Stuttgart-Schönberg Wie eine Rentnerin Frösche und Kröten rettet

Von Gabriel Bock 

Dank milder Nachttemperaturen und Regen brechen in Stuttgart-Schönberg derzeit die Amphibien wieder zu ihren Laichgewässern auf. Dabei fallen sie oft dem Straßenverkehr zum Opfer. Wir haben eine Rentnerin und deren Helfer bei einer nächtlichen Amphienrettungsaktion begleitet.

Bernadette Henrichs ist zurzeit auf Rettungstour in Stuttgart-Schönberg. Foto: Gabriel Bock
Bernadette Henrichs ist zurzeit auf Rettungstour in Stuttgart-Schönberg. Foto: Gabriel Bock

Schönberg - Merkwürdig anmutende Dinge gehen zur Zeit an der Schönberger Rotwiesenstraße vor. Sobald das Licht schwindet, werden Warnlichter entlang der Straße aufgestellt. Gestalten mit Warnwesten und Taschenlampen suchen konzentriert die Böschung ab. Eine Autofahrerin hält an, lässt das Fenster herunter und fragt mit gezücktem Smartphone, ob etwas passiert sei. Sie wird aber schnell beruhigt. In Schönberg werden lediglich Kröten und Frösche eingesammelt. Die machen sich derzeit nämlich auf den Weg in den kleinen Teich an den unteren Teil der Rotwiesenstraße. Dort legen sie ihre Eier ab, den sogenannten Laich.

„Sobald Temperatur und Feuchtigkeit stimmen, hopsen die Frösche und Kröten in der Dämmerung los, ohne Rücksicht auf Verluste. Genau da liegt aber das Problem, auf den Straßen kommen sie unter die Räder und werden zerquetscht“, sagt Bernadette Henrichs. Die Rentnerin organisiert jedes Jahr eine ehrenamtliche Rettungsaktion für die Amphibien. Gemeinsam mit anderen Helfern sammelt sie Frösche und Kröten ein und trägt sie in einem Eimer über die Straße. „Leider stehen an der Rotwiesenstraße und Birkenheckenstraße keine Krötenzäune, deshalb müssen wir die Strecke permanent patrouillieren“, sagt sie.

Der späte Frost bringt vieles durcheinander

Einer der Helfer ist Sebastian Bittner, der Neunjährige ist gemeinsam mit seiner Mutter und der kleinen Schwester da. „Ich möchte mich für die Tiere einsetzen, weil ich finde, dass Amphibien wichtig für die Natur sind. Außerdem tragen sie dazu bei, Stechmücken zu bekämpfen“, sagt er.

In Schönberg sind an diesem Abend vor allem Grasfrösche unterwegs, bei anderer Witterung auch Erdkröten. Die Amphibien sind tatsächlich in einer immer schwierigeren Lage. Ihre Nahrung besteht aus Insekten – und von denen gibt es immer weniger. Eine viel beachtete Studie des Entomologischen Vereins Krefeld aus dem Herbst 2017 hatte gezeigt, dass 75 Prozent der Insekten verschwunden sind. Hinzu kommen die veränderten Witterungsbedingungen. „Durch den späten Frost ist dieses Jahr alles durcheinander, noch fehlt mindestens die Hälfte der 140 Frösche, die sonst zum Teich kommen“, sagt Bernadette Henrichs.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass möglichst wenige Amphibien dem Verkehr zum Opfer fallen. Die beiden Strecken in Schönberg sind da problematisch. An der Rotwiesenstraße ist der Bus mit seinen breiten Reifen unterwegs, und an der Birkheckenstraße wandern die Tiere direkt durch eine enge Kurve.

Anfangs haben Leute bei der Polizei und dem Altenheim angerufen

Henrichs Gruppe arbeitet bei den Rettungseinsätzen mit dem städtischen Amt für Umweltschutz zusammen. Mit dem Amt hat Henrichs ein Anschreiben an die Anwohner verteilt, das diese dazu aufruft, zwischen Dämmerungsbeginn und 23 Uhr vorsichtig zu fahren, besonders in regnerischen und warmen Nächten. Zudem sind Verkehrszeichen aufgestellt worden. „Leider fahren noch immer viele Menschen viel zu schnell durch die Querungsstellen“, sagt Henrichs. Sie wünscht sich mehr Rücksicht auf die Tiere.

Über die Anfänge der Aktion berichtet Henrichs: „Mir selbst sind die überfahrenen Amphibien im ersten Jahr meiner Rente aufgefallen. Dann bin ich los mit Lampe und Eimer und habe ein paar eingesammelt. Das hat dazu geführt, dass viele Anwohner sich gewundert haben, was ich da treibe. Manche haben die Polizei und sogar das nahegelegene Altenheim angerufen.“

Wer Bernadette Henrichs bei der Krötenrettungsaktion begleiten will, kann sich bei ihr unter Telefon 0711/47 46 14 melden.

Sonderthemen