Stuttgart-Rohr Die Gaststätte Kanonenbäck ist längst eine Institution

Die Kanonenbäck-Inhaber Dora und Walter Polancic mit Sohn Igor Foto: Ralf Recklies
Die Kanonenbäck-Inhaber Dora und Walter Polancic mit Sohn Igor Foto: Ralf Recklies

Seit inzwischen 40 Jahren betreiben Dora und Walter Polancic die Gaststätte Kanonenbäck in Vaihingen und bieten bis heute klassische „Jugo-Gerichte“, so Walter Polancic, an. Das Traditionslokal selbst wurde bereits 1893 als Jägerstüble eröffnet.

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Vaihingen - In diesem Jahr wird der ehemalige US-General William E. „Kip“ Ward, der von 2007 bis 2011 Kommandeur des in Stuttgart beheimateten Africa Command war, nach Stuttgart kommen. Gut möglich, dass er dann auch im Rohrer Kanonenbäck vorbeischaut und Dora und Walter Polancic einen Besuch abstattet. Während seiner aktiven Dienstzeit ist er schließlich öfter dort eingekehrt, wo seit 40 Jahren Dora Polancic das Regiment führt – „obwohl ich das eigentlich nie wollte“, sagt die heute 73-Jährige. Mit ihrem Mann Walter hat sie das Lokal im Februar 1976 von einem Landsmann übernommen. Damals begannen die Deutschen, sich für andere Kochkulturen zu begeistern – und die Gaststätte Kanonenbäck wurde rasch zur Institution.

„Als wir 1965 nach Deutschland kamen, hatten wir mit Gastronomie rein gar nichts am Hut“, erinnert sich Walter Polancic. Der 74 Jahre alte Slowene war im Kraftfahrzeuggewerbe tätig und schnupperte eher zufällig Gastronomieluft. In Plattenhardt, wo das Ehepaar sein erstes Zuhause im Südwesten fand, half er einem Landsmann in der Krone aus. Vorübergehend sorgte auch seine Frau dort fürs Wohl der Gäste.

Pächter der Festhalle Aich

Als 1969 dann die Gastronomie der Festhalle Aich zu vergeben war, wurde Walter Polancic als potenzieller Pächter angesprochen. Es sei in dieser Zeit ein schwieriges Unterfangen für Ausländer gewesen, eine Konzession zu erhalten, erinnert sich Polancic. Weil aber der Aicher Bürgermeister die beiden für den Betrieb der Halle wollte, klappte alles wie am Schnürchen. „Am 1. März 1969 haben wir in Nürtingen die vorläufige Konzession erhalten“, blickt Polancic zurück. Das Geschäft lief gut, die Gastronomie wurde zum Lebensinhalt der Polancic’.

Am 15. Januar 1976 den Pachtvertrag unterschrieben

Sieben Jahre später, am 15. Januar 1976, unterschrieb das Ehepaar den Pachtvertrag für das 1893 als Jägerstüble eröffnete Rohrer Lokal – einen Monat später ging es dann mit dem Betrieb richtig los. Eigentlich hatten sie beiden ja nie ein eigenes Restaurant eröffnen wollen. „Dass es mal 40 Jahre werden würden, das hätten wir nicht geglaubt“, sagt Walter Polancic, der längst Gastronom mit Leib und Seele ist. Einiges hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. „Es gibt heute, anders als vor 30, 40 Jahren, kaum mehr Lokale mit jugoslawischer Küche“, sagt Walter Polancic. Das Lokal ist heute nur noch abends geöffnet, denn: „Das Mittagsgeschäft hat sich total verändert und lohnt sich für uns nicht mehr.“ Auch finden weitaus weniger große Gesellschaften als früher statt. Das Gros der Gäste – „99 Prozent sind Deutsche“ – komme immer wieder.

Deutlich reduziert hat sich im Laufe der Zeit die Zahl der amerikanischen Gäste und auch die der älteren Stammgäste, „die früher mit der Stadtbahnlinie 1 zu uns gekommen sind“, so Dora Polancic. „Die Auflösung des Stadtbahnhaltepunkts haben wir deutlich gespürt“, sagt sie. Schließlich habe die Endhaltestelle just vor dem Lokal gelegen und so viele Gäste ins Haus geführt. Heute gebe es indes kaum mehr Laufkundschaft.

Ein fünfköpfiges Team kümmert sich um die Gäste

Zufrieden mit dem Zuspruch sind Dora und Walter Polancic aber nach wie vor. „Nicht selten sind fast alle Tische belegt“, sagt Walter Polancic. Wenn es eng wird und Sohn Igor nicht gerade beruflich um die Welt jettet – er arbeitet als Pilot –, ist er als Hilfe zur Verstärkung des ansonsten fünfköpfigen Teams gerne mit von der Partie. „Da werden oft auch Erinnerungen an meine Kindheit wach“, sagt Igor Polancic, der, wie sein in Kanada lebender Bruder, nie in die Gastronomie gehen wollte.

Wie lange seine Eltern noch weitermachen, können diese noch nicht sagen: „Solange es uns eben gut geht und es Spaß macht“, sagen sie. Was danach aus dem Kanonenbäck wird, ist noch offen. „Wir werden das Lokal dann wohl verkaufen müssen“, so Walter Polancic, der die Immobilie Mitte der 80er-Jahre erworben hat.




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