InterviewStuttgart-Sillenbuch „Die Sanierung des GSG wäre eine Zumutung“

Von Caroline Holowiecki 

Bis zuletzt hatte der Sillenbucher Bezirksvorsteher Peter-Alexander Schreck gehofft, 2017 ein Häkchen hinters Thema Bürgerzentrum machen zu können – ohne Erfolg. Im Interview spricht er darüber, dass immerhin in Sachen Geschwister-Scholl-Gymnasium seine Hoffnungen groß sind für 2018.

Quo vadis GSG? Das Jahr 2018 soll neue Erkenntnisse bringen. Foto: Caroline Holowiecki
Quo vadis GSG? Das Jahr 2018 soll neue Erkenntnisse bringen. Foto: Caroline Holowiecki

Sillenbuch - Seit knapp 16 Jahren steht Peter-Alexander Schreck dem Bezirk Sillenbuch vor. Der gebürtige Esslinger ist ein Verwaltungsprofi: Nach dem Abitur hat er eine Ausbildung bei der Stadt Stuttgart gemacht, dann den Diplom-Verwaltungswirt abgelegt. Bevor er zum Bezirksvorsteher gewählt wurde, war der 58-Jährige bei der Stuttgarter Stadtverwaltung und der Landesregierung tätig. Im Interview spricht er über Überraschungen des Jahres 2017 und gesteht, für welches Problem er keine Lösung weiß.

Herr Schreck, in Sillenbuch war es im Jahr 2017 relativ ruhig. Man könnte meinen, es war nichts los.
Ich bin zufrieden mit der Entwicklung, es war ein Jahr der Planung, ein vorbereitendes Jahr. Es gab zwei Dickschiffe: das GSG und das Bürgerzentrum.
Richtig weitergekommen ist man beim GSG aber nicht. Mal wieder wegen der Filderauffahrt.
Das ist die Eigenart von solchen schlummernden Riesen. Es steckt eine enorme politische Dynamik dahinter, die B 312 auf die Schiene zu setzen. So spielt das Leben, ohne Aktion keine Reaktion. Im einen Moment ist sie überholt, dann scheint wieder jeder drüber zu reden.
Erst standen die Zeichen beim GSG auf Neubau, dann auf Sanierung, und nun liegt der Ball im Feld der Region, die bis April entscheiden soll, ob das Grundstück weiter für die Option auf die Filderauffahrt freigehalten wird oder ob man sich nach Jahrzehnten von der Variante verabschiedet. Wie sehen Sie dem entgegen?
Ich bin optimistisch, dass man zwischenzeitlich zu der Erkenntnis gekommen ist, dass die Trassenführung der B 312 so nicht mehr optimal ist. Die Langtunnelvariante von Wangen aus wäre einfach klasse, ein Volltreffer. Das Geld spielt in dem Fall keine Rolle, es ist eine Frage des politischen Willens. Und die Diskussion über eine Renovierung der Schule hat sich im Laufe des Jahres so was von verabschiedet. Der Neubau ist meines Erachtens die einzige Möglichkeit. Die Sanierung wäre eine Zumutung für alle und völlig unkalkulierbar.
Beim Dickschiff Nummer zwei, dem Bürgerzentrum, mussten Sie indessen dieses Jahr einen Rückschlag hinnehmen – zum wiederholten Mal. Im Haushalt für 2018/19 ist dafür kein Geld vorgesehen. Ein geplanter Gemeinderatsantrag wurde aus Zeitgründen nicht mehr eingebracht, heißt es.
Es war nicht zu spät, es war eher eine Frage der Organisation einer politischen Mehrheit. Ansonsten kann von Enttäuschung oder Tiefpunktgefühlen keine Rede sein. Das Bürger- und Veranstaltungszentrum ist auf jeden Fall weiter im Gespräch. In 2018 ist vor allem die Lokalpolitik gefordert. Es geht um eine konkrete Weiterentwicklung der bisherigen Planungsüberlegungen.
Ein anderes großes Thema, das die Sillenbucher umtreibt, ist der Verkehr. Mittlerweile hat sich eine Bürgerinitiative gebildet. Haben Sie Lösungen?
(überlegt lange) Nein, ich habe keine Idee. Die Rufe nach einer Umgehung sind nicht reell, die Ampeln auf der Kirchheimer Straße sind bis auf die Zehntelsekunde ausgereizt. Das wird nicht besser in absehbarer Zeit. Ich will die Bürgerinitiative nicht kleinmachen. Es ist toll, dass die Menschen sich engagieren. Aber das Verkehrsverhalten wird immer komplexer. Es gibt keine Alternativen.
Hinzu kommen Einschnitte bei den Alternativen: der Rückzug von Car2go aus Heumaden und die Einschränkung der Verkehrszeiten der U 15. Glauben Sie, das ist umkehrbar?
Ich sehe keine Chancen, das umzukehren, die werden sich das durchgerechnet haben. Anderseits hoffe ich, dass Heumaden nicht zu den Akten gelegt wird. Die Stadt muss sich Gedanken machen und eventuell interimsweise in die Bresche springen. Die Stadt wäre hier in der Pflicht. Das geht nur mit entsprechendem politischen Druck, das gilt auch für den Bezirksbeirat. Steter Tropfen höhlt den Stein. Da muss man aber Leidenschaft mitbringen. Das erfordert viele Diskussionen und gute Nerven.
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