Pläne für zweites Stuttgarter Rathaus Stuttgart peilt nun großes Servicezentrum an

Auch die Kfz-Zulassungsstelle soll ihren Service in der Innenstadt anbieten. Foto: Lg/Kovalenko

Das zweite Rathaus in Stuttgart soll nun kein einfacher Bürobau werden, sondern als „Frontoffice-Hub“ verwirklicht werden – ganz zentral in der Innenstadt. Am Freitag wurden Weichen gestellt.

Das zweite Rathaus soll auf jeden Fall in der Stadtmitte entstehen und nicht einfach nur für die bessere Unterbringung von besonders unter Raumnot leidenden Ämtern genutzt werden – es soll zu einem „Frontoffice-Hub“ gemacht werden. Sprich: Die Bürgerinnen und Bürger sollen dort eine möglichst große Bandbreite der wichtigsten Serviceangebote vorfinden. Neben dem Areal des Projektentwicklers P+B um die frühere Bundesbahndirektion, wo auch die Stadt ein paar Grundstücke besitzt, wird jetzt nur noch das Bollwerk-Areal der LBBW an der Fritz-Elsas-Straße genauer geprüft. Letzteres mit Priorität 2. So haben es der Gemeinderatsausschuss für Wirtschaft und Wohnen sowie der Verwaltungsausschuss am Freitag unter Ausschluss der Öffentlichkeit einstimmig entschieden.

 

Dabei verabschiedete man sich endgültig von möglichen Alternativen wie den zwei Allianzarealen sowie den LBBW-Neubauten in Vaihingen – wie zuvor schon von einem Gelände im Gewerbegebiet Möhringen/Vaihingen, wo sich die Verwaltung ursprünglich für 300 Millionen Euro beim Investor W2 einkaufen wollte. Nun schlug Verwaltungsbürgermeister Fabian Mayer (CDU) vor, den angestrebten zentralen Standort gleich zur Hauptanlaufstelle für die Bürgerschaft zu machen und dort einen Mix all dessen anzusiedeln, was Verwaltung und Bürger auch künftig im persönlichen Kontakt erledigen. Das könnten neben Funktionen der Bürgerbüros und neben der Ausländerbehörde auch die Führerschein- und Kfz-Zulassungsbehörde sein, vielleicht auch andere Dienstleistungen bis hin zum Baurechtsamt. Mayer warnte aber: Es brauche nun erst eine Prüfung, was an den Standorten Bahndirektion und Bollwerk unterzubringen wäre. Aus der Sitzung verlautete aber, sehr wahrscheinlich werde die komplette Führerschein- und Kfz-Zulassungsstelle von Feuerbach in die Innenstadt verlagert. Mit neuen Verwaltungsabläufen, Postversand von Dokumenten und einer Tiefgarage lasse sich das gut organisieren. Beflügelt wird die Idee, weil die Lösung der Raumprobleme der Zulassungsstelle in Feuerbach nach neuesten Erkenntnissen nun bis 2028 dauern würde.

Areal um ehemalige Bahndirektion hat Vorzüge

Besonders das Areal rund um die Bahndirektion biete voraussichtlich die Chance, neben den Frontoffice-Funktionen mit Publikumsverkehr auch noch eine komplette Dienststelle oder ein Amt im Backoffice unterzubringen, hieß es am Freitag. Bei der Bahndirektion könnten – mit optimaler Verkehrserschließung – vom Jahr 2025 an wohl bis zu 1442 Arbeitsplätze angesiedelt werden. Im Fall des Bollwerks scheinen schon Ende 2024 mehr als 1200 Arbeitsplätze möglich zu sein – immer nebst Betriebskita und Kantine. Mayer sieht aber auch die Chance, im künftigen zweiten Rathaus die Besucherströme besser zu organisieren, für Besucher vielleicht sogar eine Kinderbetreuung oder ein Café zur Überbrückung von Wartezeiten anzubieten und einheitlich hohe Qualitätsstandards quer durch verschiedene Dienststellen zu schaffen. Nach Jahren von Missständen im Bürgerservice plant die Stadt offenbar die Flucht nach vorne. Jedenfalls sagte Mayer unserer Zeitung: „Es geht auch um ein Signal an die Bürgerschaft, dass wir neuen Service bieten.“ Das wünsche man sich als Mehrwert dieser großen Investition. Darüber hinaus sollen hochwertige Arbeitsplätze die Personalsuche auf dem leer gefegten Arbeitsmarkt aussichtsreicher machen.

Standorte sollen „in den nächsten Monaten“ geprüft werden

Die Bollwerk-Gebäude sind offenbar mit einem Kaufpreis in der Größenordnung von 250 Millionen Euro etwas günstiger, erlauben aber auch weniger Arbeitsplätze, und die räumlichen Verhältnisse sind vorgegeben. Beim Standort Bahndirektion ist von einem Kaufpreis für Neubauten von netto (ohne Steuern) über 300 Millionen Euro die Rede, etwa weitere 100 Millionen netto önnte es kosten, wenn die Stadt auch das Direktionsgebäude kaufen wollte. Die Standorte und ihre Nutzungsmöglichkeiten sollen in den „nächsten Monaten“ geprüft werden, auch auf die erwünschte Klimaneutralität.

Die CDU kann mit dem Resultat besonders gut leben: Sie hatte vor nunmehr fast genau drei Jahren einen „Officehub“ zur Linderung der Raumnöte vorgeschlagen – damals für den Neckarpark. Die Idee sei gut fortentwickelt worden, freut sich die CDU.

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