Das Stuttgarter Feuerwehrmuseum macht die Geschichte der Brandbekämpfung lebendig. Neben der ständigen Sammlung sind derzeit zahlreiche Fahrzeugmodelle zu sehen.

„Ich nehme das Auto da! Und das und das“, lässt der Junge im Vorschulalter der Begeisterung freien Lauf, die ihn beim Anblick der detaillierten Modellnachbauten von Lösch- und Versorgungsfahrzeugen überkommt. Zu sehen sind sie im Stuttgarter Feuerwehr-Museum in Münster. Am Samstag hat nicht nur die Dauerausstellung nach der witterungsbedingten Winterpause wieder geöffnet, sondern auch die Sonderschau „Faszination Modellbau”.

„Solange du alle Reifen von deinen Playmobilautos abmontierst, gibt es gar nichts“, kontert der Vater trocken. Die Begeisterung seines Sohnes kann er absolut nachvollziehen. Überhaupt ist er von der umfassenden Dokumentation des Stuttgarter Feuerwehrwesens anhand historischer Fotografien, einer umfangreichen Sammlung anschaulicher Objekte und erhellender Erklärungen begeistert. Interessiert begutachtet er einen Pferdehebezug aus der Frühzeit des Stuttgarter Brandschutzes. 1891 durfte man den Begriff Pferdestärke bei Feuerwehrwägen noch wörtlich nehmen. Das Bergegeschirr für Hufträger sei so gut instandgesetzt, dass man es jederzeit einsetzen könne, versichert ein Mitarbeiter des Museums. Er sei aber ganz froh, dass die Technologie fortgeschritten sei.

Junge Besucher sind besonders an Modellautos interessiert

Während die jüngeren Besucher besonders an den Originalfahrzeugen und den Modellautos interessiert sind, zeigen sich die Erwachsenen beeindruckt von den Schätzen aus der Geschichte der Brandbekämpfung, etwa einem Rauschschutzapparat aus dem Jahre 1901. Der Helm verfügt über fensterähnliche Klappen, die Frischluftzufuhr ermöglichen. Den nötigen Sauerstoff für den Ernstfall liefern ein Schlauch und ein Blasebalg. Die Gefahr, in die sich der Träger der altehrwürdigen Einsatzkleidung begeben hat, wird bei diesem Anblick spürbar. Die Mühen von Feuerwehrleuten, die mit Löschzügen unterwegs waren, welche 800 Liter Wasser fassten, aber pro Minute 1600 Liter pumpen konnten, sind geradezu greifbar. Vom Einsatz antiquierter Kesselspritzen (das Exponat stammt aus Rotenberg und aus dem Jahr 1829) ganz zu schweigen.

Die in der ehemaligen Fabrikhalle der Firma Assmann & Stockder untergebrachte Ausstellung, die sich über 2500 Quadratmeter erstreckt, dokumentiert aber nicht nur die Historie des Feuerwehrwesens in Stuttgart, sie beleuchtet gleichzeitig auch die Vergangenheit der Landeshauptstadt. Etwa wenn in der Vitrine mit Ehrenabzeichen ein Orden mit Hakenkreuzsymbol auftaucht. Der Brandschutz war von der Gleichschaltung nicht ausgenommen. 1939 wurden bei Luftangriffen 100 Jungen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren als HJ-Feuerwehrmänner in den Einsatz geschickt.

Kein Thema wird ausgespart

An die Neueröffnung der Feuerwache auf den Fildern anno 1966, nach drei Jahren der provisorischen Unterbringung im Bier- und Eiskeller der Brauerei Wulle, erinnert die seit 2001 in Münster beheimatete Sammlung ebenso wie an das fatale Hagelunwetter 1972, das sechs Todesopfer forderte. Verschiedene Strahlrohre und ihre unterschiedlichen Kupplungen, Schläuche, Helme, Werkzeuge wie Äxte und Spreizer für die Unfallrettung, Ausführungen zu rettenden Taucheinsätzen und unterschiedliche Modelle von Feuerlöschern – kein Thema wird ausgespart. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so lohnend ist, herzukommen, stellt eine ältere Dame nach ihrem Rundgang zufrieden fest. „Der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt!“

Info
Das Stuttgarter Feuerwehrmuseum in der Murgtalstraße 60, das vom Feuerwehrverein Stuttgart getragen und vom Kulturamt der Landeshauptstadt Stuttgart und der Branddirektion unterstützt wird, ist von April bis November jeden ersten Samstag und dritten Sonntag im Monat zwischen 10 und 16 Uhr geöffnet. Seit 1974 wurde die Sammlung zum Feuerlöschwesen und der Wasserversorgung in Stuttgart seit mittelalterlicher Zeit beständig aufgebaut und erweitert. Im Oktober 2001 führte man sie mit den Beständen des Feuerwehrvereins Stuttgart zusammen. Seither ist sie auf der stark erweiterten Ausstellungsfläche in Stuttgart-Münster zu sehen. Erwachsene zahlen 2 Euro, Kinder unter 10 Jahren erhalten freien Eintritt, für elf bis 18-Jährige beträgt der Obulus 1 Euro. Weitere Informationen unter: www.stuttgarter-feuerwehrmuseum.de