Die Kickboxerin Alina Arslan aus Rohr gewinnt in Nürtingen vor 1000 Zuschauern den Kampf um die deutsche Profi-Meisterschaft im Schwergewicht – und das mit 42 Jahren. Nun hofft ihr Trainer Ertekin Arslan, dass sie ihre Laufbahn beendet.

Rohr - Alina Arslan ist eine klassische Spätstarterin. Gerade mal dreieinhalb Jahre ist es her, dass die Rohrerin mit dem Kickboxen in der Kampfsportakademie am Vaihinger Markt begonnen hat. Mittlerweile ist sie vierfache Amateur-Weltmeisterin im Voll- und Leichtkontakt der World Kickboxing and Karate Union (WKU) und – seit vergangenem Samstag – auch deutsche Profi-Meisterin im Vollkontakt. Alina Arslan hat den Kampf im Nürtinger K3N vor den Augen ihrer Verwandtschaft, die eigens aus Rumänien angereist war, über fünf Runden beherrscht. Zweimal hatte sie ihre Gegnerin kurz vor dem K.o., zweimal war der Gong deren Rettung. Am Ende war es eine einstimmige Kampfrichterentscheidung.

„Alina hat jetzt alles erreicht, was man erreichen kann“, sagt Ertekin Arslan, mit dem sie weder verwandt noch verschwägert ist, der aber gemeinsam mit Jens Fedler ihr Trainer ist und zudem Geschäftsführer und Gründer der Vaihinger Kampfsportakademie. Ginge es nach ihm, dann würde Alina Arslan nun einen Schlussstrich unter ihre zwar kurze, aber äußerst erfolgreiche Laufbahn ziehen. „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, sagt der selbst mehrfache Weltmeister Ertekin Arslan und gibt zu, dass er vor allem ein mulmiges Gefühl hat, wenn er an Alina Arslans Alter denkt. „Wäre sie zehn Jahre jünger, würde ich sagen, wir hören nie auf“, sagt er. Doch Alina Arslan ist 42, Mutter zweier Teenager, und damit einfach nicht mehr die Jüngste in einer Sportart, in der es vor allem auf Beweglichkeit und Reaktionsschnelligkeit ankommt. „Für mich steht auch immer die Gesundheit meiner Kämpfer im Vordergrund“, sagt Ertekin Arslan.

Technisch nicht die Beste im Ring, aber willensstark

Für den aktuellen Kampf um die deutsche Profi-Krone im Schwergewicht gegen die 13 Jahre jüngere und 20 Zentimeter größere Saskia Matuschkiewitz aus Darmstadt habe er sich noch einmal breit schlagen lassen. „Wenn sich Alina etwas in den Kopf gesetzt hat, zieht sie das auch durch. Da ist reden und argumentieren zwecklos“, sagt Ertekin Arslan. Technisch zwar bei Weitem nicht die Beste im Ring, dafür aber mit einem Willen ausgestattet, der seinesgleichen sucht. „Sie ist absolut trainingsfleißig und schaut immer nur nach vorne – ohne Wenn und Aber“, sagt der Coach.

Ein weiteres Plus von Alina Arslan, die, weil mit einem Türken verheiratet, auch Mitglied der türkischen Kickbox-Nationalmannschaft ist, ist ihre Fitness. Der Sport, sagt sie, habe schon immer ihr Leben geprägt. In der Jugend habe sie Leichtathletik auf hohem Niveau betrieben, war sogar einmal rumänische Meisterin über 1500 Meter. Und vor ihrem Einstieg in die Kickbox-Szene war das Fitnessstudio ihr zweites Wohnzimmer. „Ihre gute Kondition ist ganz klar die halbe Miete“, sagt Ertekin Arslan. „Sie hält auch mit uns Männern gut mit, hat ein Kreuz wie ein Mann.“ Letzteres darf durchaus als Kompliment verstanden werden.

Mit dem Kosmetikstudio ins Vaihinger Dojo gezogen

Vier- bis fünfmal in der Woche trainiert die nur 1,62 Meter große und 67 Kilogramm schwere Powerfrau, die 1998 nach Deutschland gekommen ist, im Vaihinger Dojo. Vor wichtigen Wettkämpfen sind es zehn bis zwölf Einheiten – und das sechs Wochen lang. Damit nicht viel Zeit auf der Strecke liegen bleibt, ist die Spezialistin für Permanent-Make-up mit ihrem Kosmetikstudio „Alina Beauty“ vor einem Jahr direkt in die Vaihinger Kampfsport-Akademie eingezogen. „Schneller komme ich nirgends ins Training“, sagt sie und lacht.

Einmal noch will Arslan ihren Profi-Titel verteidigen

Wenn es nach ihr geht, ist das Karriereende freilich noch kein Thema. Mindestens einmal will sie ihren gerade erworbenen Profi-Titel verteidigen – und ist schon jetzt auf die Herausforderin gespannt. Ihre Kinder, ein Mädchen und ein Junge, seien inzwischen auch richtig stolz auf sie, erzählt sie. Das sei aber nicht immer so gewesen. „Sie machen beide Taek­wondo, und ich wollte da auch mit einsteigen“, sagt Alina Arslan. Es scheiterte jedoch am Widerstand der Kids. „Sie fanden es peinlich“, sagt die Mutter.

Auch im Taekwondo wäre Alina Arslan eine klassische Spätstarterin gewesen – ob freilich so erfolgreich wie im Kickboxen, das sei dahingestellt.

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