Stuttgart-Möhringen Verlorenen Geglaubtes kommt ins Museum

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2018 jährt sich die Gründung der Ziegelei Probst zum 125. Mal. Aus diesem Anlass ist in Stuttgart-Möhringen eine Sonderausstellung geplant. Bei dieser werden auch vier wiederentdeckte Tontafeln mit Jugendstilmotiven zu sehen sein.

Susanne Auwärter-Brodbeck und Wilfried Geissler freuen sich, dass sie die  Tonfliesen  mit den Jugendstil-Motiven bald der Öffentlichkeit präsentieren können. Foto: Alexandra Kratz
Susanne Auwärter-Brodbeck und Wilfried Geissler freuen sich, dass sie die Tonfliesen mit den Jugendstil-Motiven bald der Öffentlichkeit präsentieren können. Foto: Alexandra Kratz

Möhringen - Für Wilfried Geissler ist es die Wiederentdeckung eines Schatzes. Der Möhringer Mediziner wusste schon seit Langem, dass das einstige Wohnhaus der Familie Probst mit schönen und wertvollen Reliefs verziert war. Die Fliesen stammen aus den Kunstkeramischen Werkstätten Probst & Kluge. Diese waren 1919 von dem Möhringer Berthold Probst und Max Kluge vom Stuttgarter Kunstgewerbe- und Fachlehrerverein gegründet worden und ergänzten die ortsansässige Ziegelei. Deren Lehmgrube befand sich dort, wo heute der Probstsee ist. Und irgendwo auf dessen Grund glaubte Geissler die Fliesen mit den kunstvollen Bildern. „18 Jahre lang dachte ich, dass sie zerschollen im Loch liegen“, sagt er.

Doch das war ein Irrtum. Zumindest einige der Reliefs gibt es noch. Das Wohnhaus wurde abgerissen, als die Firma Auwärter dort ihr markantes Gebäude mit der konkaven blauen Glasfassade baute. Das sei in den 80er Jahren gewesen, erinnert sich Susanne Auwärter-Brodbeck. Sie ist die Enkelin des Firmengründers Gottlob Auwärter und Tochter des langjährigen Firmenleiters Albrecht Auwärter. Mit seinen Bussen der Marke Neoplan wurde das Unternehmen weltweit bekannt. Ihre Heimat war das einstige Probst-Gelände an der Vaihinger Straße – dort, wo sich heute das Wohngebiet Seepark befindet.

Die schweren Tontafeln zeigen verschiedene Tiere

„Ich kann mich an das Haus mit den Fliesen erinnern. Meine Großeltern haben dort gewohnt“, sagt Auwärter-Brodbeck. Als das Gebäude abgerissen wurde, rettete ein Mitglied der Familie die Reliefs. „Als ich davon erfuhr, wollte ich auch gern welche haben – vermutlich aus sentimental-ästhetischen Gründen“, sagt Auwärter-Brodbeck und lacht. Sie bekam vier Stück. Die schweren Tontafeln zeigen vermutlich einen Kakadu, einen weiteren Paradiesvogel, ein Wiesel und einen Affen. Die Tiere sitzen beziehungsweise klettern auf Zweigen und lassen die Zeit des Jugendstils erkennen. An den Rändern der Fliesen ist jeweils ein weinroter Streifen mit einer Verzierung.

Doch dann standen die Fliesen jahrelang einfach herum. Als die Möhringerin einen Flaschner im Haus hatte, fragte sie ihn, wie sie die Fliesen an der Fassade befestigen könne. Und eben dieser Flaschner erkannte sofort, dass es sich bei den Fliesen um Kunsthandwerk aus dem Haus Probst & Kluge handelte und wusste, wer sich dafür brennend interessieren würde.

Der Flaschner vermittelte den Kontakt zu Geissler. Und nun sollen die Fliesen ins Museum kommen. Denn Auwärter-Brodbeck hat sich dazu entschieden, die Reliefs abzugeben. „Es ist nicht so einfach, sie an der Hauswand zu befestigen. Und wichtig war mir eigentlich immer nur, dass diese Kunstwerke in gute Hände kommen.“ Wilfried Geissler ist ein großer Liebhaber von Probstkeramik. Das kommt nicht von ungefähr. Denn seine Praxis übernahm er einst von der Probst-Enkelin Susanne Ostertag. Ihr zu Ehren organisiert er im Jahr 2000 eine Ausstellung in seiner Praxis. Zunächst waren es nur wenige Bilder und Exponate – doch sie stießen auf großes Interesse. Darum folgte eine große Ausstellung im Heimatmuseum im historischen Spitalhof mit Probstkeramik aus ganz Möhringen und darüber hinaus. Die Menschen brachten ihre Schätze, die sie in ihren Schränken und Vitrinen hatten. Zudem gab Geissler eine Schrift heraus mit Hintergrundinformationen und mit zahlreichen Fotos.

Ausstellung im Jahr 2000 stieß auf großes Interesse

Nun soll es eine neue Ausstellung im Möhringer Heimatmuseum geben. Für diese will Geissler die Fliesen restaurieren lassen und sie dann der Öffentlichkeit zugänglich machen. Der Termin könnte nicht passender sein. Denn 2018 jährt sich die Gründung der Ziegelei Probst zum 125. Mal.

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