Stuttgart-Plieningen Neubaugebiet am Friedhof im Gespräch

Stuttgart-Plieningen braucht weitere Wohnungen. Das sagt die CDU im Gemeinderat und hat sich dafür auch schon ein Grundstück nahe der Mittleren Filderstraße ausgeguckt. Die Fläche ist allerdings eigentlich für etwas anderes reserviert.

Im Neubaugebiet Schießhausäcker in Stuttgart-Plieningen  sind noch vier Grundstücke unbebaut. Foto: Sägesser
Im Neubaugebiet Schießhausäcker in Stuttgart-Plieningen sind noch vier Grundstücke unbebaut. Foto: Sägesser

Plieningen - Plieningen braucht ein weiteres Neubaugebiet. So sieht das die CDU im Gemeinderat. In einem Antrag fordert die Fraktion die Stadt auf, zu prüfen, ob am Friedhof in Plieningen gebaut werden könnte. Dort könnten nach Prognosen der CDU 275 Wohneinheiten entstehen. „Wohnraum in der Stadt ist knapp, bezahlbare Wohnungen sind schwerlich zu finden“, heißt es. Die Fläche am Plieninger Friedhof steche ins Auge. Nach Auffassung der CDU würde es sich dabei um Innenentwicklung handeln. „Wir würden nicht auf den Acker gehen“, sagt Carl-Christian Vetter, CDU-Stadtrat aus Plieningen.

Der CDU ist bekannt, dass besagte Fläche für etwas anderes reserviert ist: für die Erweiterung des Friedhofs. Doch dies schreckt die Fraktion nicht davon ab, den Vorschlag an die Verwaltung heranzutragen. Denn: „Die Erweiterungsfläche für den Friedhof erscheint verhältnismäßig groß in Anbetracht der Tatsache, dass Plieningen mit 13 000 Einwohnern ein relativ kleiner Stadtbezirk ist“, steht in dem Antrag. Zudem verweist die CDU auf den Wandel in der Bestattungskultur. So hätte der Trend zur Urnenbestattung einen geringeren Platzbedarf zur Folge, argumentiert sie.

Die Stadt macht sich Gedanken über die Friedhöfe in der ganzen Stadt

Volker Schirner, dem Leiter des Friedhofsamts, ist der CDU-Antrag bisher nicht offiziell zugegangen. Deshalb will er sich noch nicht konkret dazu äußern, ob die Stadt auf die Fläche am Friedhof verzichten könnte. Er lässt durchscheinen, dass sich sein Amt derzeit grundsätzliche Gedanken über die Friedhöfe und deren Flächenbedarf mache – auf die Gesamtstadt bezogen. „Das ist ein großer Prozess“, sagt Schirner.

In Plieningen wurden in den vergangenen Jahren zwei Neubaugebiete geschaffen: im Köpfert und in den Schießhausäckern. In beiden Gebieten gibt es noch Grundstücke, auf denen gebaut werden kann. Im Köpfert seien noch zwei Grundstücke unbebaut, in den Schießhausäckern vier, teilt Detlef Kron, der Leiter des Stadtplanungsamts, mit. Weitere Möglichkeiten für Neubaugebiete gebe es in Plieningen nicht, so Kron. Der Antrag der CDU, die Fläche am Plieninger Friedhof für weitere Wohnungen in Betracht zu ziehen, müsse geprüft werden. „Neben städtischen Flächen gibt es auch private Flächen im betreffenden Gebiet“, sagt Kron.

Das wäre keine Innenentwicklung, sagt der Stadtplaner

Dabei teilt der Chef des Stadtplanungsamts die Einschätzung der CDU nicht, dass es sich bei einer Bebauung am Friedhof um Innenentwicklung handeln würde. „Dies ist eine Außenentwicklung, die den heutigen Zielen der Wohnbauentwicklung entgegensteht“, erklärt Kron. Er sagt aber auch, dass es die Entscheidung des Gemeinderats sei, „ob ein Planverfahren eingeleitet werden soll oder nicht“. Sollte es so weit kommen, dürfte dies „mehrere Jahre erfordern“, so Kron. Für die kurzfristige Entspannung auf dem Wohnungsmarkt konzentriere sich die Stadt auf die Projekte aus der Zeitstufenliste Wohnen.

Dem CDU-Stadtrat Vetter ist bewusst, dass die vorgeschlagenen Wohnungen keine kurzfristige Lösung wären, „aber es fehlen Wohnungen. Irgendwo muss man ja mal anfangen“, sagt er. „Der Antrag der CDU ist ein interessanter Ansatz“, sagt die SPD-Stadträtin Maria Hackl. „In der Tat wird infolge des Wandels der Friedhofskultur der Erweiterungsbedarf für Friedhofsflächen nicht mehr im ursprünglich angenommenen Ausmaß erforderlich sein. Wir werden dies in der Fraktion diskutieren.“ Skeptischer sind die Grünen: „Es ist ein interessanter Gedanke“, sagt Gabriele Munk. „Doch das sollte nachrangig behandelt werden.“ Zunächst solle die Stadt die Projekte aus der Zeitstufenliste „mit Nachdruck“ abarbeiten. Zudem: Sollte die Fläche beim Friedhof einmal umgewidmet sein, „wäre sie ein für alle mal weg für den Gemeinbedarf“, warnt Munk.

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