Revival an Feuersee und Uhlandshöhe Zu mir, zu dir oder zum Minigolf? Darum liebt Stuttgart das Bälleschlagen wieder

, aktualisiert am 25.08.2025 - 12:00 Uhr
Minigolf statt Clubbesuch? Foto: Katrin Maier-Sohn

Die Zeiten von langen Disconächten oder teuren Brunches am Wochenende sind vorbei. Junge Städter treffen sich zum Minigolf, gerne in Kombination mit Konzerten und Drinks.

Digital Desk: Katrin Maier-Sohn (kms)

Bahnen aus Beton, mal bunt gestrichen, mal in rustikalem Grau. Immer 18 Stück. Dazu die kleinen, aber schweren Bälle und die Schläger aus Stahl und einem Kunststoffkopf. Ziemlich retro. Und ziemlich hip. Während das klassische Golf innerhalb der Gen Z als elitär, abgehoben und altbacken gilt, wird das Bahnengolf immer beliebter. Hier reichen sieben Euro und gute Freunde. Rolex und Club-Mitgliedschaft sind überflüssig.

 

Dass die Stuttgarterinnen und Stuttgarter das Minigolfen lieben, zeigen die vollen Plätze der Stadt. Besonders angesagt sind zurzeit der Minigolfklub auf der Uhlandshöhe und das Feuersee Open im Stuttgarter Westen.

Hier ist die Welt noch in Ordnung

An einem Sonntagmittag auf dem Minigolfplatz ist die Welt noch in Ordnung. Der Rasen ist akkurat gemäht, die Spielregeln sind einfach und am Eingangstor grinst ein dickbäuchiger Gartenzwerg – oder zwei Frösche. Hier erinnern wir uns gerne zurück an die Kindheitstage, in denen wir mit Mama und Papa um eine Kugel Eis gespielt haben und ganz zufällig die Eltern erst vorne lagen und am Ende dann fürchterlich schlecht spielten, sodass die Eiskugel jedes Mal an uns ging.

Damit fügt sich das Minigolfen ein in eine Reihe von Beschäftigungen, denen bereits unsere Großeltern nachgegangen sind, die zurzeit aber unter jungen Menschen ein Revival erleben: Wandern gehen, Kaffee und Kuchen oder Kartenspielen in der Eckkneipe. Junge Städterinnen und Städter mögen Altbekanntes, Beschauliches. Sie suchen ein bisschen Frieden in Zeiten von Kriegen, Dating-Burn-out und Deadlines.

DJ und Spaßgetränke

Doch Stuttgarterinnen und Stuttgarter haben auch Fomo (Fear of missing out). Ein Freitagabend alleine auf der Couch fällt ihnen (noch) schwer, auch wenn die große Lust aufs stundenlange Feiern vergangen ist. Auch dafür liefern die Golfplatzbesitzerinnen und Besitzer nun eine Antwort.

Bei „Minigolf und Music“ treten auf der Uhlandshöhe immer freitags um 19 Uhr Musikerinnen und Musiker auf und das in historischem Ambiente, denn den Platz gibt es bereits seit 1962. Die 6,50 Euro Eintritt für eine Runde Minigolf sind gleichzeitig der Eintritt für das Konzert. Perfekt für Ausgehfreudige mit kleinem Geldbeutel und wenig Motivation, erst um 4 Uhr nachts ins Bett zu kommen.

Ein ähnliches Konzept verfolgen die Macher Valentin Hillengass und Philipp Hettler des Feuersee Open. Statt über 900 Tannen im Winter stehen auf dem ehemaligen W&W Areal in Stuttgart-West nun schicke Minigolf-Bahnen. Ein Kiosk versorgt das Publikum mit „Spaßgetränken“ alias Softdrinks, Bier, Sekt und Spritz sowie Kulinarischem wie Roter Wurst, Hotdogs, Maultaschen mit Kartoffelsalat und Pizza – alles ist auch vegan erhältlich. Erst kürzlich legten auf dem Platz zusätzlich DJs auf, die sonst aus dem Stuttgarter Nachtleben bekannt sind.

So schafft Stuttgart mit Minigolf den Sprung ins Nachtleben. Aus der Sonntagnachmittagsbeschäftigung wird kurzerhand ein hippes Event mit Drinks und Musik. Also: Zu dir, zu mir oder zum Minigolf?

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart Minigolf Konzert Ausgehen Sport