Stuttgart-Riedenberg Kinder retten Rehkitze vor dem Mähdrescher

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Zwischen Mai und Juli werden jedes Jahr unzählige frisch geborene Rehe von Mähdreschern überfahren. Viertklässler der Grundschule Riedenberg haben Vogelscheuchen entworfen, um die Rehmütter zu warnen.

Eine Woche lang haben Grundschüler aus Riedenberg die Vogelscheuchen gestaltet. Wenn Rehmütter diese sehen, bringen sie ihre Kitze in Sicherheit. Foto: z/privat
Eine Woche lang haben Grundschüler aus Riedenberg die Vogelscheuchen gestaltet. Wenn Rehmütter diese sehen, bringen sie ihre Kitze in Sicherheit. Foto: z/privat

Riedenberg - Die Vorstellung klingt schrecklich: Zwischen Ende Mai und Juli werden viele Rehkitze von Mähdreschern überfahren und sterben. „Der Mähtod ist mit die häufigste Todesursache bei Kitzen“, sagt Julia Schäffer, Grundschullehrerin in Riedenberg und Jägerin. Aus diesem Grund setzt sie sich gemeinsam mit ihrer Schulklasse, der 4b, unter dem Titel „Kids for Kitz“ für die Tierkinder ein.

„Im Rahmen des Kunstunterrichts haben die Schüler eine Woche lang Vogelscheuchen gebaut und gestaltet“, berichtet Schäffer. Diese werden nun in diesen Tagen auf einer Wiese bei Schwieberdingen aufgestellt. „Man muss die Scheuchen am Tag, bevor der Landwirt die Wiese mäht, aufstellen“, erläutert Schäffer. „Die Rehmütter bekommen das dann mit, dass auf dieser Wiese etwas Ungewohntes passiert und bringen ihre Kleinen nach Anbruch der Dämmerung wo anders hin.“ Von sich aus haben Rehkitze nämlich kein Fluchtverhalten: Wenn sich ihnen der Mähdrescher nähert, hauen die kleinen Tiere nicht ab, sondern ducken sich. Und der Bauer hat gleichermaßen keine Chance, die Kitze zu erkennen; nach der Geburt wiegen sie lediglich circa ein Kilo.

Projekt soll größer werden

„Die Schüler haben im Rahmen dieser Aktion weitaus mehr gelernt als in manch einer Unterrichtsstunde“, sagt die Grundschullehrerin, die seit mehr als 20 Jahren als Jägerin tätig ist. Anfangs seien die Viertklässler natürlich erschrocken, als Schäffer ihnen berichtet hat, wie viele Rehkitze jedes Jahr durch den Mähdrescher sterben – doch dann seien sie mit umso mehr Feuereifer bei der Sache gewesen.

In Bayern ist das Projekt „Kids for Kitz“ schon seit Längerem etabliert. In Baden-Württemberg dagegen ist die Aktion der Viertklässler aus Riedenberg bisher einmalig. „Ich würde mir wünschen, dass sich viel mehr Schulen beteiligen“, sagt Schäffer. Voraussetzung dafür aber sei, dass der zuständige Landwirt den Jägern einen Tag vorher Bescheid gebe, bevor er seine Wiesen mäht. „Es hilft nichts, die Scheuchen irgendwann aufzustellen, denn dann legen die Rehmütter ihre Kitze wieder in der Wiese ab“, sagt Schäffer. „Nur wenn es unmittelbar davor geschieht, bringen die Ricken ihre Kinder in Sicherheit.“

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