Stuttgart-Möhringen/Filderstadt Scientologin darf nicht übers Abnehmen sprechen

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Eine Personal Trainerin aus Stuttgart-Möhringen sollte bei der Volkshochschule in Filderstadt einen Vortrag zum Thema Abnehmen halten. Dieser wurde nun spontan abgesagt. Alles spricht dafür, dass dies daran liegt, weil die Frau Mitglied bei Scientology ist.

Scientology wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Scientology wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Filder - Es klingt eigentlich recht harmlos und wenig nach Indoktrination: Eine Personal Trainerin aus Möhringen wollte bei der Volkshochschule (VHS) Filderstadt über den Zusammenhang zwischen Übergewicht und hormonellen Dysbalancen sprechen. Für kommende Woche war der Vortrag geplant; nun wurde dieser spontan abgesagt. Und alles spricht dafür, dass die Personal Trainerin den Vortrag deshalb nicht halten darf, weil die VHS herausgefunden hat, dass sie Mitglied bei Scientology ist. Die religiöse Gemeinschaft – oder auch Sekte – wird vom Verfassungsschutz beobachtet.

Die Personal Trainerin hat für die Absage ihres Vortrags wenig Verständnis: „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun: Ich trenne Geschäftliches und Privates. Es ist auch nicht meine Absicht, die Menschen bei meinen Vorträgen irgendwie zu beeinflussen.“ Außerdem ärgert sie sich darüber, dass ihr nicht klar gesagt wurde, weshalb der Vortrag abgesagt wurde: „Mir wurde keine richtige Begründung genannt. ‚Organisatorische Probleme‘ seien die Ursache. Das finde ich nicht fair.“

Auch leichte Missionierung müsse ausgeschlossen sein

Ähnlich vage erklärt sich die VHS Filderstadt auch gegenüber unserer Zeitung: „Der Vortrag wurde aus organisatorischen Gründen abgesagt und die dafür notwendigen Maßnahmen eingeleitet“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Hermann Huba, der Verbandsdirektor des Volkshochschulverbands Baden-Württemberg, äußert sich eindeutiger: „Das zentrale Bildungsziel der Volkshochschulen ist, ihre Teilnehmenden zutreffend und differenziert zu informieren, um sie in die Lage zu versetzen, freie, selbstbestimmte und verantwortliche Entscheidungen zu treffen.“ Deshalb müssten Volkshochschulen auf parteipolitische und weltanschauliche Neutralität achten: „Dabei lehnen sie jedoch nicht Personen bestimmter Religions- oder Parteizugehörigkeiten ab, sondern tragen Sorge dafür, dass der Unterricht im Namen der VHS zum Schutz der Teilnehmenden frei ist von parteipolitischer oder weltanschaulicher Überwältigung oder solchen Überwältigungsversuchen durch Kursleitende.“ Jede Form, auch vermeintlich leichte Formen der Indoktrination oder Missionierung, müssten ausgeschlossen sein, betont Hermann Huba. „Kurz und pragmatisch formuliert: Bildung ist Vertrauenssache. Und Vertrauen ist leicht und schnell verspielt, aber nur schwer und langsam wieder aufzubauen.“

Zum ersten Mal wurde ein Vortrag abgesagt

Wie die VHS überhaupt darauf aufmerksam geworden ist, dass die Möhringerin Mitglied bei Scientology ist, bleibt derweil unklar. Auch die Frau selbst kann sich dies nicht erklären. „Es ist das erste Mal, dass ein Vortrag von mir abgesagt wurde“, sagt sie. In der Vergangenheit hat sie schon bei diversen Volkshochschulen Vorträge gehalten, für Anfang April ist zum Beispiel einer in Böblingen geplant. Und erst vor wenigen Tagen hat sie auch in einem Fitnessstudio in Möhringen über das Abnehmen und Hormone gesprochen.