Stuttgart-Plieningen Warum auch ein Vater freitags demonstriert

Von Caroline Holowiecki 

Gerhard D. Wulf aus Stuttgart-Plieningen begleitet als Elternbeirat Schüler zu den Fridays For Future. Doch er will auch selbst etwas tun. Aktuell bastelt er an einer Textesammlung. Daran wollen auch Prominente mitwirken.

Gerhard D. Wulf hat sich von seiner Tochter inspirieren lassen, für eine nachhaltigere Klimapolitik zu demonstrieren. Foto: Caroline Holowiecki
Gerhard D. Wulf hat sich von seiner Tochter inspirieren lassen, für eine nachhaltigere Klimapolitik zu demonstrieren. Foto: Caroline Holowiecki

Plieningen - Am kommenden Freitag wird Gerhard D. Wulf wieder das Familien-Schild hochhalten. „Save Our Ship“ („Rettet unser Schiff“) steht darauf, die Anfangsbuchstaben zu einem flammenden SOS geformt. Auf die Rückseite hat seine Tochter auch etwas geschrieben. „Früher war der Fisch in der Packung, heute ist die Packung im Fisch“, hat sie mit Wasserfarben auf den Karton gepinselt. Und mit diesem Schild geht der Familienvater aus Plieningen regelmäßig an den Fridays For Future auf dem Stuttgarter Marktplatz für eine nachhaltigere Klimapolitik demonstrieren.

Inspiriert hat ihn sein Kind. Lena ist gerade mal zwölf, besucht das örtliche Gymnasium – und wollte irgendwann wissen: Wer ist eigentlich diese Greta aus Schweden, und warum geht sie auf die Straße? „Wir haben es ihr erklärt. Und sie sagte, sie findet es gut“, berichtet der Papa. Plastikverbrauch, Fleischkonsum und Flugreisen stehen seither im Hause Wulf auf dem Prüfstand. Mehr noch: Die Sechstklässlerin und Freundinnen sind zur Schulleitung gegangen, um sich zu erkunden, ob und wie sie sich an den Demos beteiligen können. Gerhard D. Wulf ist Mitglied des Elternbeirats am Paracelsus-Gymnasium, und das Gremium habe ein Konzept entwickelt, „damit gar nicht der Eindruck aufkommt: Halligalli, Schule schwänzen“. Schüler, die an den Fridays For Future dem Unterricht fernbleiben, müssen den Stoff in Arbeitsgruppen nachholen und das, was sie vor Ort erleben, thematisch aufarbeiten, sagt er.

Früher war er öfter demonstrieren

Seit Februar begleitet der Hausmann, Journalist und freie Autor wechselnde Schülergruppen an Freitagen zu den Veranstaltungen. Als Aufsichtsperson, aber auch als Fürsprecher. „Ich bin ewig nicht mehr auf Demos gewesen“, sagt der 58-Jährige. „Das hat mich früher auch bewegt.“ Gerhard D. Wulf ist überzeugt: „Wenn man die Fakten anschaut, haben sie recht. Wir müssen die Kurve kriegen.“ Dass junge Leute sich engagieren, findet er gut. „Da lernen sie wichtige Dinge für das Funktionieren einer Demokratie.“

Unter dem Titel „Save Our Ship“ will Gerhard D. Wulf die Bewegung unterstützen und eine Textsammlung zur Klimakrise herausbringen. Dazu sammelt er Redebeiträge von Demo-Sprechern aus Deutschland, aber auch Texte von Außenstehenden. Um die 50 Autoren aus dem Inland, aus Österreich, der Schweiz und Südafrika hat er beisammen, mehr als 100 Textseiten seien beieinander – Gedichte, Statements, Liedtexte, Kurzgeschichten.

Auch Prominente wollen mitwirken

„Erfrischung für den Kopf“, findet der Herausgeber in spe. Auch Prominente hätten ihre Teilnahme zugesagt, etwa der Kabarettist Christoph Sonntag und Ernst Ulrich von Weizsäcker, Naturwissenschaftler und Neffe des früheren Bundespräsidenten. Bis Mitte, Ende April will Gerhard D. Wulf die Sammlung abgeschlossen und einen Verlag gefunden haben; sonst soll das Buch im Selbstverlag erscheinen. Den Erlös will er nach Abzug der Kosten an die Organisatoren der Fridays For Future spenden.

Kontakt:

Wer möchte, kann sich per Mail mit Gerhard D. Wulf in Verbindung setzen: gdwulf@annidivini.com

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