Stuttgart. - Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat am Dienstag bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie zur sechsgleisigen Ergänzungsstation am Stuttgart-21-Bahnhof an die Stadt und den Verband Region Stuttgart (VRS) appelliert, beim Bau mitzuwirken. Dort gibt es Vorbehalte bis Widerstand gegen die Idee, S 21 mit dem im Untergrund liegenden Halt zu ergänzen. Die CDU in der Landesregierung hat ihre Unterstützung zugesagt, die Grünen wollen sich im Gegenzug für den ICE-Tunnel im Norden Stuttgarts und für den Gäubahntunnel zum Flughafen einsetzen.
Die Klimaschutzanforderungen seien mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts verschärft worden, der öffentliche Verkehr müsse nach 2030 einen wesentlichen Beitrag leisten, um den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren, so Hermann. S 21 könne das nicht allein leisten.
Klimaschutz zentrales Thema
Die neue Station, die parallel zum Hauptsitz der Landesbank (LBBW) entstehen soll, würde aus drei Richtungen – Gäubahn, Feuerbach und Bad Cannstatt – über Tunnel an die bestehenden Gleise angebunden und Pläne des VRS für Tangentiallinien nicht verbauen. Sie soll Nahverkehrszüge und S-Bahnen aufnehmen und damit auch „quasi als Ersatz für eine zweite S-Bahn-Stammstrecke fungieren und bei Störfällen Ausweichmöglichkeiten bieten“, so der Minister in einer Pressekonferenz. Die Gesamtkosten werden samt Puffer auf 785 Millionen Euro berechnet, sie sollen zu 75 Prozent über Bundesmittel gedeckt werden. Um die Station mit dem Städtebau zu verzahnen, müsse sie bereits von 2027 an gebaut werden. „Wer die Station nicht will, der muss sagen, wie er die Klimaschutzziele und 50 Prozent mehr S-Bahn-Verkehr erreichen will“, so Hermann.
Die Stadtverwaltung reagiert prompt: Zentrale Aspekte der Stadt fehlten in der Studie. Der Bau von rund 1000 Wohnungen, Grundschule und drei Kitas werde verzögert, der Bau über den Tunneln und der Station „stark verteuert“, der Cityring könne erst später von der Schiller- auf die Wolframstraße verlegt werden, der durchgrünte Gleisbogenpark sei teils nicht oder erst nach dem Bau der Station realisierbar. Bauablauf und tunneltechnische Gutachten fehlten.
SPD will keine Tunnel mehr
„Die Studie widerlegt die Behauptung, dass wir die Bebauung verhindern“, so Hermann, Untergeschosse könnten aber wegfallen. Für Details müsse man „idealerweise so schnell wie möglich mit den Planungen beginnen“. Er wisse, dass es für das Projekt noch Überzeugungsarbeit brauche. Entscheidend sei, das Zeitfenster für den Bau zu erreichen.
SPD-Fraktionschef Martin Körner lehnt den Zusatzhalt genauso wie die S-21-Gegner ab. „Irgendwann ist es mal gut mit Tunnelbaustellen in der Innenstadt“, sagte er. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) begrüßen die Pläne. „Ohne Ergänzungsbahnhof keine Mobilitätswende, wir haben selbst die Ergänzung vorgeschlagen“, hieß es beim BUND. „Es wäre ein Schildbürgerstreich, wenn die Stadt Engpässe im Schienenverkehr zementieren würde“, sagte VCD-Landesvorsitzender Matthias Lieb.