Eine Entscheidung, die richtig wehtut
Der Sprecher der Scorpions stellt deshalb eilig den Kontext her. „Die Lage ist nicht erfreulich“, sagt er, „aber es war klar, dass wir keine höheren Ansprüche haben würden.“ Nachdem die European League of Football (ELF) im Frühjahr gegründet worden war, hatten die Scorpions zunächst damit geliebäugelt, dort ein Team zu stellen und eines in der GFL an den Start zu schicken – doch es gab Widerstand, in einer intensiven Versammlung stimmte die Mehrheit dafür, die ELF links liegen zu lassen. Was zur Folge hatte, dass ein Großteil des Trainerstabes und der stärkeren Spieler sich Stuttgart Surge in der ELF anschlossen. „Die Entscheidung war richtig, auch wenn sie uns heute wehtut“, sagt Hanson vor der Partie der Scorpions gegen die Saarland Hurricanes im Gazistadion an diesem Samstag (17 Uhr).
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Stuttgart Scorpions und Frankfurt Universe, die Kellerkinder im Süden der GFL, leiden gemeinsam, sie teilen das gleiche Schicksal. Auch am Main wurde der Football-Kosmos zweigeteilt, hier Universe in der GFL, dort Galaxy in der ELF. Schon früh befürchtete Daniel Zeidler, Geschäftsführer bei Universe, eine interstellare Explosion: „Eigentlich kannst du in Frankfurt keine zwei Projekte auf diesem Level nebeneinander betreiben.“ Er hat recht behalten. Galaxy ist mit sechs Siegen in sieben Partien ein Topteam der ELF, Universe taumelt in der GFL von einer Verlegenheit in die nächste, weil der Club 80 Prozent der Spieler an den Konkurrenten verloren hat. „Diese Entwicklung in Frankfurt und Stuttgart war leider absehbar, Respekt an beide Clubs, dass sie weitergemacht haben“, sagt GFL-Sprecher Alexander Streich. Football kannibalisiert sich an den Doppelstandorten. In Berlin krebst GFL-Club Rebels mit 2:12 Punkten am Tabellenende der Nordgruppe, die Welt in der ELF-Filiale Thunder ist kaum bunter, es stehen ein Sieg und fünf Niederlagen zu Buche – der Standort zählte aber noch nie zu den hellen Sternen am deutschen Football-Himmel.
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Wie die Spieler können sich auch die Fans nicht zweiteilen, es gibt kaum Zuschauer, die zwischen GFL und ELF pendeln – und meist sind die Clubs der deutschen Liga die Leidtragenden. „Die Zahlen sind durch die Bank niedriger als 2019“, räumt Streich ein, „das liegt vor allem an den Beschränkungen durch Corona, und nicht an der ELF.“ Aber dort, wo die Ligen-Konkurrenz besteht, fällt sie dramatischer aus. Stuttgart Surge begrüßte insgesamt beinahe 4000 Anhänger in drei Heimspielen, die Scorpions kommen in drei Partien im Gazistadion auf insgesamt knapp 1800. Die Begegnung Frankfurt Universe gegen Marburg Mercenaries (12:42) wollten nur 312 Menschen sehen, das ELF-Topspiel Galaxy gegen die Hamburg Sea Devils lockte dagegen 2800 Zuschauer an. Scorpions-Mann Hanson will wegen der fehlenden Einnahmen nicht klagen, verweist aber auf die staatlichen Coronahilfen, ohne die es der Club finanziell viel schwerer hätte.
In der ELF steckt mehr Geld
GFL, was nun? Streich weiß, dass Abwarten und Tee trinken keine hilfreiche Strategie ist, um dem möglichen Ausverkauf von Teams zu begegnen, und er verweist darauf, dass am Standort Köln die Koexistenz zweier Clubs durchaus gelingt – weil dort eine scharfe Trennlinie herrschte und beide Teams nicht verbandelt waren. „Es wird viel Geld in das Experiment ELF gesteckt“, sagt der GFL-Sprecher, „mal sehen, ob das Produkt dauerhaft angenommen wird und sich auf lange Sicht für die Investoren lohnt.“ Denn in der Spitze sieht der Mann aus Schwäbisch Hall keine Unterschiede im Niveau, lediglich die Breite in der ELF sei besser. „Stuttgart und Frankfurt besitzen diese Saison leider kein GFL-Niveau“, sagt Streich.
Jack Hanson von den Scorpions würde da womöglich nicht vehement widersprechen, er versucht, das Gute im Schlechten zu sehen. Sein Club hat zwei Punkte bei zwei ausstehenden Spielen, Frankfurt null – dank des Sieges über Universe „haben wir den direkten Vergleich gewonnen und dürften mit dem Abstieg deshalb nichts zu tun haben“. In dieser Saison laben sich die Scorpions an den kleinen Erfolgen, es kann nur besser werden.