Stuttgart-Sillenbuch Das Clara-Zetkin-Haus bröckelt von unten

Von Caroline Holowiecki 

Das Fundament des Clara-Zetkin-Hauses in Stuttgart-Sillenbuch ist marode. Doch die Rücklagen des etwa 100 Mitglieder starken Zusammenschlusses sind aufgebraucht. Deshalb versucht der Waldheim-Verein es auf anderem Wege.

Isabelle Amidzadeh und Albrecht Kotitschke vor dem Lagerraum. Die Wurzel allen Übels sieht man an der Wand rechts: Sie ist von unten her feucht, der Putz bröckelt. Foto: Holowiecki
Isabelle Amidzadeh und Albrecht Kotitschke vor dem Lagerraum. Die Wurzel allen Übels sieht man an der Wand rechts: Sie ist von unten her feucht, der Putz bröckelt. Foto: Holowiecki

Sillenbuch - Für die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr hätten sich die Mitglieder des Waldheim-Vereins aus Sillenbuch sicherlich etwas Schöneres vorstellen können. Die letzten Tage des Jahres nutzt der Club stets dafür, das vereinseigene Clara-Zetkin-Haus auf Vordermann zu bringen. Böden herrichten, Wände streichen – Frühjahrsputz im Winter. Dieses Mal haben die Mitglieder die Zeit komplett im Untergeschoss verbracht. Im Sanitärbereich kamen die Kacheln von den Wänden. Alles musste neu gemacht werden. Und spätestens in einem Jahr, da muss man wieder ran.

Im Keller riecht es moderig

Die Wurzel allen Übels: Das Fundament ist marode und feucht. An der Nordseite des Gebäudes aus den 1920er Jahren – das ist die zur Äckerwaldstraße hin – ist unten am Haus schon der Putz abgebröckelt. Im Keller-Lagerraum riecht es moderig. An einem Balken hat sich etwas Schimmel abgesetzt. Alles ist klamm. Das Grundwasser stehe in diesem Bereich hoch und drücke von unten durchs bald 100 Jahre alte Fundament. Deswegen kamen im Untergeschoss auch die Fliesen von den Wänden. Der Gipsputz, auf dem sie saßen, hat mit den Jahren Wasser gezogen. Isabelle Amidzadeh und Albrecht Kotitschke schauen sich das Malheur an und wirken etwas kraft- und ratlos. Die stellvertretende Vorsitzende und der Schriftführer des Waldheim-Vereins, dem das Sillenbucher Traditionshaus gehört, wissen: Das Gebäude muss stabilisiert werden. Aber aus eigener Kraft kann der Verein die 50 000 Euro, die die Sanierung nach einer ersten Schätzung kosten soll, nicht stemmen.

Die Rücklagen des etwa 100 Mitglieder starken Zusammenschlusses sind aufgebraucht, sagt Albrecht Kotitschke. Vor zwei Jahren sind sowohl das Dach als auch die Fassade des Clara-Zetkin-Hauses isoliert worden. Rund 80 000 Euro hat das gekostet. Finanziert haben die Ehrenamtlichen das mit dem, was auf dem Sparbuch lag, und Spenden. Die Haupteinnahmequelle des Waldheim-Vereins ist die Gaststätte. Die läuft gut, betonen die beiden Vorstandsmitglieder. Vor allem bei Familien ist das Lokal mit dem großen Spielplatz im Schatten der Bäume beliebt, aber auch zahlreiche private Feiern und Zusammenkünfte anderer Clubs würden hier ausgerichtet. Für den Waldheim-Verein ist die Gaststätte Segen und Fluch. Segen, weil sie die Existenz sichert. Fluch, weil der Verein deswegen vor einigen Jahren die Gemeinnützigkeit aberkannt bekommen hat und seither ohne Fördermittel auskommen muss, sagt Isabelle Amidzadeh. „Von der Stadt unterstützt werden immer die gemeinnützigen Vereine zuerst, das ist eine Tatsache.“

Der Waldheim-Verein betreibt die Gaststätte

„Wir haben immer wieder Anträge gestellt – aber erfolglos“, fügt Albrecht Kotitschke an. Beim Bürgerhaushalt 2015 habe die Dach- und Fassaden-Sanierung des Clara-Zetkin-Hauses zwar einen guten Platz erzielt, Geld habe es dennoch keines gegeben. „Wegen der Gaststätte werden wir als Firma eingruppiert. Und Firmen werden beim Bürgerhaushalt nicht begünstigt“, sagt Isabelle Amidzadeh. Tatsächlich ist es so, dass dem Waldheim-Verein das Haus und das Grundstück an der Gorch-Fock-Straße gehören. Er betreibt die Gaststätte und fungiert als Arbeitgeber für die Angestellten. Der Vereinszweck ist indes das kulturelle Angebot. Im Clara-Zetkin-Haus werden mindestens einmal im Monat Veranstaltungen ausgerichtet.

Trotz der Abfuhr vor zwei Jahren ist die Sanierung des Hauses auch dieses Jahr wieder beim Bürgerhaushalt dabei, und zwar als Vorschlag mit der Nummer 40100. „Vielleicht ändert die Stadt ihre Meinung, die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Kotitschke. Auch hofft man im Verein, dass viele auf das Thema aufmerksam werden und sich so Spenden generieren lassen. Als letzte Möglichkeit bleibe nur die Aufnahme eines Kredits, sagt der Schriftführer. Die Frage, ob das den Verein in seiner Existenz bedrohen könnte, beantwortet die zweite Vorsitzende so: „Auch einen Kredit muss man zurückzahlen.“

Derweil überlegt man im Waldheim-Verein auch, wie man sich neu aufstellen und neue Mitglieder anwerben kann. „Bei uns ist es wie bei allen Vereinen: Wir werden alt und kleiner“, sagt Kotitschke. Mehr Veranstaltungen will man anbieten, außerdem das Haus für Tagungen öffnen. Das brächte Einnahmen und ein Plus in der Außenwirkung. Von einer Verpachtung des gastronomischen Betriebs will man im Verein aber nichts wissen. „Wir wollen Herr im Hause sein“, sagt Albrecht Kotitschke.

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