben

Der Vermehrung der Taube soll in Stuttgart Einhalt geboten   werden. Foto: Zweygarth
Der Vermehrung der Taube soll in Stuttgart Einhalt geboten werden. Foto: Zweygarth

Alle Mühe, neue Dächer für Taubenschläge zu finden, bleibt nach wie vor vergebens.

Böblingen: Marc Schieferecke (eck)
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S-Mitte - Ausgerechnet auf dem Haus Gottes ist die Abtreibung eine einzige Erfolgsgeschichte. Gleich zwei Taubenschläge stehen auf der Leonhardskirche. Deren oberster Zweck ist nicht, den Tieren ein heimeliges Zuhause zu bieten, sondern ihnen den Nachwuchs zu stibitzen, ihre Eier also, und sie gegen Attrappen auszutauschen. Auf dass die Taube sich nicht unbotmäßig vermehre in der Stadt.

Andernorts gilt das Federvieh nur als Mistvieh. Teilweise gegen Geld, teilweise der Tierliebe wegen, beschäftigen sich drei Mann und eine Frau im Auftrag der Stadt damit, Hausbesitzer zu überzeugen, dass deren Dach eine schöne Heimat für Schwärme von Tauben wäre. Aber das Ergebnis monatelanger Müh’, wenigstens einen Standort für einen neuen Taubenschlag im Zentrum der Stadt zu finden, ist nach wie vor: keines.

Niemand mag, niemand will sie, die Symbole des Friedens, pikanterweise nicht einmal die Stadt selbst. Dass die Verantwortlichen der Stadtbibliothek einen Falkner engagieren wollten, auf dass dessen Raubvögel die Tauben vom Haus verscheuchen, ist nicht allzu lang her. Der Vorschlag der Grünen im Gemeinderat – da die Tauben dort schon sind – einen Schlag auf der Bücherei zu errichten, wurde rundweg abgelehnt. Schließlich diene das Dach Besuchern als Aussichtsterrasse.

Gelegentlich wendet sich die Natur gegen die Taubenkümmerer

Wegen des Bahnhofsabrisses drängt nun die Zeit. Zum Jahreswechsel wird ein Taubenschlag im Bonatz-Bau abgebaut. Rund 300 Vögel werden dann gleichsam obdachlos sein, weshalb Silvie Brucklacher-Gunzenhäuser bereits orientierungslose „Tauben durch die Bahnhofshalle taumeln“ sieht. Sie plagt sich im Namen des Tierschutzvereins mit der Lösung des Problems. Dementsprechend will sie den Tauben nicht nur den Nachwuchs rauben. Die Tiere sollen sich auch geborgen fühlen in ihren Schlägen.

Das wiederum missfällt Dieter Guib. Er hat von seiner Wohnung besten Blick hinüber zum Taubenschlag, der auf dem Dach der Rathausgarage steht. Ärgerlicherweise für Guib ist sein Dach samt Terrasse darunter beim Federvieh mindestens ebenso beliebt wie das Dach des Parkhauses gleich gegenüber. Die Folgen, abgesehen vom Mist Hunderter Vögel, sind womöglich sogar Schäden am Bau, denn weil flaumiges Gefieder fortwährend alle Abflüsse verstopft, steht die Terrasse schier dauerhaft unter Wasser. „Ich muss von der Taubenplage befreit werden“, sagt Guib. Silvie Brucklacher-Gunzenhäuser meint, der Tierschutzverein könne ihm womöglich ein Sonnensegel spendieren. Guib wirkt allerdings, als wäre das Mittel seiner Wahl eher eine Schrotflinte.

Gelegentlich wendet sich gar die Natur gegen die Taubenkümmerer. Heinz Rittberger stichelt dann mit dem Besen in die Luft. Rittberger sieht in den Schlägen auf der Leonhardskirche nach dem Rechten. Deren Sinn hat ein Bussardpärchen umgedeutet. Die Räuber halten sie für einen gedeckten Mittagstisch.




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