Stuttgart-Obertürkheim Gemeinsam Beten und Tatort schauen

Von redhttps://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.big-pater-ernst-kusterer-geht-in-ruhestand-seelentroester-der-nacht-verstummt.d2f71aec-b5b7-4db8-bbf5-51e428ac66a9.html 

Die Salesianer Don Bosco haben sich ganz der Arbeit mit Jugendlichen verschrieben. Der Orden ist seit 20 Jahren auch in Stuttgart präsent. Am Samstag, 28. September, laden sie zum Jubiläumsgottesdienst in die Kirche St. Franziskus in Obertürkheim ein.

Bruder Matthias, Pater Jörg und Pater Clemens  (von links). Foto: Don Bosco Stuttgart (z)
Bruder Matthias, Pater Jörg und Pater Clemens (von links). Foto: Don Bosco Stuttgart (z)

Obertürkheim - D ie Salesianer Don Bosco haben si ch ganz der Arbeit mit Jugendlichen verschrieben. Der Orden ist seit 20 Jahren auch in Stuttgart präsent. Acht Patres und ein Diakon haben in dieser Zeit mit Jugendlichen gebetet, Ausflüge organisiert, zur Grillparty geladen, Fußball geschaut und Gottesdienste gestaltet. Die drei Salesianer Jörg Widmann, Clemens Mörmann und Matthias Bogoslawski, die für ihren Orden in Stuttgart sind, haben noch eine ganz andere Aufgabe: gemeinsam mit jungen Menschen eine Jugendkirche im Stuttgarter Osten aufzubauen. Am Samstag, 28. September, um 18 Uhr laden sie erst einmal zum Jubiläumsgottesdienst in die Kirche St. Franziskus in Obertürkheim, Ebniseestraße 12, ein.

Pater Jörg Widmann führt durch die Ordens-WG, die seit 20 Jahren im Pfarrhaus St. Franziskus angesiedelt ist. Es gibt ein großes Büro, eine kleine Kapelle, ein Zimmer für jeden Ordensmann, eine Küche und ein gemeinsames Wohnzimmer. Dort versammeln sich die drei sonntags zum Tatort, dort empfangen sie ihre Besucher. An der Wand des Wohnzimmers hängt eine Auferstehungsszene, neben dem Fernseher steht der Ordensgründer Don Bosco. In seiner Nachfolge leben die Männer in dem Stuttgarter Konvent. „Unsere Aufgabe ist es, ganz für die Jugendlichen da zu sein, für ihre Anliegen und ihre Sorgen. Wir machen spirituelle Angebote, diskutieren mit ihnen über Gott und die Welt und versuchen, ihnen etwas mit auf den Weg zu geben“, sagt Jörg Widmann, der der kleinen Kommunität sowie zehn muttersprachlichen Salesianern in der Region als Direktor vorsteht.

Neue Idee für das Jugendzentrum

Gerade sind die drei Ordensmänner zurück von einer Reise mit 16 Jugendlichen nach Turin zu den Wurzeln des Ordensgründers. „Wir sind mit den jungen Menschen bis nachts um vier draußen gesessen und haben mit ihnen darüber diskutiert, wie Wissenschaft und Glaube zusammengehen, ob es Gott überhaupt gibt und inwiefern er eine Hilfe für unser Leben sein kann“, erzählt Pater Jörg. Mit nach Hause genommen haben die drei Salesianer aus der durchwachten Nacht eine Idee für das Jugendpastorale Zentrum YouCh: Dort wollen sie in den nächsten Monaten zum Nighttalk laden, bei dem es um Fragen wie diese gehen soll.

Zweifel an Gott haben Pater Jörg, Pater Clemens und Bruder Matthias keine, für sie gehört er fest zum Alltag. Die drei Ordensmänner starten in der Kapelle gemeinsam mit der Laudes, dem Morgengebet, in den Tag, anschließend treffen sie sich zum gemeinsamen Frühstück, wo sie sich austauschen, die Woche planen und Organisatorisches besprechen. „Wir sind vom Orden angehalten, gemeinsam Morgen- und Abendgebet und regelmäßige Gottesdienste zu halten, das versuchen wir, so gut es geht, in unseren Alltag einzubauen“, erzählt Jörg Widmann. In den Alltag einbauen kann dann aber auch heißen, dass es kein gemeinsames Abendgebet gibt, weil alle drei mit Jugendlichen unterwegs sind.

Punktuelle Angebote

Zum Leben der drei Männer gehören die brüderliche Gemeinschaft genauso wie Ehelosigkeit, Gehorsam und Armut, zu denen sie sich verpflichtet haben. „Unsere Lebensweise ist vielen Menschen heute fremd, dabei gibt uns dieses Gelöbnis unglaublich viel Freiheit. Wir können uns ganz unserer Berufung zuwenden, eben auch dann, wenn andere Feierabend haben“, sagt Pater Jörg. Zu den Aufgaben der drei gehört es, Jugendgottesdienste zu feiern, in der Fastenzeit mit jungen Menschen eine Kreuzweg-Ausstellung zu gestalten, Orientierungstage für Schüler anzubieten. Jeder der drei hat eigene Schwerpunkte: Bruder Matthias in der Schulpastoral, wo er auch Kirchenraum- und Friedhofsführungen anbietet, Pater Clemens in der Seelsorge für benachteiligte Jugendliche und Pater Jörg, der als Stadtjugendpfarrer für den Aufbau der Jugendkirche verantwortlich ist. Alle drei müssen sich immer wieder neu auf die Lebenswelt der Jugendlichen einstellen: „Feste Jugendgruppen wie vor 20 Jahren funktionieren nicht mehr, dafür ist der Alltag der jungen Menschen viel zu vollgepackt. Was wir machen können, sind punktuelle Angebote, wie Taizé-Gebete, Filmabende oder Ausflüge“, so Matthias Bogoslawski.

Umzug in den nächsten Jahren

In Stuttgart sind die Salesianer nur eine kleine Kommunität, weltweit aber gehören 15 000 Männer dem Orden an, Tendenz in Europa schrumpfend, weltweit aber wachsend. Von dieser Internationalität ist auch ein wenig in der Ordens-WG in Obertürkheim zu spüren. Pater Clemens Mörmann hat sein Noviziat, seine Ausbildungszeit, in Italien verbracht. Bei Reisen wie der jüngsten nach Turin treffen sie auf Mitbrüder aus ganz Europa, die ihren Glauben auf unterschiedlichste Weise leben. „Für die jungen Menschen ist es eine Bereicherung, diese Internationalität zu erleben“, sagt Jörg Widmann.

Auch bei dem Jubiläum der Salesianer am 28. September wird die Weltkirche sichtbar sein, da die kroatischen, italienischen und französischsprachigen Ordensmänner aus der Region mitfeiern werden. Mit dabei sind auch die anderen Ordensbrüder, die in den 20 Jahren in Obertürkheim gelebt haben, auch Pater Ernst Kusterer, der sich als B-ig Pater im Jugendsender big FM jahrelang den Sorgen und Nöten der Jugendlichen angenommen hat.

Das 20-jährige Jubiläum feiern die Salesianer nach wie vor in Obertürkheim, in den nächsten Jahren aber wird die kleine Kommunität nach St. Nikolaus in den Stuttgarter Osten umziehen, wo das „YouCh“ angesiedelt ist und jüngst die Jugendkirche eröffnet wurde, die weiter ausgebaut wird. „Wir bleiben in der Jugendarbeit in Bewegung, das ist wichtig “, sagt Pater Jörg.

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