Stuttgart-Plieningen/Birkach Radstation könnte sogar noch größer werden

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Vor dem Bezirksrathaus in Stuttgart-Plieningen können seit Kurzem Fahrräder von Regio-Rad ausgeliehen werden, in ein paar Tagen folgt die Station im Ortskern. Viele Lokalpolitiker sind nach wie vor verärgert – auch weil Stuttgart-Birkach, Stuttgart-Schönberg und Stuttgart-Asemwald abgehängt bleiben.

An der Ecke Filderhauptstraße/Wollgrasweg können acht Fahrräder sowie zwei Pedelecs ausgeliehen werden. Abstellplätze gibt es noch mehr. Foto: Theresa Ritzer
An der Ecke Filderhauptstraße/Wollgrasweg können acht Fahrräder sowie zwei Pedelecs ausgeliehen werden. Abstellplätze gibt es noch mehr. Foto: Theresa Ritzer

Plieningen/Birkach - Seit einigen Tagen können vor dem Bezirksrathaus in Plieningen Fahrräder von Regio-Rad Stuttgart ausgeliehen werden. Bereits jetzt würden diese regelmäßig genutzt, sagt die Bezirksvorsteherin von Plieningen und Birkach Andrea Lindel. Trotzdem musste sich Ralf Maier-Geißer, der sich bei der Stuttgarter Stadtverwaltung unter anderem um Regio-Rad Stuttgart kümmert, am Montagabend in der Sitzung des Bezirksbeirats so einiges anhören. „Wir finden es nicht erquicklich, dass der Bezirksbeirat bei der Standortsuche für die Verleihstationen nicht beteiligt wurde“, sagte Andrea Lindel. Ulrich Fellmeth-Pfendtner von der SPD formulierte es noch deutlicher: „Herr Maier-Geißer, Sie interessiert die Expertise eines Bezirksbeirates kein bisschen. Wir haben den Eindruck, dass man mit Ihnen in keinen wirklichen Dialog auf Augenhöhe kommt.“

Der Grund für diese deutlichen Worte ist eine fehlende Absprache: Die Lokalpolitiker von Plieningen und Birkach wurden nicht gefragt, ob es ihnen passt, dass unmittelbar vor dem Bezirksrathaus an der Ecke Filderhauptstraße/Wollgrasweg eine Radstation von Regio-Rad Stuttgart entsteht sowie eine weitere an der Ecke Halfgarten/Filderhauptstraße. Auch zu möglichen Alternativstandorten sei die Ortskenntnis der Lokalpolitiker nicht genutzt worden. Sowohl diese fehlende Absprache als auch die beiden Orte passen ihnen ganz und gar nicht.

Keine Station in Birkach, Asemwald oder Schönberg

Bei der Station vor dem Bezirksrathaus hätten sich die Lokalpolitiker gewünscht, dass diese einige Meter in Richtung der U-3-Stadtbahnhaltestelle „Plieningen“ verlegt wird, sodass nicht drei Parkplätze wegfallen und der Behindertenparkplatz verlegt werden muss. Und die sogenannte virtuelle Station an der Ecke Halfgarten/Filderhaupt-straße halten sie für gefährlich: „Die Nutzer müssen die Räder dann senkrecht auf die Filderhauptstraße heraus schieben. Warum konnte man die Station nicht ein paar Meter weiter in den Halfgarten hineinversetzen?“, fragte Thilo Reith, Plieninger Bezirksbeirat der FDP.

Weitere Kritik gab es dafür, dass zwei Radverleihstationen in Plieningen sowie zwei weitere an der Uni Hohenheim gebaut werden, jedoch keine einzige in Birkach, Schönberg oder dem Asemwald. „Wir haben keinen Standort in Birkach geplant, weil wir keinen gefunden haben“, gab Maier-Geißer zu. „Wir sind drei Stunden durch Birkach gelaufen und haben nach einem Standort gesucht, der nahe zum öffentlichen Nahverkehr ist und der gut sichtbar ist. Wir wurden nicht fündig.“ Jedoch könnten die Bezirksbeiräte noch Vorschläge abgeben, an welchen Stellen es Bedarf für weitere Stationen gebe. Dann werde man das bei der Stadtverwaltung prüfen, versprach er.

Vor dem Bezirksrathaus wäre eine Erweiterung möglich

Doch die Stimmung wollte sich nicht aufhellen. Dazu trug auch die Erläuterung von Ralf Maier-Geißer bei, warum die Radverleihstation genau vor dem Bezirksrathaus entstehen musste: An dieser Stelle sei theoretisch eine Erweiterung möglich, sagte er. Dafür müssten aber noch mehr Parkplätze wegfallen. „Wir organisieren notfalls einen Hunger- oder einen Sitzstreik, wenn noch mehr Parkplätze wegfallen“, sagte Michael Wörner von der CDU. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen hielt dies für überzogen: „Wir als Grüne sterben nicht, wenn zwei Parkplätze wegfallen“, sagte Jan Neidhardt.

Unterdessen versuchte Maier-Geißer, die Wogen zu glätten: „Die Kritik ist angekommen; das ist sie auch schon vor sechs bis acht Wochen“, sagte er. „Ich wollte Sie als Bezirksbeirat nicht herausfordern, sondern in einen sachlichen Dialog treten. Bei der Entscheidung für die Standorte haben sechs Fachämter mitgewirkt, und ich möchte Sie bitten, die Entscheidung zu akzeptieren und die Situation in den kommenden Wochen zu beobachten.“ Er versprach, dass er – falls es zu einer Erweiterung der Radverleihstation komme – die Expertise der Bezirksbeiräte einfordere.

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