Nach der Rassismusdiskussion bezüglich des Mohren im alten Wappen von Stuttgart-Möhringen hat es einen Ideenwettbewerb für ein neues Logo gegeben. Eine Abstimmung zeigt, wie schwierig das Thema ist.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)

Oben die Sonne vor rotem Hintergrund, darunter eine stilisierte Darstellung des historischen Spitalhofs im gelben Licht und zuletzt ein abstrakter Fasan in Orange und Blau vor einem grünen Hintergrund: So könnte das künftige Wappen von Stuttgart-Möhringen aussehen. Der Bezirksbeirat hat den Entwurf von Gunther Stolle jüngst zum Sieger gekürt. Die Entscheidung war eindeutig. Und dennoch stimmten nur acht der Räte für den Entwurf, sieben enthielten sich. Das Ergebnis zeigt, wie verzwickt die Wappendiskussion ist.

Angestoßen worden war sie im Juni 2020. Gegen den Mohr im historischen Wappen des Stadtbezirks formierte sich Widerstand. Auf der Kampagnenplattform Change.org. forderten die Unterzeichner einer Online-Petition eine Abänderung und ein klares Zeichen gegen Rassismus. Bereits binnen zwei Tagen kamen knapp 2800 Unterschriften zusammen. Es folgten mehrere Anträge von Fraktionen aus dem Gemeinderat, die in die gleiche Richtung zielten.

Das alte Wappen hat Identität gestiftet

Der Bezirksbeirat reagierte, eine Arbeitsgruppe schlug vor, ein neues Logo für den Bezirk zu entwickeln. Zwei Dinge waren den Lokalpolitikern dabei besonders wichtig. Zum einen sollte das alte Logo nicht getilgt werden. Denn es war das letzte Wappen der ehemals eigenständigen Gemeinde Möhringen, bevor diese 1942 von den Nationalsozialisten nach Stuttgart eingemeindet wurde. Es war eine Zwangseingemeindung, viele Menschen in Möhringen wollten das damals nicht. Und noch heute fühlen sie sich mehr als Möhringer denn als Stuttgarter. Das ist ein Grund für die identitätsstiftende Wirkung des historischen Wappens. Darum soll es weiter bestehen, aber es soll eingebettet werden in den historischen Kontext. Das Kulturamt soll erklären und kommentieren, warum es so aussieht, wie es aussieht. Zum anderen einigten sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe darauf, dass das neue Logo die drei heutigen Stadtteile – Möhringen, Sonnenberg und Fasanenhof – widerspiegelt.

Das Interesse an dem Wettbewerb war groß, 33 Entwürfe gingen ein. Nicht nur Personen mit viel Erfahrung im künstlerischen oder grafischen Bereich beteiligten sich, sondern auch Kindergärten und Schulen. Die eingereichten Entwürfe wurden im Bürgerhaus am Filderbahnplatz ausgestellt. Die Möhringerinnen und Möhringer waren zu Abstimmung eingeladen, insgesamt drei Publikumspreise wurden vergeben. Zudem wählte die Arbeitsgruppe des Bezirksbeirats vier Entwürfe aus, die sie dem Gesamtgremium zur Entscheidung vorlegte. Obwohl beide Verfahren voneinander völlig unabhängig waren, sind die drei Publikumspreise auch unter den vier Favoriten der Arbeitsgruppe, und der Publikumsliebling ist der vom Bezirksbeirat gekürte Sieger.

Darum hat es so viele Enthaltungen gegeben

Von Einigkeit kann dennoch keine Rede sein. Denn sowohl die FDP als auch die CDU enthielten sich der Abstimmung. Tanja Bachmann (FDP) erklärte: „Wir sind nicht erfreut darüber, wie es entstanden ist.“ Bei der Diskussion über den Mohr im alten Wappen sei Möhringen „in die rechte Ecke“ gestellt worden. Fred Wagner (CDU) monierte, dass seine Partei gerne einen weiteren Entwurf für die Abstimmung vorgesehen hätte. Nämlich einen, der dem historischen Wappen sehr ähnelt, bei dem aber der Mohr durch das Stuttgarter Ross ersetzt wurde. Im Gespräch mit unserer Zeitung verweist er nach der Sitzung auf die „Tradition“. Das alte Wappen sei für viele Möhringer ein Symbol, hinter dem sie stehen würden. Es zeige die Geschichte der Herrschaft. „Wenn man es ändert, dann in logischer Folge“, sagt Wagner. Der von der CDU favorisierte Entwurf spiegelt jedoch nicht die heutigen drei Stadtteile Möhringens wider, was in der Wettbewerbauslobung als Bedingung formuliert worden war, weshalb er bei den anderen Parteien im Gremium keine Mehrheit fand.

Die Verwaltung wird nun im weiteren Verfahren noch rechtliche Aspekte rund um das neue Wappen klären. Auch der Gemeinderat muss noch abstimmen.

Feierliche Übergabe der Publikumspreise

Termin
Die Möhringer Bezirksvorsteherin Evelyn Weis übergibt die drei Publikumspreise in einer Feierstunde am Freitag, 23. September. Beginn im Bürgerhaus am Filderbahnplatz ist um 17.30 Uhr. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von der Orchestervereinigung Möhringen. Alle eingereichten Entwürfe und Exponate werden gezeigt.