Kriminalität in der Stuttgarter Altstadt Polizei stoppt Kokainzufuhr fürs Rotlichtmilieu

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Die Polizei vermeldet einen Erfolg im Kampf gegen den Rauschgifthandel im Stuttgarter Rotlichtmilieu. Sie hat einer Bande das Handwerk gelegt. Erste Erkenntnisse über die Lieferanten gibt es auch.

Eine Bande soll das Rotlichtviertel mit Kokain versorgt haben. (Archivfoto) Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky
Eine Bande soll das Rotlichtviertel mit Kokain versorgt haben. (Archivfoto) Foto: Lichtgut - Oliver Willikonsky

Stuttgart - Der Polizei ist ein großer Schlag gegen die Drogenhändlerszene in der Stuttgarter Altstadt gelungen: Sie hat am Mittwoch neun Männer festgenommen, die vor allem das Rotlichtmilieu in der Stadt mit Kokain versorgt haben sollen. Offenbar ein lukratives Geschäft: Neben den Drogen, die die Polizei bei den Tatverdächtigen fand, hat sie beim mutmaßlichen Kopf der Gruppe auch einen nagelneu gekauften BMW der Fünfer-Reihe beschlagnahmt – vermutlich bezahlt mit dem Gewinn aus den illegalen Geschäften. Von den neun festgenommenen Tatverdächtigen mussten acht Männer im Alter von 21 bis 55 Jahren am Donnerstag in Untersuchungshaft. Drei Hinterleute waren eine Woche zuvor erwischt worden. Sie hatten den Stoff wohl für die Händler besorgt.

In der Altstadt atmen Szenebeobachter auf, denen der „völlig ohne Scham ausgetragene Drogenhandel“ der Gruppierung schon länger ein Dorn im Auge war: „Wir haben schon lange darauf gewartet, dass die Polizei einschreitet. Das war fast schon unverschämt, wie offen die gedealt haben“, sagt einer. Die Frauen, die in den Bordells arbeiten, Zuhälter und Freier seien über die Straße gekommen, wenn sie Kokain wollten, und hätten das Päckchen dann mit ins Bordell genommen – egal, ob jemand dabei zusah.

Das weiß auch die Polizei: Es ist bekannt, dass Kunden die typischen Lokale abklappern, wo sie sicher sein können, dass ein Verkäufer drin oder davor sitzt. Doch dieses Wissen allein reicht nicht, um gezielt vorzugehen. Sie brauchte Beweise, um belegen zu können, wer zur Bande gehört und wie die Männer an die Drogen kamen.

Die Polizei verrät nicht, was sie alles in den zurückliegenden Wochen und Monaten beobachtet und überwacht hat. Seit Ende vergangenen Jahres habe sie auf die Bande ein Auge gehabt. Dabei habe sich allmählich ein Bild ergeben: Die Männer kannten sich schon aus der Heimat, einem Ort im östlichen Bulgarien. Wann sie ins Land kamen und ob sie gezielt gekommen seien, um ins Drogengeschäft einzusteigen, lasse sich nicht feststellen, sagt ein Polizeisprecher.

Erste Festnahmen hatte es schon in der vergangenen Woche gegeben. Im Lauf dieser Woche waren die Ermittler dann so weit, dass sie zugreifen und die gesamte Bande festsetzen konnten. Sie durchsuchten Gebäude in der Stuttgarter Altstadt und in Kornwestheim. Dabei arbeiteten Beamte der Kriminalpolizei, der Sicherheitskonzeption Stuttgart und des Präsidiums Einsatz zusammen. Sie fassten den Kopf der Gruppierung in Kornwestheim. Er fühlte sich vermutlich sicher: Er soll dort in der Wohnung seiner Freundin zu Besuch gewesen sein, als die Polizei vor der Tür stand. Der beschlagnahmte BMW gehörte ihm. Die Polizei nahm das Auto mit, da es vermutlich mit dem Geld aus den Geschäften bezahlt worden war.

Weitere Tatverdächtige wurden in drei Hotels in der Altstadt und im Süden der Stadt gefasst. Die Beamten durchsuchten die Zimmer der Männer und fanden dort Kokain, synthetische Drogen und mehrere Tausend Euro mutmaßliches Dealergeld.

Drei Hinterleute wurden nach einer Kurierfahrt gefasst

Die Männer in Stuttgart und Kornwestheim hätten gewarnt sein können, dass ihnen die Polizei dicht auf den Fersen war: Schon eine Woche zuvor waren drei Drogenlieferanten festgenommen worden: Bei einer 25-jährigen Frau und zwei 19 und 28 Jahre alten Männern klickten am Mittwoch vor einer Woche bereits die Handschellen. Die Polizei hatte eine sogenannte Beschaffungsfahrt beobachtet und am Zielort zugeschlagen: Die 25-Jährige soll als Drogenkurierin für die Männer gearbeitet haben, alle drei haben mutmaßlich die Gruppe um den 36-jährigen Chef regelmäßig mit Kokain für den Straßenhandel beliefert. Aktuell soll die Frau bei den Männern in Waiblingen 2,1 Kilogramm der Droge abgeliefert haben. Sie flog danach bei einer Kontrolle an der A 8 bei Pforzheim auf: Dort entdeckte die Polizei 600 Gramm Kokain im Auto, das wohl für einen weiteren Abnehmer bestimmt war. Diese drei sitzen seit Donnerstag, 16. August in Haft.

Kokain ist im Land „nach wie vor ein großes Thema“, sagt Ulrich Heffner, der Sprecher des Landeskriminalamts. Es gilt als gängige Droge – unabhängig von der Rotlichtszene. Die Herkunft der Bande aus Bulgarien müsse nicht heißen, dass die Männer von dort beliefert wurden, sagt ein Polizeisprecher. Klassischerweise komme Kokain über die Niederlande oder Belgien ins Land.

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