Stuttgart-Plieningen Junges Paar baut moderne Häuser auf Rädern

Von  

Ein Leben auf 22,5 Quadratmetern mitten in der Natur, jederzeit mit seinem Haus davonfahren können und trotzdem auf keinen Komfort verzichten? Daran tüftelt ein junges Paar aus Plieningen seit zwei Jahren. Im Herbst soll das erste Tech Tiny House bezugsfertig sein.

Brendan Thome und Sina Martensen zeigen auf einem Plakat, wie die Tech Tiny Houses aussehen werden. Foto: Julia Bosch
Brendan Thome und Sina Martensen zeigen auf einem Plakat, wie die Tech Tiny Houses aussehen werden. Foto: Julia Bosch

Plieningen - Es sind keine putzigen Schwarzwaldhäuschen oder Wohnwagen für exzentrische Freigeister, die Sina Martensen (20) und Brendan Thome (24) planen. Darauf legt das junge Pärchen Wert. Vielmehr sollen die Tech Tiny Houses (technisch moderne sehr kleine Häuser) aus Plieningen die modernsten ihrer Art werden. Solarpaneele auf dem Dach, eine Komposttoilette, WLAN, ein Waschtrockner – das sind nur einige der Komponenten, die es in den bis zu 22,5 Quadratmeter großen mobilen Häusern geben soll.

„Wir sind vor zwei Jahren durch die USA gereist. Dort kommt der Tiny-House-Trend her“, sagt Sina Martensen. „Wir haben uns dort alle möglichen Tiny Houses angeschaut und waren fasziniert.“ Zurück in Plieningen setzten sie sich an ihre Laptops und begannen zu rechnen: Wie modern und technisch innovativ kann man ein Tiny House bauen – mit der Einschränkung, dass man trotzdem unter dem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen bleibt, so dass man sie mit einem normalen Führerschein bewegen kann? Sie fingen an, Messen zu besuchen, in Baumärkte zu gehen und mit Experten zu sprechen – immer auf der Suche nach dem besten Material, den leichtesten Baustoffen und den innovativsten Möglichkeiten der Technik.

Bewohner müssen auf keinen Komfort verzichten

Die beiden sind überzeugt, dass sie mit ihrem Start-up den Nerv der Zeit treffen: Hohe berufliche Mobilität, die Zunahme an Single-Haushalten, fehlender und teurer Wohnraum in den Städten und der Wandel zum bewussten Leben führe dazu, dass auch in Deutschland immer mehr Menschen nach alternativen Wohnformen suchen würden. Dabei will das Paar beweisen, dass man in einem kleinen Haus auf Rädern auf keinen Komfort verzichten muss.

„Bei Tiny Houses liegt der Schwerpunkt auf dem Haus und der Einrichtung und nicht auf den Reifen darunter“, sagt Brendan Thome. Nur die wenigsten Menschen würden alle mit ihrem Tiny House ständig Entfernungen von 500 Kilometern zurücklegen. Stattdessen gehe es darum, eine echte Alternative zu einer Ein-Zimmer-Wohnung oder einem Appartement zu schaffen.

Daher legen die Plieninger auch Wert darauf, dass sie keine vorgefertigten Tiny Houses bauen, sondern sich jeder Interessent sein Haus selbst planen kann. „Insgesamt kann unser Tech Tiny House bis zu zwölf Meter lang, 2,55 Meter breit und vier Meter hoch sein“, rechnet Brendan Thome vor. Wer aber beispielsweise plane, ein Klavier in das Haus zu stellen, der müsse an Länge einbüßen, so dass das Maximalgewicht nicht überschritten werde. Die Kosten für ein Tech Tiny House liegen zwischen 30 000 und 60 000 Euro – je nachdem, wie viele Extras man sich wünscht.

70 Stunden Arbeit pro Woche reichen nicht

Fragt man die beiden, wie viel Zeit sie pro Woche in ihr Start-up stecken, sind sie sich einig: 70 Stunden reichen nicht. Sina Martensen hat ihr Bauingenieurwesen-Studium in Stuttgart-Vaihingen für die Entwicklung pausiert, Brendan Thome sein Philosophiestudium. Der 24-Jährige hat nebenbei noch ein Start-up im Bildungsbereich – daraus kommt auch das Kapital für die Entwicklung der Tiny Houses.

Im August plant das Paar den Bau des ersten Musterhauses. Derzeit sind die beiden auf der Suche nach einer 200 bis 300 Quadratmeter großen Halle, die sie für den Monat mieten können. Das gestaltet sich gar nicht so einfach, denn die meisten Hallen sind deutlich größer. Spätestens im Herbst soll das Musterhaus gebaut und fertig eingerichtet sein. Dann fahren die beiden auf Messen, um es zu bewerben. Und außerhalb der Messen? Brendan Thome erläutert: „Dann wird das Tiny House vorläufig im Süden von Stuttgart auf einer Wiese eines Bekannten von uns stehen. Sina und ich werden zusammen probewohnen.“

Rechtliche Grundlage: In Deutschland werden Tiny Houses meist auf der Basis von Duldung bewohnt. Gesetzliche Regeln fehlen noch. Für dauerhaftes Wohnen in einem Tiny House empfiehlt sich eine offizielle Baugenehmigung.

Kontakt:
Wer Interesse an den Tech Tiny Houses hat, kann am Freitag, 14. Juli, zum Start-up-Gipfel auf der Messe in Stuttgart kommen. Besucher können die Häuser mit Virtual-Reality-Brillen kennenlernen. Die jungen Leute sind dankbar für Tipps, wo sie im August eine Halle oder einen Hallenteil anmieten können. Ihre Mailadresse: team@techtinyhouse.de




Unsere Empfehlung für Sie