Stuttgart-Plieningen Langwieriger Abschied vom öffentlichen Fernsprecher

Von Jacqueline Fritsch 

Für gerade einmal 4,85 Euro ist im vergangenen Jahr an diesem öffentlichen Telefon in Stuttgart-Plieningen gesprochen worden. Nun ist die Entscheidung gefallen – der Fernsprecher kommt weg. Allerdings nicht ohne Trennungsschmerz...

Bald nicht mehr da: der Fernsprecher an der Filderhauptstraße. Foto: Fritsch
Bald nicht mehr da: der Fernsprecher an der Filderhauptstraße. Foto: Fritsch

Plieningen - Acht Jahre hing der rosa Telefonhörer nun an der Ecke Filderhauptstraße/Halfgarten. Wer im vergangenen Jahr zum Gesamtumsatz von 4,85 Euro beigetragen hat, wird das Telefon in der Ortsmitte vielleicht vermissen, denn es wird abmontiert.

Der Bezirksbeirat, der darüber entscheiden darf, hat sich jüngst nicht leicht getan mit dieser Frage. So setzen einige Beiräte ihre ganze Hoffnung in diesen öffentlich zugänglichen Fernsprecher, sollten eines Tages einmal alle Mobiltelefone den Geist aufgeben. Ulrich Berger (SPD) denkt da zum Beispiel an Silvester, wenn traditionell die Netze überlastet sind. „Ich würde das Telefon für Notfälle am Leben halten“, sagte er. Wenn es nach ihm gehe, könnte es auch in eine Notrufsäule umgewandelt werden. Die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel gab zu bedenken: „Dann muss der Notfall aber genau dort passieren.“

Während einige Beiräte an dem Hörer als Helfer in der Not also gern festhalten würden, sprach sich Thilo Reith (FDP) klar für dessen Abbau aus: „In Deutschland gibt es mehr Handys als Einwohner“, sagte er. Auch wenn das keine offiziell bestätigte Information ist, trifft es das Problem des Plieninger Telefons doch sehr gut: Wer benutzt es überhaupt? Tatsächlich kann man davon ausgehen: So gut wie keiner.

Eine Glasscheibe hat damals Ärger ausgelöst

Als die Telekom die Säule vor acht Jahren dort aufstellte, ging in den ersten Monaten gar nichts – das Telefon war an die falsche Leitung angeschlossen. Aber das war es nicht, was die Plieninger an dem neuen Gerät störte. Es war die große Scheibe, die damals noch seitlich an der Säule angebracht war. Die durchsichtige Wand ragte so in die Kreuzung, dass etwa Kinder mit Tretrollern beim Abbiegen hätten dagegen fahren können. Ein Anwohner klebte daraufhin rotes Band an den Rand der Scheibe. So hoch frequentiert wie damals war das Telefon wohl nie wieder – obwohl es damals noch gar nicht funktionierte. Das ist auch der Telekom etwa zwei Jahre später aufgefallen, weshalb sie den Bezirksbeirat damals erstmals um Zustimmung für den Abbau des Hörers gebeten hat. Der Betreiber darf das Telefon nämlich nicht ohne Einverständnis der betroffenen Kommune entfernen. Da es bis heute dort steht, ist klar, was der Bezirksbeirat damals sagte: Der Hörer bleibt hängen. Nach der Absage des Bezirksbeirats hat die Telekom die Telefonsäule aber in ein sogenanntes Basistelefon umgewandelt. Heißt: Die Säule ist kleiner geworden, die seitliche Wand und der Regenschutz oben sind entfernt worden. So konnte der Betreiber seine Kosten senken, bis dahin lagen sie bei 150 Euro im Monat.

Und auch jetzt ist das Ende des Fernsprechers nicht sang- und klanglos besiegelt worden. „Man könnte ja erst bei der Telekom fragen, wie viele Notrufe von dort aus gemacht wurden, und dann noch mal überlegen, ob wir das brauchen“, sagte Jan Neidhardt (Grüne). Doch die Mehrheit der Bezirksbeiräte hat dann doch einen Schlussstrich gezogen – das Telefon kommt weg.

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