Region Stuttgart Handwerk sucht händeringend Lehrlinge

Von Janey Schumacher 

Zwar beginnt am 1. September das neue Ausbildungsjahr – dennoch sind in der Region Stuttgart noch Hunderte Lehrstellen frei. Auch Firmen in den Neckarvororten suchen Lehrlinge. Immerhin ist ein Handwerksberuf unter Männern sehr beliebt.

Der Bäckerberuf ist für Schulabgänger offenbar nicht sehr beliebt. Kurz vor Ausbildungsbeginn am 1. September suchen viele  Handwerksbetriebe,  noch Lehrlinge – auch in den  Neckarvororten. Foto: dpa
Der Bäckerberuf ist für Schulabgänger offenbar nicht sehr beliebt. Kurz vor Ausbildungsbeginn am 1. September suchen viele Handwerksbetriebe, noch Lehrlinge – auch in den Neckarvororten. Foto: dpa

Obertürkheim - Handwerker suchen händeringend Lehrlinge: Zwar beginnt am 1. September das neue Ausbildungsjahr – dennoch sind in der Region Stuttgart noch immer „mehr als 700 Lehrstellen frei“, sagt Gerd Kistenfeger von der Handwerkskammer Stuttgart. Und das sind nur die Plätze, die der Handwerkskammer gemeldet wurden. Insgesamt sei die Zahl wohl noch höher, sagt er.

In der Stadt Stuttgart fehlen zum jetzigen Zeitpunkt gar rund 1700 Auszubildende in Handwerk, Handel und Industrie, sagt Martina Wille von der Agentur für Arbeit. Dabei haben es besonders Handwerksbetriebe schwer, Auszubildende zu finden – vor allem Metzger und Bäcker. Das liege einerseits an den Arbeitszeiten, andererseits auch am Image der Berufe. Aber auch in der Baubranche gibt es zu wenige Bewerber. „Hier schreckt vor allem die hohe körperliche Belastung ab“, so Wille.

Es fehlt an qualifizierten Bewerbern

Umso glücklicher ist man beim Stuckateurbetrieb Gröber in Obertürkheim, einen Stuckateur und zwei Ausbaumanager – eine Kombination aus Stuckateur und Betriebswirt mit Meisterabschluss – ausbilden zu können. Insgesamt sind beim Unternehmen derzeit sieben Handwerker in der Lehre. Zwar haben sich gegenüber anderen Betrieben bei Gröber viele Interessierte gemeldet, „dennoch gibt es in der Branche zu wenig qualifizierte Bewerber“, sagt Iris Blattner, die neben ihrer Tätigkeit im Stuckateurbetrieb Gröber auch das Büro der Stuckateurinnung Stuttgart organisiert. Aus diesem Grund geht der Betrieb aktiv auf Bewerbersuche: „Zum Beispiel über Internetportale sowie auf Ausbildungsmessen.“ Auf einer Messe im Stuttgarter Rathaus wurden zum Beispiel die beiden zukünftigen Ausbaumanager auf das Unternehmen aufmerksam.

Genau das empfiehlt auch Gerd Kistenfeger Betrieben, die Auszubildende suchen: Hier lautet das Stichwort Selbstvermarktung. Außerdem wird den Unternehmen geraten, mit Schulen zu kooperieren und sich zum Beispiel bei Berufsorientierungstagen vorzustellen sowie Praktika anzubieten. „So wissen Bewerber und Betrieb, was sie voneinander erwarten können“, sagt Kistenfeger.

Schreinerberuf beliebt

Doch warum gibt es so wenige junge Menschen, die sich um einen Ausbildungsplatz bewerben? Viele Absolventen wollten lieber studieren oder auf weiterführenden Schulen das Abitur nachholen, sagt Kistenfeger. Außerdem bilden Betriebe auch verstärkt aus, um dem Fachkräftemangel im Handwerk entgegenzuwirken, wodurch sich das Angebot an Lehrstellen erhöht. Aus seiner Sicht bietet eine Ausbildung im Handwerk nach dem Abitur eine gute Grundlage, um ein Studium anzuschließen oder später eine Meisterprüfung abzulegen. Besonders beliebt sind laut Handwerkskammer Ausbildungen als Kfz-Mechatroniker, als Anlageningenieur für Sanitär, Heizung und Klima sowie als Schreiner. „Der Friseurberuf ist besonders bei Frauen beliebt“, sagt Kistenfeger. Zum Elektroniker dagegen möchten sich fast nur Männer ausbilden lassen.

Insgesamt bevorzugen junge Menschen laut Agentur für Arbeit jedoch kaufmännische Berufe gegenüber dem Handwerk. Der Grund ist weniger der Verdienst, „sondern das Image mancher Handwerksberufe in der Gesellschaft“, sagt Wille. Besonders begehrt sind dabei Ausbildungen in der Informationstechnik, in der Veranstaltungsbranche oder in der Industrie.

Wer heute noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, muss nicht verzagen: Denn bis in den Herbst hinein ist es noch möglich, sich zu bewerben. Im Portal der Handwerksammer sind noch viele unterschiedliche Stellen frei „vom Augenoptiker bis zum Zimmermann ist alles dabei“, sagt Kistenfeger. „Erfahrungsgemäß werden in den nächsten zwei Wochen noch zahlreiche Ausbildungsverträge abgeschlossen“, sagt auch Susanne Joehnk von der Industrie- und Handelskammer (IHK). In der Lehrstellenbörse der IHK werden derzeit noch fast 1000 freie Ausbildungsplätze in Industrie, Handel und der Dienstleistungsbranche angeboten.

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