Stuttgart-Plieningen/Birkach Besserer Nahverkehr wäre gut für Randbezirke

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Es handelt sich zwar um ein stadtweites Thema. Doch die Sozialdemokraten in Birkach und Plieningen geben extra Gas: Sie wollen ihre Gemeinderatsfraktion beeinflussen, für einen besseren Nahverkehr zu kämpfen. Das hat auch einen Grund...

An der Stadtbahn-Haltestelle in Plieningen einsteigen und  direkt bis zum Schlossplatz fahren: Seit Langem erheben  Plieninger Lokalpolitiker diese Forderung. Foto: Rüdiger Ott
An der Stadtbahn-Haltestelle in Plieningen einsteigen und direkt bis zum Schlossplatz fahren: Seit Langem erheben Plieninger Lokalpolitiker diese Forderung. Foto: Rüdiger Ott

Birkach/Plieningen - Nein, eine Nummer zu groß sei der öffentliche Nahverkehr in der Landeshauptstadt nicht für einen Stuttgarter Ortsverein der SPD, sagt Joachim Schlette. Der Vorsitzende der Birkacher und Plieninger Sozialdemokraten bezeichnet den jüngsten Beschluss des Vorstands und der Mitgliederversammlung als Anreiz für die Gemeinderatsfraktion der SPD. „Wir wollen die Genossen motivieren, in diese Richtung zu gehen“, meint er.

Keniakoalition für den Nahverkehr

Schlette bezieht sich vor allem auf das Vorhaben, das im Gemeinderat nicht nur von der SPD, sondern auch von Grünen und CDU vertreten wird: die Forderung, in Stuttgart eine Tarifzone zum Preis des bestehenden Ein-Zonen-Tickets einzuführen. SPD, CDU und Grüne werben seit März für diese Neuregelung als Teil eines Gesamtpakets. Es soll die Mobilität in der Stadt voranbringen und der Luftreinhaltung dienen. 28 Millionen Euro soll die Stadt dem Wunsch der drei Gemeinderatsfraktionen zufolge in die Hand nehmen, um ein Paket von Projekten auf den Weg zu bringen. Unter anderem geht es dabei um die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs.

Von dem Ein-Zonen-Ticket, das die drei Gemeinderatsfraktionen vorschlagen, würden Plieningen und Birkach besonders profitieren, sagt Schlette. „Das könnte viele in den Randbezirken bewegen, doch vom Auto auf die Stadtbahn umzusteigen“, sagt er. Gleiches gelte für das in der Stadt diskutierte Jugendticket für alle 18-Jährigen unabhängig von Ausbildungs- und Schulsituation, fügt er hinzu. Der Ortsverband wolle den Genossen auch vermitteln, welche Anliegen bei einer Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in Plieningen und Birkach Priorität besitzen, sagt Schlette. „Wir haben den Kreisverband informiert und er hat das ausdrücklich begrüßt.“

Ortsverband will direkte Anbindung

So erheben die Sozialdemokraten Forderungen, die immer wieder in den Bezirken kursieren. Hohenheim soll dem Wunsch der SPD zufolge direkt an die Innenstadt angeschlossen werden – durch den Bau der Möhringer Kurve. Damit ist eine Verbindung von der Sigmaringer Straße zum Riedsee gemeint. Gerade für die Mitarbeiter der Universität sei eine solche Anbindung eine Erleichterung, meint Schlette. „Es macht schon einen Unterschied, ob jemand an der Garbe einsteigt und in der Stadtmitte aussteigt, oder ob jemand im schlimmsten Fall zehn Minuten in Möhringen am Bahnhof warten muss“, sagt Schlette. 2015 schaffte es die Anbindung auch in den Bürgerhaushalt. Sie erreicht dann allerdings nur den 252. Platz.

Die Birkacher und Plieninger SPD fordert zudem eine bessere Anbindung der Plieninger Ortsmitte. So soll zum Fahrplanwechsel 2018 die 70er oder 73er Linie zwischen 6 und 22 Uhr im Zehn-Minuten-Takt verkehren, wünscht sich der SPD-Ortsverband.

Der CDU-Ortsverband Plieningen/Birkach plane keinen ähnlichen Beschluss wie die Sozialdemokraten, sagt der Vorsitzende Benjamin Völkel. Er findet es aber nachvollziehbar, wenn Ortsverbände sich mit Themen beschäftigen, die für die ganze Stadt relevant seien und Veränderungsvorschläge unterbreiteten. Inhaltlich unterstützen die Birkacher und Plieninger Christdemokraten den Beschluss der SPD. Der Bau der Möhringer Kurve sei etwa ein altes Anliegen der Lokalpolitik in den beiden Bezirken. „Das klingt ja alles nicht neu“, sagt Völkel.

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